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„Mit Rücksicht auf die Notwendigkeiten des Staates…“

Autoritäre Propaganda und mediale Repression im austrofaschistischen „Ständestaat“
  • Karin MoserEmail author
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Zusammenfassung

Mit der De-facto-Ausschaltung des Parlaments im März 1933 begann der Weg Österreichs in die Diktatur. Die Regierung Dollfuß suchte mit Notverordnungen den Schein der Rechtsstaatlichkeit zu wahren, real erfolgte aber ein Staatsstreich auf Raten. Die Opposition wurde diszipliniert, unterdrückt und verboten. Das autoritäre Regime richtete mediale Kontroll-, Vermittlungs- und Propagandainstanzen ein und sicherte sich den medialen Zugriff auf institutioneller, personeller und inhaltlicher Ebene. Sämtliche Medien – ob Presse, Radio oder Kino/Film – wurden gleichgeschaltet, die Zensur wiedereingeführt und die Pressefreiheit beseitigt. Insgesamt erwiesen sich die medialen Propagandaaktivitäten und Gleichschaltungstendenzen des austrofaschistischen „Ständestaats“ als wenig erfolgreich. Die „Massen“ konnten nicht einmal ansatzweise für das System mobilisiert werden. Vielmehr gingen die Österreicherinnen und Österreicher in einen „Leser“-, „Hörer“- und „Wochenschaustreik“. Zudem blieb der politische und mediale Druck aus NS-Deutschland groß. Dabei kam allerdings auch die ambivalente Strategie des autoritären Regimes gegenüber den Nationalsozialisten zum Tragen, die sich zwischen Konfrontation und Befriedung bewegte.

Schlagwörter

Austrofaschismus Ständestaat Mediengleichschaltung Presse Radio Film Propaganda 

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Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Wirtschafts- und SozialgeschichteUniversität WienWienÖsterreich

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