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Schlußbetrachtung

  • P. Mühlens
Chapter
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Zusammenfassung

Wer die fürchterliche Tragödie an der Wolga gesehen und miterlebt hat, der vermag die wirtschaftlichen Folgen der Kriege und der Hungersund Seuchennot für Rußland nur mit banger Sorge auszudenken. Ohne weiteres leuchtet das Urteil erfahrener russischer Volkswirtsehaftler ein, daß das Wolgagebiet und auch die Ukraine sich von diesem schweren Schlag, selbst unter den günstigsten klimatischen und wirtschaftlichen Bedingungen, erst nach mehreren Wirtschaftsepochen erholen könnte, wohlgemerkt: günstige Bedingungen vorausgesetzt. Wenn auch der aus vielen Hungerbezirken gemeldete, zum Teil allerdings durch Heuschrecken gefährdete gute diesjährige Erntestand für den Augenblick in manchen Kreisen vielleicht die grüßte Not zu lindern vermag, so ist damit noch keineswegs die Kornkammer Europas gerettet. Selbst der denkbar günstigste Ernteausfall würde infolge wesentlicher Verringerung der Aussaat noch lange nicht einer Durchschnittsernte früherer Jahre entsprechen. Zudem haben Hunger und Krankheiten die Bevölkerung vollkommen erschöpft. Diese Folgen lassen sich nicht mit einem Schlage beseitigen. Hunderttausende der kräftigsten und leistungsfähigsten Bauern sind teils dem Hunger und den Seuchen zum Opfer gefalien, teils siechen sie mit ihren Nachkommen dahin, teils aber sind sie auch aus ihren angegtammten Sitzen herausgerissen und ausgewandert: „die meisten und produktivsten Wirtschaften sind zerstört“. Die durch den Krieg, insbesondere durch die bis in jene Gebiete ausgedehnten Bürgerkriege schon früher stark reduzierten Bestände an Melk- und Arbeitsvieh sind in vielen Gegenden durch den Hunger fast völlig aufgerieben So soll — um nur ein Beispiel zu geben — nach einem neueren Berichte in der Tatarenrepublik die Zahl der Pferde um 83%, in den Gouvernements Samara und Saratow stellenweise um noch höhere Prozente vermindert sein.

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© Verlag von Julius Springer 1923

Authors and Affiliations

  • P. Mühlens
    • 1
  1. 1.TropeninstitutHamburgDeutschland

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