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Physiologie der Hormonwirkungen

  • Hans Mohr
  • Peter Schopfer
Chapter
Part of the Springer-Lehrbuch book series (SLB)

Zusammenfassung

Vielzellige Organismen bestehen aus einer großen Zahl spezialisierter Organe und Gewebe, welche zu einer funktionellen Einheit zusammengefügt sind. Zur Koordination der verschiedenen Teile des Organismus werden chemische Botenstoffe eingesetzt, für die der Begriff Hormon geprägt wurde. Im Tier werden Hormone in der Regel in speziellen Drüsen gebildet und über die Blutbahn im Organismus verbreitet. Sie erreichen auf diese Weise das reaktionsbereite Ziel- oder Erfolgsgewebe und lösen dort spezifische Steuerungsprozesse aus (Abb. 23.1 a). Dieses klassische, ursprünglich für tierische Organismen entwickelte Hormonkonzept wurde nach der Entdeckung des „Wuchsstoffes“ der Haferkoleoptile (Auxin) auch auf die vielzelligen Pflanzen ausgeweitet. Hierfür gab es zunächst gute Gründe: Auxin wird von der selbst nicht wachstumsfähigen Koleoptilspitze sezerniert, basipetal in die Wachstumszone des Organs transportiert und reguliert dort die Zellstreckung (→ Abb. 7.3). Die hier zutage tretende Analogie zwischen dem Phytohormon Auxin und typischen tierischen Drüsenhormonen und die darauf gegründete Übertragung des tierischen Hormonkonzepts auf Pflanzen hat in der Folgezeit zu erheblicher Verwirrung geführt, da es zu der Annahme verleitet, die Phytohormone müßten sich widerspruchsfrei in das tierische Hormonkonzept einordnen lassen. Heute, über 60 Jahre nach der Entdeckung des Auxins, weiß man jedoch, daß das in Abb. 23.1 a dargestellte Schema die Wirkungsweise der pflanzlichen Hormone in vielen Fällen nicht adäquat beschreibt. Pflanzen besitzen keine echten, morphologisch abgegrenzten Hormondrüsen. Das Auxin (wie alle später entdeckten Phytohormone) kann in vielen Bereichen des Kormus gebildet werden. Oftmals wird ein bestimmtes Organ oder Gewebe erst durch Umweltfaktoren zur Hormonsynthese angeregt. Noch gravierender ist der Umstand, daß bei pflanzlichen Hormonen oft keine obligatorische Trennung zwischen Bildungs- und Wirkort festzustellen ist; sie können gegebenenfalls in denselben Zellen (Geweben) wirken, in denen sie entstehen. Man muß davon ausgehen, daß diese Substanzen nicht nur als Botenstoffe im Kormus dienen, sondern darüber hinaus weitere regulatorische Aufgaben erfüllen. Zwischen pflanzlichen und tierischen Hormonen besteht keine Homologie; es handelt sich vielmehr um funktionell allenfalls analoge Substanzen.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1992

Authors and Affiliations

  • Hans Mohr
    • 1
  • Peter Schopfer
    • 1
  1. 1.Lehrstuhl für BotanikBiologisches Institut II der UniversitätFreiburg i. Br.Deutschland

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