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Lassalle an Graf Clemens von Westphalen

  • Gustav Mayer
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Zusammenfassung

Was Sie erstaunt sein werden, bei Eröffnung dieses Briefes nach so langer Unterbrechung wieder einmal meine Schriftzüge zu erkennen! Biese lange Unterbrechung — unsrerseits erklärt sie sich leicht genug durch das drückende, fast demütigende Gefühl, das auf uns lastete, unsern Verbindlichkeiten nicht gerecht werden zu können. Jedenfalls waren wir dabei mehr zu beklagen als Sie! Denn wenn auch alle Redlichkeit des Willens und alle Kraft an den Unmöglichkeiten scheitern müssen, und eben deshalb aus dem Bewußtsein, daß man das Äußerste, wenn auch umsonst, versucht hat, für das eigene Innere Beruhigung quillt, so ist doch nichts, nichts unerträglich härter als die Befürchtung, dadurch im falschen Scheine dazustehen grade da, wo allein man ihn vermieden haben möchte. Wieviel Hartes hat uns nicht betroffen, seitdem Sie in Köln1) von uns Abschied nahmen! Des Unglücks re i c h s te Auswahl hat uns heimgesucht! — Aber selbst in dieser Umgebung zählt es als eine Bitterkeit neben den andern, diesem Schein bei Ihnen ausgesetzt gewesen zu sein. Dies und der, vielleicht begreiflich, gegen eine ungerechte Beurteilung2) reagierende Stolz, der im Bunde mit der Törin Hoffnung uns von Ereignis auf Ereignis harren ließ, das uns befähigte, mit Taten, nicht mit Worten, jede Verkennung schlagend zu beseitigen, trägt Schuld daran, daß ich dies Stillschweigen nicht schon lange, lange unterbrochen.

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Notes

References

  1. 1).
    Heines „Romancero“ war 1856 erschienen.Google Scholar
  2. 2).
    Hier sind ein oder zwei Worte abgerissen.Google Scholar
  3. 1).
    Graf Westphalen war im August 1848 zu dem Kassettenprozeß, wohl um als Leumundszeuge für Lassalle aufzutreten, nach Köln gekommen.Google Scholar
  4. 2).
    Die vier letzten Worte sind von der Hand der Gräfin eingeschaltet. Bei Lassalle hieß es nur „dagegen“.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1923

Authors and Affiliations

  • Gustav Mayer

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