Advertisement

Arnold Mendelssohn an Lassalle

  • Gustav Mayer
Chapter
  • 4 Downloads

Zusammenfassung

Mit einer reinen, ungetrübten Freude habe ich gestern aus der Adresse von zweitausend Düsseldorfer Bürgern ersehen, daß Dir endlich die volle Anerkennung Deines Strebens zuteil wird.1) Fast kommt es mir vor, als ob ein kleiner Abglanz der Ehren, die man auf Deinem krausen Haupte sammelt, auch auf mich fällt, und als eine wenn auch meinerseits vielleicht unverdiente Ehrenrettung betrachtet werden dürfte, da, wenn es einmal feststeht, daß ich ein totes Werkzeug in der Hand des Herrn gewesen bin, doch durch Dich nachträglich noch erwiesen wird, daß in dem Wahnsinn Hamlets trotz alledem und alledem Methode gewesen ist… Was Du zu Temmes1) definitiver und, wie ich heute lese, zu der in Aussicht gestellten Verhaftung von 167 Abgeordneten gesagt hast, will ich nicht fragen. Deine Augenentzündung (Du behauptest ja, Deine Augen unterliefen blutrot bei dergleichen Gelegenheiten) muß jetzt die Grenzen der gewöhnlichen menschlichen Ophthalmie längst überschritten haben, — wohl aber wünsche ich zu wissen, wie Dir Gottschalks2) Benehmen und Rede gefallen hat, mich hat seine mehr als würdige, ich möchte sagen große Haltung aufs freudigste überrascht, und ich habe mich nicht entbrechen können, ihm ein kleines Dankschreiben zu schicken, wovon ich freilich nicht weiß, ob er es noch erhalten, da er, wie ich höre, nach England gegangen sein soll.

Notes

References

  1. 1).
    Am 2. Januar hatte eine Deputation Düsseldorfer Bürger dem Generalprokurator Nicolovius eine Adresse überreicht, die um anständigere Behandlung und um Beschleunigung des Verfahrens gegen Lassalle und die anderen Untersuchungsgefangenen bat.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1923

Authors and Affiliations

  • Gustav Mayer

There are no affiliations available

Personalised recommendations