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Proaktive Polizeiarbeit braucht Netzwerk- und Organisationsentwicklung- und Führungskräfte, die diese Prozesse initiieren

  • Christian BarthelEmail author
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Zusammenfassung

Proaktive Polizeiarbeit, Prävention vor allem in der Form sozialräumlich und gemeindeorientierter Polizeiarbeit, ist in programmatischer Hinsicht eine zentrale Aufgabe von Polizeibehörden und Polizeidienststellen. In der Alltagsorganisation allerdings zeigt sich, dass diese Aufgabe keinen zentralen Stellenwert einnimmt. Es dominiert vielmehr die reaktive Polizeiarbeit. Im vorliegenden Beitrag wird gezeigt, dass bei aller organisations- und professionskulturellen Dominanz des reaktiven Polizeihandelns, eine proaktive Polizeiarbeit dennoch – sowohl auf der Arbeitsebene wie auch auf der strategischen Ebene einer Behörde bzw. Polizeipräsidiums – verankert werden kann. Die dazu notwendige Gestaltungsarbeit findet dann auf drei Ebenen statt: proaktive Polizeiarbeit ist in erster Linie Netzwerkmanagement vor Ort – in der Region oder Stadtteil; zum Zweiten bedarf das gemeindeorientierte Netzwerkmanagement der stabilen Verankerung in der Arbeitsorganisation einer Dienststelle – also einer ermöglichenden Organisationsentwicklung; zum Dritten muss die Organisationsentwicklung in den Dienststellen durch eine strategische Verankerung in der Ziel- und Strategieformulierung der vorgesetzten Behörden stabilisiert werden. Diese Form der konzeptionellen Ausgestaltung und zugleich strukturellen Verankerung proaktiver Polizeiarbeit wird im Folgenden am Fall einer Führungskraft aus dem Höheren Polizeivollzugsdienst geschildert.

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Authors and Affiliations

  1. 1.Deutsche Hochschule der PolizeiMünsterDeutschland

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