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Guides an KZ-Gedenkstätten und Holocaust Museen ‒ Professionalisierung in Zeiten eines Wandels der Erinnerungskultur

  • Anja BallisEmail author
Chapter
Part of the Holocaust Education – Historisches Lernen – Menschenrechtsbildung book series (HEM)

Zusammenfassung

An Gedenkstätten und Holocaust Museen sind aktuell zwei Tendenzen feststellbar: Zum einen werden Ausstellungen neu konzipiert, die insbesondere aktuelle, mediale Formen der Präsentation aufnehmen. Zum anderen ist die Tendenz feststellbar, die Ausbildung von Vermittlerinnen und Vermittlern bzw. Guides zu professionalisieren und oft auch zu standardisieren. Der vorliegende Beitrag geht von diesen Veränderungen aus und wendet sich Ausbildung und Tätigkeit von Guides zu. Basierend auf Feldstudien, Interviews und Dokumentenanalysen für vier Einrichtungen ‒ die KZ-Gedenkstätten Dachau und Mauthausen, das United States Holocaust Memorial Museum und das Anne Frank Zentrum Berlin ‒ wird folgenden Fragen nachgegangen: Welche Kernaktivitäten werden von Guides bei Rundgängen an KZ-Gedenkstätten und Holocaust Museen erwartet? Welche Position nehmen sie im Gefüge der jeweiligen Institution ein? Welche Optimierungsvorschläge ergeben sich aus diesen Erkenntnissen für ihre Ausbildung und Tätigkeit? Die Daten werden im Sinne der Grounded Theory Methodologie erhoben und mithilfe des „Arbeitsbogens“ („Arc of work“, Strauss, The Sociological Quarterly 26(1):1–19, 1985) ausgewertet und dargestellt. Erklärtes Ziel des Beitrages ist es, Erkenntnisse aus professionstheoretischer Sicht zu generieren, die die (neben)beruflichen Bedingungen der Guides in Zeiten eines tiefgreifenden Wandels der Erinnerungskultur reflektieren.

Abstract

There are currently two discernable trends at Holocaust museums and memorial sites: Firstly, many exhibitions are being redesigned in a way that emphasizes novel media formats in their presentation. Secondly, at various sites the tour guides’ training is being professionalized and often also standardized. With these developments in mind, this contribution focuses on the training and practice of tour guides. The following key questions shall be examined on the basis of field research, interviews and document analysis conducted at four institutions: Which core activities are expected from tour guides during their tours of concentration camp memorial sites and Holocaust museums? What is their position in these institutions? Which suggestions for improvement can be deduced for their training and practice? All data is gathered according to the principles of the grounded theory methodology, and evaluated and described using Strauss’ model of “arc of work” (Strauss, The Sociological Quarterly 26(1):1–19, 1985). The declared aim of this contribution is to gain insights into the working conditions of the modern tour guide’s main (or side) job with regard to vocational theory, and to reflect on them within the context of the fundamental changes in commemorative culture.

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Authors and Affiliations

  1. 1.MünchenDeutschland

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