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Lassalle an Lina Duncker

  • Gustav Mayer
Chapter
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Zusammenfassung

Meine Gnädigste! Es ist gar grausam, von so lieber Hand eine so freundliche Einladung zum Diner zu erhalten—und durch ein finsteres Schicksal an das Krankenzimmer gefesselt zu sein. Denn ich bin krank, sehr krank, nicht einmal so sehr dem Grade nach—was ich bei weitem vorziehen würde—als leider der Zeitdauer nach! Mein Arzt sagt mir, es sei gar nicht daran zu denken, daß ich vor vierzehn Tagen würde ausgehen können! Ist das erhört? Ist das zu dulden? Was nützt es mir nun, verwöhnt und verzogen zu sein von den Menschen, wenn die Natur, dies mein Vorrecht nicht achtend, mir ihre kalte, herz- und ausnahmslose, nivellierende Notwendigkeit zu kosten gibt! Ich habe auch immer die Natur gehaßt! Die Natur in gewissem Sinne! Sie ist und bleibt immer die Schranke der geistigen Freiheit. Ihre ewige Antwort, ihr ewiger Trumpf bleibt immer die dumme und platte Silbe: der Tod! Und in der Tat gehen, man mag sagen, was man will, für die Individuen Liebe wie Freiheit an dieser kalten und platten und dennoch triumphierenden Antwort zugrunde.

Notes

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1923

Authors and Affiliations

  • Gustav Mayer

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