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Richard Lepsius an Lassalle

  • Gustav Mayer
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Zusammenfassung

Sie haben die Welt wieder mit einem bedeutenden Werke überrascht wie vor kaum drei Jahren mit Ihrer Heraklitischen Philosophie. Das Erstaunen des Publikums wird, glaube ich, nicht geringer sein, wenn es dieselbe Gründlichkeit, dieselbe Fülle der Gelehrsamkeit, denselben Scharfsinn und dieselbe Meisterschaft in der gewandten und klaren Behandlung auf einen für andre wenigstens so ferne liegenden Stoff angewendet sieht. Sie erweisen mir die Ehre zu vermuten, daß ich an dem ganzen Buche Interesse nehmen würde, und fügen daher freundlicherweise auch den ersten Teil desselben zu. Ich würde diese Ehre ruhig annehmen können, wenn es sich dabei um ein Interesse von weitem, um eine Anerkennung der großen Wichtigkeit des Gegenstandes handelte, oder auch nur ein Interesse aus nächster Nähe, wenn ich dem Werke, auch nur als Laie, ein längeres und eingehendes Studium widmen könnte. Dem muß ich leider entsagen und darf mich nur an ein flüchtiges Durchblättern halten, wie man etwa durch eine fremde Werkstätte an der Hand des Oberwerkmeisters geht, den man hie und da etwas fragt, was den Laien gerade am meisten neugierig macht. Dagegen habe ich mich, trotz Ihres Verbotes, vor allem den letzten Kapiteln zugewendet, wo der Gegenstand meiner antiquarischen Beschränktheit in der Tat viel näher liegt. Aber weit entfernt, die Gründe Ihres Verbots, den Schluß nicht vor dem Ganzen zu lesen, bestätigt zu finden, glaube ich, dank Ihrer überaus klaren Darstellung, dem Wesentlichen der Entwicklung sowohl ihrem konkreten als ihrem prinzipiellen Inhalte nach vollkommen gefolgt zu sein. Sie haben ganz recht, das Verstehen dieser Partie von der Annahme Ihres Grundprinzips abhängig zu machen, aber dieses ist nirgends verborgen, und seine Annahme, wenn ich auch weiß, wie wenig ich zum Beistimmen oder Widersprechen hierbei befugt bin, ist mir durchaus nicht schwer geworden, sondern schien mir eine sehr natürliche. Jeder bedeutende Fortschritt in der Wissenschaft, jedes gelungene wissenschaftliche Buch, geht so gut wie jedes wahre Kunstwerk von einem einzigen präsentierten,1) sein Licht und seine Entwickelung in sich tragenden Gedanken aus, der dem Autor, ohne an Beweis zu denken, als an sich einleuchtend entgegenspringt. Die Kunst ist nun, ihn mit Energie festzuhalten, um ihm alle möglichen Nahrungsstoffe, die unsere Gelehrsamkeit herbeizuschaffen weiß, nahezubringen; dann zieht er von selbst alles Homogene in den Wirbel seiner Organisation, die ihn zur Leiblichkeit und zum Verständnis für andre herausbildet. So scheinen mir auch Ihre Werke zu entstehen. Die Hauptsache ist der Grundgedanke; das übrige ist nur Enthaltsamkeit gegenüber dem organischen Prozeß und gute Technik. sinn Lassalles mein Unternehmen verurteilt und die Verdammnis, in welche Michelet mich schon hinabgestoßen, mit einer würdiger gefaßten, eben daher für mich härter fühlbaren Sentenz bestätigt.“ Vgl. übrigens unten Nr. 145 und 163. 1) S. oben Nr. 58 und 61.

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1923

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  • Gustav Mayer

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