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Zug, Druck, Biegung und Verdrehung

  • Friedrich Bleich
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Zusammenfassung

Der Spannungszustand. Die Festigkeitsberechnung verfolgt in erster Linie den Zweck, die Materialanstrengung in den einzelnen Baugliedern festzustellen, um zu einem Urteil über die Sicherheit gegen das Eintreten bleibender Formänderungen oder des Bruches zu gelangen. Es sei hier vorausgesetzt, daß die angreifenden Kräfte eines jeden Baugliedes bereits bekannt sind, daß also im Fachwerke z. B. die Stabkräfte, bei biegungssteifen Trägern Momente und Querkräfte usw. bereits ermittelt wurden und daß es sich nur mehr darum handelt, die örtliche Materialanstrengung zu berechnen. Man denke sich zu diesem Zwecke den in Betracht zu ziehenden Bauteil aus dem Zusammenhang mit dem übrigen Bauwerk gelöst und die an den Schnittstellen übertragenen inneren Kräfte durch ein gleichwertiges System von äußeren Kräften (Spannungsresultanten) ersetzt. So gelangt man zu der Aufgabe, bei einem irgendwie geformten Körper, der unter dem Einfluß von auf seiner Oberfläche wirkenden Kräften steht (von Massenkräften kann in der Regel abgesehen werden), Formänderungen und Spannungen zu bestimmen. In dieser allgemeinsten Form ist aber derzeit das Problem weder mit Hilfe der mathematischen Elastizitätstheorie, noch mittels der Näherungsmethoden der technischen Festigkeitslehre lösbar. Es ist nur gelungen, für eine Reihe einfacher Körperformen und bestimmter Anordnung der Oberflächenkräfte die oben gestellte Aufgabe zu beantworten. Es bleibt daher nichts anderes übrig, als in jedem Einzelfalle das Problem durch Absehen von minder wichtigen Einflüssen und durch entsprechende Vereinfachung der Körperform bekannten Lösungen anzupassen. Daß natürlich die Elastizitätstheorie und die mit der technischen Festigkeitslehre eng verbundene Versuchsforschung vom Eisenbrückenbau her einen nennenswerten Teil ihrer Aufgaben erhalten und gelegentlich mit Erfolg beantworten, ist selbstverständlich. Wir sind hier erst am Anfangé einer Entwicklung, die zunächst noch tastend dahin zielt, eine Theorie der baulichen Einzelheiten zu schaffen, um in das oft vielfach verschlungene Kräftespiel in örtlich begrenzten, aber lebenswichtigen Bauteilen hinein zu leuchten. Hat die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts die Baustatik im wesentlichen zur Vollendung gebracht, so ist es Aufgabe der nächsten Jahrzehnte, mittels Theorie und Versuch die Frage des örtlichen Spannungsverlaufes zu klären, um Überlastung auf der einen Seite, Verschwendung von Material auf der anderen Seite hintan zuhalten.

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© Julius Springer in Berlin 1924

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  • Friedrich Bleich

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