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Geschichten von ‚Nähe und Distanz‘: Wie Radiojournalismus heute den Holocaust vermittelt

  • Susanne WegnerEmail author
Chapter
Part of the Holocaust Education – Historisches Lernen – Menschenrechtsbildung book series (HEM)

Zusammenfassung

Als Teil der Holocaust-Erinnerungskultur prägt Journalismus diese entscheidend mit. Nach welchen Regeln genau Journalistinnen und Journalisten Vergangenheit deuten, ist jedoch kaum untersucht. Der vorliegende Beitrag formuliert (vorläufige) Thesen über die Berichterstattung zur Judenverfolgung auf Basis qualitativ ausgewerteter Radiobeiträge des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sind wichtigster Zugang zur Geschichte und zugleich Anlass, eine Diskussion darüber anzustoßen, wie „angemessene“ Erinnerung heute und in Zukunft auszusehen hat. Die Frage der Schuld und Verantwortung wird in diesem Zusammenhang kontrovers diskutiert. Welche Rolle spielt sie in den journalistischen Beiträgen? Laufen Journalistinnen und Journalisten in diesem Kontext Gefahr, zu moralisieren, anstatt neutral und sachlich zu berichten? Und wie reagiert das Publikum darauf? Führt eine implizite Schuldzuweisung bei ihnen zu einer Abwehr des Themas? Und: Gibt es neue Formen der Berichterstattung, die sich nicht in das Dilemma der „Schuldzuweisungen und Schuldabwehr“ begeben?

Abstract

Journalism is not only part of the Holocaust memory culture, it also plays a key role in shaping history. According to which exact rules journalists interpret and process the past has hardly been investigated. Based on an analysis of current radio features from public broadcasting, this article formulates theses on how radio journalists deal with the Holocaust: Contemporary witnesses are not only the most important approach to history, but also an opportunity to initiate a discussion on how “appropriate” memory should look today and in the future. The question of guilt and responsibility is controversially discussed in this context. What role does it play in journalistic articles? In this context, do journalists run the risk of moralizing instead of reporting neutrally and factually? And how does the audience react to this? Does an implicit attribution of guilt lead to a defense against the topic? And: Are there new forms of reporting that do not enter the dilemma of “blaming and defending”?

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Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.EichstättDeutschland

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