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Das Parlament in Italien

  • Erwin v. Beckerath
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Zusammenfassung

Unter den zahlreichen Verneinungen, die der Fascismus predigte, stand in erster Linie die Negation des parlamentarischen Systems. Die Ablehnung stammte aus der Theorie Soreis und Gorradinis. Der Satz Soreis: le gouvernement par l’ensemble des citoyens n’a jamais été qu’une fiction 1), wurde in allen Tonarten von den Faseisten variiert. Dazu gesellte sich der Vorwurf, das Parlament sei technisch gar nicht in der Lage, seiner Aufgabe auf dem Gebiete der Gesetzgebung gerecht zu werden; es wäre viel zu schwerflüssig, dem raschen Gang des modernen Lebens nachzukommen, und hinke mit seiner Tätigkeit hinterher. Das öffentliche Leben finde seinen höchsten Ausdruck nicht mehr in den Sessionen der Volksvertretung, sondern ebensosehr in der Presse und in den Tagungen mächtiger Wirtschaftsverbände. Die Vernachlässigung der organisierten Interessen ist der schwerste Vorwurf, der gegen das Parlament erhoben wird; sie ist, nach Ansicht der Faseisten, schuld daran, daß nicht Sachkenner, sondern Demagogen in die Volksvertretung gewählt werden. Es ist charakteristisch, daß die fasci der Frühzeit „Fachgruppen“ (Gruppi di Competenza) enthielten, die von manchen Anhängern als Keime eines künftigen beruflich gegliederten Parlaments gedacht waren. Diese Gruppen haben sich später bei manchen Gelegenheiten, so in der Lösung der Schulfrage, wo sie eine abweichende Meinung vertraten, der Regierung Mussolinis als hinderlich erwiesen; sie sind sang- und klanglos von den fascistischen Gewerkschaften absorbiert worden.

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Notes

Notes

  1. 1).
    Matériaux d’une théorie du prolétariat, p. 118.Google Scholar
  2. 1).
    Governo e Governati in Italia, vol. I, p. 329. Bologna 1889.Google Scholar
  3. 1).
    Garlanda, Federico: La terza Italia, p. 295. Roma.Google Scholar
  4. 1).
    Ein Beispiel: Giolitti (Memorie vol. II, p. 595) erzählt, daß die Parlamentsvertretung seine Gründe für die Erhöhung des Brotpreises vollkommen eingesehen habe, aber durch die Parteileitung zur Obstruktion gezwungen worden sei.Google Scholar
  5. 2).
    Vgl. die Artikel 12 und 15 ff. des Statuto della Confederazione delle Corporazioni Sindacali. Es ist abgedruckt bei Avarna di Gualtieri: l. c., p. 213 ss.Google Scholar
  6. 1).
    Das Programm ist vollständig abgedruckt bei Ernesto Vercesi: II Movimento cattolico in Italia, p. 150 ss. Firenze 1923.Google Scholar
  7. 1).
    Villari: l. c., p. 138.Google Scholar
  8. 1).
    Giolitti: 1. c. vol. II, p. 610.Google Scholar
  9. 2).
    Giolitti: 1. c. vol. II, p. 611 ss.Google Scholar
  10. 1).
    Diuturna, p. 468 ss.Google Scholar
  11. 2).
    Mussolini: La Nuova Politica dell’ Italia, vol. I, p. 9. Milano 1923. Es ist dies der erste Band von Mussolinis Rede.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1927

Authors and Affiliations

  • Erwin v. Beckerath
    • 1
  1. 1.Universität KölnDeutschland

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