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Die Standesorganisation der Zahnärzte

  • Paul Oppler
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Zusammenfassung

Jeder akademische Stand wird zuvörderst auf wissenschaft-licher Grundlage aufbauen, dann in seiner weiteren Entwicklung die standespolitische und zuletzt die wirtschaftliche Organisation zu errichten sich bestreben. Der Werdegang der Zahnärzte er-hält dadurch ein eigenartiges Gepräge, daß er teils aus dem niederen Handwerkerstande, dem der Bader, teils aus dem aka-demischen, dem der Medizin, hervorgegangen ist, und wie es sich häufig bei Emporkömmlingen zeigt, sich seiner geringen Herkunft schämt. Daraus sind zum Teil die Kämpfe zu verstehen, in die die Zahnärzte verstrickt sind, und welche die Berufsfreudigkeit, wie die Einigkeit dieses Standes und seiner Organisation beeinträchtigen. Noch heute leben Vertreter des zahnärztlichen Standes, und es sind nicht die schlechtesten, die in einem Barbier-laden ihre Lehrzeit begonnen und sich bis zum Dr. phil. und Dr. h. c. emporgeschwungen haben. Ein bekannter Lehrer und hervorragender Zahnarzt hat trotz seiner Tertianervorbildung lange Jahre hindurch eine zahnärztliche Professur an einer unserer größten Universitäten innegehabt. Andrerseits sind besonders in früheren-Jahren viele Akademiker, die an anderen Fakultäten kein Fortkommen fanden, zur Zahnheilkunde übergegangen, und manch ein Primaner, der niemals das Maturum bestanden hätte, hat sich nicht aus Neigung unserem Beruf zugewandt. Man kann also verstehen, daß in diesem kaum mehrere Menschenalter be-stehenden Stand noch alles gärt und in der Entwicklung begriffen ist, und daß es rühmend hervorgehoben werden muß, daß seine Lehrer und Führer es verstanden haben, in dieser verhältnismäßig kurzen Zeit seine Organisation zu befestigen und auszu-dehnen. Der verlorene Krieg hat natürlich auch der Zahnheil-kunde tiefe Spuren eingegraben, aber trotzdem nicht hindern können, daß sich seine Vertreter eines um so festeren Zusammen-schlusses beflissen haben. In allen zahnärztlichen Kreisen herrscht ein intensiveres Arbeiten denn je, und die ungünstigen Wirtschaftlichen Aussichten, wie die Not des Vaterlandes, veranlassen einen überaus regen Austausch von Erfahrungen in den Vereinigungen wie in den Zeitschriften. Ganz besonders die Doktorpromotion im eigenen Fach hat in wissenschaftlicher Beziehung schöne Früchte getragen, wie aus einer Reihe vorzüglicher Promotions -arbeiten hervorgeht. Mit der seiner Zeit eingetretenen Verschär-fung der Vorbildung von Tertiareife bis zum Maturum ist das Ansehen des Berufes weiterhin gestiegen und findet seinen vorläufigen Abschluß in der Promotion und der Anstellung von außerordentlichen Professoren, denen hoffentlich in nicht zu langer Zeit die Ordinarien folgen dürften. Wenn der erste Zahnarzt ein Rektorat übernehmen wird, wird auch die gesamte Organisation des zahnärztlichen Standes einen Höhepunkt erreicht haben.

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© Julius Springer in Berlin 1921

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  • Paul Oppler

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