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Der Totenkopf als symbolisches Mittel zur Inszenierung von Jugendlichkeit

  • Agnes TrattnerEmail author
Chapter
Part of the Erlebniswelten book series (ERLEB)

Zusammenfassung

Der Totenkopf erlebt als Symbol und Motiv spätestens seit den 1970/1980er Jahren eine Renaissance in unterschiedlichen jugendkulturellen Szenen, weshalb er als besonders taugliches Objekt erscheint, um daran jugendliche Praktiken der Bricolage zu untersuchen. Der Beitrag beleuchtet die Bedeutungen des Totenkopfs als historisches Alltagsobjekt und dessen Aufladung mit neuen Sinnkonstruktionen im jugendkulturellen Kontext. Darüber hinaus wird die Rolle erkundet, die Totenkopfmotive angesichts ihrer massenhaften Verbreitung seit Beginn des 21. Jahrhunderts in der Inszenierung von Jugendlichkeit spielen. Neben der Generierung von Zugehörigkeiten und Abgrenzungen mit Hilfe von Todessymbolen steht dabei das intergenerationale Ringen um die Definitionsmacht und die Sicherung jugendlicher Attribute im Fokus. Im Speziellen wird hier näher auf das dem Totenkopfmotiv eigene Provokationspotenzial vor dem Hintergrund der generationalen Selbstverortung sowie den jugendtypischen Phänomenen der Grenzüberschreitung und des Tabubruchs eingegangen.

Schlüsselwörter

Totenkopf Bricolage Selbstinszenierung Jugendlichkeit Generation Provokation 

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Authors and Affiliations

  1. 1.GrazÖsterreich

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