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PEGIDA und der „religiöse Musikalitätsmangel“

Zum Erfolg einer (zweifelhaften) These
  • Stefanie Hammer
  • Steven SchällerEmail author
Chapter
Part of the Politik und Religion book series (PUR)

Zusammenfassung

Unter den Erklärungsversuchen zu den Ursachen des Erfolgs der Dresdner Protestbewegung der Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes (PEGIDA) erweckt eine These besondere Aufmerksamkeit. Danach ließe sich die Ursache für die Proteste in einem „religiösen Musikalitätsmangel“ finden, der sich darin ausdrücke, dass die areligiöse ostdeutsche Gesellschaft auf eine selbstbewusste Religion treffe. Dieser These tritt der vorliegende Beitrag entgegen. Zunächst wird die Verwendung der offenkundig an Max Weber angelehnten Semantik des religiösen Musikalitätsmangels kritisch hinterfragt und anschließend auch mit Blick auf die empirischen Befunde zu PEGIDA in Zweifel gezogen. Abschließend geht der Beitrag der Frage nach, inwiefern PEGIDA als ein zivilreligiös aufgeladenes Protestphänomen verstanden werden kann, für dessen Verständnis jedoch eine analytische Sprache benötigt wird, die sich jenseits des Dualismus von konfessionell/nicht konfessionell, religiös/nicht religiös bewegt. Der Beitrag kann zeigen, dass das Handeln der PEGIDA-Demonstranten nicht allein in der Zuordnung zu einer der Seiten der Unterscheidung von religiös/nicht religiös aufgeht und damit als Erklärung der Protestbewegung deutlich zu kurz greift.

Schlüsselwörter

Pegida Religion politische Kultur Protestforschung 

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Authors and Affiliations

  1. 1.ErfurtDeutschland
  2. 2.DresdenDeutschland

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