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Fragestellung und Methode

  • Adelheid Fuchs-Kamp
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Zusammenfassung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage: Welches Lebens-Schicksal ist den ehemaligen Fürsorgezöglingen beschieden, wenn sie die Anstalt verlassen haben, und auf welcher psychischen Artung ihrer Träger baut es sich auf? Zur Beantwortung dieser Frage sollen individuelle Lebensläufe mit einer Methode, über die im folgenden Rechenschaft abgelegt wird, untersucht und das Material der Fälle selber, das zunächst beziehungslos auseinander zu fallen scheint, in Typen geordnet werden. So charakterisieren sich diese Darstellungen dadurch, daß sie sich nicht allein um die Erfassung objektiver Daten, wie es der statistischen Methode eigentümlich ist, bemühen, sondern um die Erfassung der Persönlichkeiten selbst ; und zwar gehen sie von ihrem Spätschicksal aus, während bisher nur solche Fälle, die noch in der Fürsorgeerziehung selber standen, nach ihrer persönlichen Artung untersucht wurden1. Eine ähnliche Aufgabe zur Nachprüfung von Persönlichkeit und Spätschicksal stellte sich Kurt Schneider in seinen Studien über eingeschriebene Prostituierte, die 1926 durch die Kata-mnesen Luise von der Heydens ergänzt wurden ; Homburger untersuchte den geisteskranken Strafgefangenen, Wilmanns den Landstreicher in seinem Lebensgange2; auf dem Gebiet der Fürsorgeerziehung ist die vorliegende Arbeit ein erster Versuch in der gleichen Richtung. Die bisherige deutsche Literatur hat sich im wesentlichen statistisch mit diesem Gegenstand beschäftigt.

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Notes

Literatur

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    v. Grabe stellt in 65,1% der Fälle eine geordnete Lebensführung fest. Rehm fand unter 103 nachprüfbaren Fällen bei 45% einen guten, bei 20% einen zweifelhaften, bei 35% einen schlechten Erfolg. Unter der ersten dieser drei Gruppen faßt Rehm eine sozial einwandfreie Lebenshaltung, unter der zweiten eine wohl schwankende, aber keine kriminelle Führung, unter der dritten Unstete, Verbrechen, Vergehen und Prostitution. Bei der Kürze seiner Untersuchungsfrist hält Rehm dieses Ergebnis nicht für endgültig und rechnet mit einer weiteren Verschiebung innerhalb der Gruppen derart, daß von den guten Fällen eine Abwanderung zu ungünstigen und umgekehrt vor sich gehen wird. Weiterhin ist soeben eine Arbeit von Fischer erschienen : Der Lebenserfolg der Fürsorgeerziehung, in der Festgabe für Dr. Chr. J. Klumker, S. 52–102. Berlin 1929. Fischer erweiterte seine Untersuchungen dadurch, daß er nicht nur Erhebungen über eine eventuell eingetretene Kriminalität machte, sondern seine Fälle durch drei Abteilungsleiter der Nürnberger Fürsorgeerziehungsbehörde einer persönlichen Nachschau unterziehen ließ. Seine Absicht dabei war die, neben der aus Strafregistern und Akten ersichtlichen Kriminalität oder Nichtkriminalität einen persönlichen Eindruck von der gegenwärtigen Lebenslage und Lebensführung des einzelnen zu gewinnen. Auch der Beschaffenheit der Persönlichkeiten selbst geht er in einem Umriß insofern nach, als er eine Scheidung unter ihnen dadurch vornimmt, ob sie aus Gründen des Milieus oder der Anlage oder einer Mischung beider verwahrlosten. Ob die Beobachtungen darüber der jetzigen Nachschau entstammen, läßt sich nicht genau ersehen; es scheint, daß sie in den früheren Fürsorgeerziehungsakten bereits enthalten waren. Bei der „Anlage“ unterscheidet F., ohne in die konkreten Differenziertheiten vordringen zu wollen, in allgemeingehaltener Formulierung „Psychopathie“ und „Schwachsinn“, die er bei 74,1 % der Fälle feststellt. — F. untersucht 212 männliche und weibliche Fürsorgezöglinge in ihrer Lebenshaltung über einen Zeitraum von 4½—5½ Jahren nach Entlassung aus der Anstalt, in einem Durchschnittsalter von 23–24 Jahren. In der Frage nach ihrer Lebensbewährung ist er zu folgenden Resultaten gekommen: Voller Lebenserfolg......42,4% Schwacher Lebenserfolg .... 10,9 % Befriedigender Lebenserfolg. . . 19,8% Mißerfolg.........26,9% An diesen Erfolgsstufen haben die männlichen Zöglinge, die hier als Vergleichsmaterial besonders interessieren, einen anderen Anteil als die weiblichen, und zwar an dem guten und befriedigenden Erfolg einen geringeren: Voller Lebenserfolg......39,1% Schwacher Lebenserfolg .... 13,6% Befriedigender Lebenserfolg. . . 19,3% Mißerfolg.........28%Google Scholar
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  14. 2.
    Eine Einengung der psychopathischen Persönlichkeiten auf den Umkreis, der unter Fürsorgezöglingen angetroffen wird, gibt Kurt Schneider in einem Vortrag: Die Verwahrlosung vom Standpunkt des Psychiaters. Ber. 3. Tag. über Psychopathenfürsorge 1924. Berlin 1926.Google Scholar
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  16. 1.
    Es wird, wo z. B. ein Schwachsinn vorliegt, nicht dieser selbst zum Einteilungsprinzip erhoben, sondern nur in seiner Kombination mit einer haltlosen, einer gemütsarmen Persönlichkeit usw. dargelegt werden.Google Scholar
  17. 1.
    1910 zu wiederholtem Male aufgenommen wurden aus der Gruppe der Leichtkriminellen neun (18, 20, 27, 28, 32, 34, 35, 37, 43), aus der Gruppe der Schwerkriminellen sechs (47, 50, 51, 52, 55, 59).Google Scholar
  18. 1.
    Die Fälle persönlicher Nachschau sind im Text mit einem * versehen.Google Scholar

Copyright information

© Julius Springer in Berlin 1929

Authors and Affiliations

  • Adelheid Fuchs-Kamp

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