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Vorbemerkungen

  • L. Löwenfeld
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Zusammenfassung

Die Vorgänge des sexuellen Lebens stehen unter dem Einflusse des Nervensystems; sie sind von der Funktion gewisser zentraler Apparate abhängig. Von Budge, Eckhard, Goltz, Spina, R. L. Müller u. a. wurden auf experimentellem Wege bei Tieren in den unteren Kückenmarksabschnitten (oberes Lumbalmark und unteres Sakralmark) Zentren für die Vorgänge der Erektion und Ejakulation nachgewiesen, und es besteht kein genügender Grund, zu bezweifeln, daß auch beim Menschen in den gleichen Markabschnitten Zentren für den Geschlechtsakt vorhanden sind 1). Auch in der Großhirnrinde hat das sexuelle Leben seine Vertretung; die demselben angehörigen psychischen Geschehnisse, Vorstellungen, Gefühle und Dränge, sind jedenfalls an gewisse kortikale Territorien gebunden. Ob jedoch eine einheitliche, umschriebene Zentralstelle für den Geschlechtssinn in der Großhirnrinde existiert, blieb bis in die neuere Zeit zweifelhaft 2). Die Theorie Galls, nach welcher das Kleinhirn den Sitz des Fortpflanzungstriebes beherbergen soll, ist schon lange als irrtümlich erkannt. Ferrier glaubte aus gewissen experimentellen Tatsachen schließen zu können, daß die Zentren der sexuellen Vorstellungen wahrscheinlich in jenen Eegionen des Gehirns zu suchen seien, welche den Hinterhauptslappen mit dem tieferen und inneren Teile des Schläfenlappens verbinden.

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Notes

Literatur

  1. 1).
    Nach dem Vorgange von R. L. Müller (klinische und experimentelle Studien über die Innervation der Blase, des Mastdarms und des Genitalapparates. Deutsche Zeitschrift für Nervenheilkunde. 1901 und Weitere Beiträge zur Pathologie und zur pathologischen Anatomie des unteren Rückenmarksabschnittes, ebenda 1901) wurde von einer Anzahl von Autoren angenommen, daß die Zentren für die Erektion und Ejakulation ausschließlich oder wenigstens z. T. außerhalb des Rückenmarks und zwar in den Gangliengeflechten des kleinen Beckens (Plexus prostaticus oder Plexus vesicae seminalis) liegen. Diese Annahme wurde nachträglich von R. L. Müller selbst als irrtümlich aufgegeben (R. L. Müller und W. Dahl, „Die Innervierung der männlichen Geschlechtsorgane“. Deutsches Archiv f. klin. Medizin 107 B., 1912).Google Scholar
  2. 2).
    So hielt es z. B. v. Krafft-Ebing für gerechtfertigt, als Stelle für die Auslösung sexualer Gefühle, Vorstellungen und Dränge eine bestimmte Region der Hirnrinde (zerebrales Zentrum) zu vermuten. J. Roux (Psychologie de l’Instinct sexuel, Paris 1899) erachtete es dagegen für nutzlos, nach einem bestimmten Zentrum für die sexuelle Funktion im Gehirn zu suchen, da ein solches Zentrum nicht existiert.Google Scholar
  3. 3).
    S. Ferrier, Die Funktionen des Gehirns, deutsch von Obersteiner 1879, S. 216; und Philosophical Transactions of the Royal Society of London, Vol. 165, p. 484. Ein Affe, welchem Ferrier die Hinterhauptslappen des Gehirns abgetragen hatte, machte nach der Operation wiederholt einem männlichen Gefährten gegenüber Versuche sexueller Annäherung. Ferrier glaubt, dies auf Reizung eines Zentrums für die sexuellen Empfindungen in der Nachbarschaft der Läsionsstelle beziehen zu dürfen.Google Scholar
  4. 1).
    L. Pussep (Über die Gehirnzentren der Erektion des Penis und der Samenabsonderung. Dissertation 1902. St. Petersburg) fand bei Hunden eine unmittelbar hinter dem Sulcus cruciatus gelegene kleine Rindenstelle, deren elektrische Heizung Erektion und Ejakulation und deren Exstirpation Schwinden der Libido zur Folge hatte. Bechterew (Archiv f. Anatomie u. Physiologie 1905) fand bei Hunden am hinteren Teile des Gyrus sigmoideus eine Stelle, deren Reizung Spannung und Größenzunahme des Gliedes hervorruft, ferner bei Reizung einer benachbarten und z. T. mit dem Erektionszentrum zusammenfallenden Rindenstelle gesteigerte Samenabsonderung.Google Scholar

Copyright information

© J. F. Bergmann, München und Wiesbaden 1922

Authors and Affiliations

  • L. Löwenfeld
    • 1
  1. 1.MünchenDeutschland

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