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F. v. Baader

1785–1841
  • Paul Przygodda
  • J. G. Fichte
  • E. v. Hartmann
Chapter
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Zusammenfassung

Auch in unseren Zeiten hört man die Klage wieder laut werden von einem „Verschlungenwerden der Ethik durch die Physik und hierdurch von einer Depotenzierung einer höheren Ordnung der Dinge zu und von einer niedrigeren“1). Wir hören diese Klage von jenen sich so nennenden Supranaturalisten 2) geführt, die sich dieser Ethik gegen die Physik anzunehmen für berufen halten, und es sich zur Gewissenssache zu machen scheinen, eben um jenes Verschlungenwerden einer höheren Wissenschaft von der ihr niedrigeren zu verhüten, alle Beziehung, alle Berührung beider dieser Hauptzweige menschlichen Wissens sorgfältig zu vermeiden, und bei der Bearbeitung und Darstellung der Ethik die Physik lieber ganz zu ignorieren.

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Notes

Literatur

  1. 1).
    In der englischen Sprache wird die Gesundheit des Lebens als dessen Ganzheit (wholeness) ausgedrückt, und in der Tat bezeichnet dieser Ausdruck das Unwesen der Korruption jedes Lebens (auch des ethischen). Nach Des erreurs et de la vérité S. 193 beruht das ganze Phänomen der Zeitlichkeit auf einer gewaltsamen Verbindung zweier Wesen, deren beständige Wiedertrennung den Ablauf des Zeitlichen selbst macht. Diese Wiedertrennung ist aber nur Versetzung oder Zurücksetzung beider in ihre ursprüngliche Stelle. Die Materie (äußere) ist nur tumor inflammatorius zufolge einer Verrenkung.Google Scholar
  2. 1).
    Naturrad (Τϱοχός τῆς γενέσεως), Naturzentrum, Naturwurm, der nie stirbt etc. Die Worte: Begierde, Gier, Gärung, Gyration etc. haben auch in mehreren Sprachen dieselbe Ableitung.Google Scholar
  3. 2).
    Dieses Prinzip, zur Latenz bestimmt, sollte nämlich in sich verschlossen (Mysterium) bleiben, und eben sein In-sich-offenbar-werden, Aufgehen oder Zusich-selber-kommen in der Kreatur bezeichnet die Verderbtheit dieser als Verkehrtheit. Wie übrigens jenes in sich hineingehende Kreisen bei einer Akme der Spannung in Explosion, den Blitz, übergeht, bei dessen Aufgang (als dem Momente der Krisis) jene Spannung überwunden zurücksinkt, und wie sofort mit der Erzeugung des Wassers das Licht aufgeht etc. kann wenigstens hier nicht ausgeführt werden.Google Scholar
  4. 1).
    Denn Gott ist nicht ein Zerstörer der Natur, er vollbringt sie. Tauler, S. 15, Kehrseite.Google Scholar
  5. 2).
    Man sagt darum von einem in Wahnsinn verfallenen Menschen, daß ihm das (Natur-) Rad laufend geworden sei.Google Scholar
  6. 3).
    Plato nennt darum die Liebe die Tochter des Überflusses und des Bedürfnisses. — Dagegen spricht nun Kant (in der Grundlegung der Metaphysik der Sitten, Riga 1785, S. 14) von Neigungen, die man lieben, d. i. seinem eigenen Vorteil günstig ansehen kann, und leugnet also die Liebe, dieselbe mit Begierde und Selbstsucht vermengend, ganz. Aber die Lust, welche die Liebe gibt, verhält sich zu jener, welche die Begierde nimmt, allerdings wie Autonomie zur Heteronomie in Kants Sprache.Google Scholar
  7. 1).
    Siehe Kants metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft, S. 158. Auch Kant hat übrigens zum Teil zur Mißdeutung des Begriffes der Autonomie Anlaß gegeben, indem er die ethische Kreatur als absolut gesetzgebend als keinen Gesetzgeber (über, d. i. inner sich) anerkennend, sohin als Bürger einer ethischen Republik (ohne Oberhaupt) vorstellig macht, welcher ethische Republikanismus sich mit keiner Theokratie verträgt. Est-ce à l’homme à être législateur! Et n’est-il pas par sa nature le simple ministre d’une loi qui ne peut lui être superieure qu’autant qu’elle ne vient pas de lui? L’homme de désir. S. 44. (Des Menschen Sehnen und Ahnden. A. d. Fr. des L. Cl. von S. Martin. Von Adolph Wagner. Erstes Bändchen S. 55. Leipzig. Joachim 1813. H.)Google Scholar
  8. 1).
    Denn eben nur diese Natur soll ja das Göttliche gebären.Google Scholar
  9. 2).
    Denn die äußere (und insofern auch unsere) Natur oder Natürlichkeit zeigt sich nun dermalen nicht zur Begründung des ethisch guten, aber auch nicht zu jener des ethisch bösen Lebens tauglich, und muß zum ersten Zwecke erst eine Umwandlung (durch den Weg des Todes) erleiden.Google Scholar
  10. 1).
    Nach der Sprache der Scholastiker gibt es kein Böses, welches actu primo ein solches wäre, sondern es besteht nur actu secundo. Sobald das ethisch Böse, um sich zu äußern, in der Natur sich zu fassen bestrebt, so tritt diese Natur aus ihrer Vollendung in jenen ersten Anfang zurück, den ich oben bemerklich machte, und welcher nun dem ethisch Bösen sofort zum Gefängnis dient, so daß die böse gewordene Kreatur in dieser Hinsicht als unter die Natur gefallen betrachtet werden kann, in letzterer sich durchaus revolutionistisch zeigt und ewig in ihr gefangen, in einem Circulus vitiosus sich drehen muß.Google Scholar
  11. 2).
    Von großer Wichtigkeit für die Ethik ist der hier ausgesprochene Satz: daß das ethisch Böse zwar ewig und absolut nur subjektiv, zugleich aber doch als Idee in der Kreatur lebt, sohin als böse Begeistung (böser Geist) nicht selbst Kreatur ist; und von dieser Idee des Bösen gilt also par excellence, was Kant von der ewigen Nicht-Objektivität der Idee überhaupt sagt. —Google Scholar
  12. 3).
    Man sehe hierüber die deutsche Theologie nach. Wie aber unbeschadet des subjektiven Lebendiggewordenseins des Bösen dieses doch dem Guten dient, habe ich in der allgemeinen Zeitschrift Schellings, I. Band, 3. Heft, S. 313–314 angezeigt.Google Scholar
  13. 1).
    Da die äußere Natur (elementarisch Wasser) gleichsam als palliativ gegen diese innere Entzündung wirkt, so kann auch diese Wasserscheu nur in dem Maße hervortreten, in dem jener äußeren Natur Besänftigung abnimmt, woraus sich auch der heftige Trieb nach tierischem Genuß bei ethischer Verderbnis erklärt und selbst zum Teil entschuldigt.Google Scholar
  14. 2).
    Die Moralisten haben im ethischen Leben nur das schöpferische und zerstörende Prinzip (Vater — Mann), nicht aber das reproduktive (vegetative — weibliche) anerkannt, weshalb sie auch für das Christentum keinen Sinn haben, dessen Objekt aber jener Reproduktionsprozeß im ethischen Leben ist. Sie leugnen, daß das Wort ins Fleisch gekommen ist.Google Scholar
  15. 1).
    In der Schriftsprache heißt dieser Mensch, als leibhafter Mensch, bisweilen der Leib selbst.Google Scholar
  16. 2).
    Diese Äußerung sagt ein (wechselseitiges) Sichberühren, und dieses eine Gleichartigkeit des Helfenden aus, welches nämlich gegen diesen Willen selbst als Wille (als Anmutung, Gemüt etc.) sich kund tut, woraus sich denn die Theorie des Gebetes ergibt.Google Scholar
  17. 3).
    Diese Nötigung macht sich als innere Notwendigkeit durch ein Soll, oder als bloß äußere durch eine (animalische) Not bemerklich, je nachdem nämlich das innere (ethische) oder bloß das äußere (Tier-) Leben affiziert ist. Und dieser Unterschied einer inneren Notwendigkeit und einer bloß äußeren erklärt denn auch vollkommen jenen Unterschied unserer Wahrnehmungen a priori und a posteriori, welche Erklärung Kant auf einem ganz anderen Wege suchte.Google Scholar
  18. 1).
    Wenn aber ein Gesetz gegeben wäre, das da könnte lebendig machen, so käme die Gerechtigkeit wahrhaftig aus dem Gesetz. Gal. 3, 21.Google Scholar
  19. 2).
    Diesen Zug bemerken wir auch im erkrankten Tierleben bei Darhaltung der Arznei in vielen Fällen. Da das gesetzgebende Prinzip in der Natur (in der Schriftsprache) dem Vater zugeeignet wird, und dieser Natur Grundäußerung (nach obigem) nur Attraktion ist, so wird auch sehr bedeutend in dieser Schriftsprache die Äußerung des konstitutiven Gesetzes (als helfend) nur als Zug gegen das eigentlich helfende (erlösende) Prinzip (den Sohn) vorgestellt, welches zweite Prinzip allein jener unganz wordenen Natur ihr Komplement zu geben vermag. Nur die Mutter (das Wort) vermochte das ins Elend (nach altdeutscher Sprache heißt dies in die Fremde) geratene Kind dem Vater wieder zuzuführen. — Wenn nun Kant hiergegen den Satz aufstellt, daß das moralische Gesetz schon Triebfeder zur Erfüllung desselben dem ethisch böse wordenen Mensch sei und allein sein dürfe, so drückt er aufrichtiger und lehrreicher, als irgend ein anderer Moralphilosoph die Behauptung aus, „daß man des Sohnes nicht bedürfe, um zum Vater wieder zu kommen“.Google Scholar
  20. 3).
    Jacobi äußerte einst seinen Skeptizismus mir mit dem Bemerken, daß unser Gutes darum immer nur Wunsch und Wille bleiben müsse, weil das Organ zur Ausführung in des Bösen (Teufels) Macht sei. — Er bezeichnete hiermit den wahren sedem morbi (in meinem Leibe wohnt nichts Gutes) und zugleich seinen Unglauben an das Ins-Fleisch-gekommen-sein des Wortes.Google Scholar
  21. 4).
    Die Begeistung weckt nämlich die latent gebliebene Begierde wieder, und diese attrahiert (kreiert) das jenem Geiste entsprechende Wesen; denn die Begierde setzt (actu) immer einen Anhauch (souffle) voraus und erst der Begeistung folgt die Beleibung. Jenen Anhauch nennen die Mystiker Tingierung.Google Scholar
  22. 5).
    Denn nun erst können sich jene zwei Gründe (als gleichsam zwei Naturen) im Menschen bemerklich machen, welche die Schrift unter dem Namen zweier Menschen anzeigt. — Ich bemerke übrigens hier noch, daß in der französischen Sprache Sichsubstanzieren, Nahrungzusichnehmen, Sichergänzen heißt.Google Scholar
  23. 1).
    Denn der Mensch tut aus sich selber nichts Gutes, aber das Gesetz Gottes, das Gott in seine Natur schreibt, das tut Gutes: dasselbe Gesetz ist das ewige Wort der Gottheit, und zeugt an sich göttliche und himmlische Wesenheit, als den neuen Leib, denn es ist Mensch worden, und muß in uns auch Mensch werden. Und in demselben Leibe (Kraft, denn Leib gibt Kraft) stehet das rechte Wollen und Tun, auch das Vollbringen, und die Möglichkeit eines Christenmenschen; außerdem ist kein Christ, sondern der Antichrist etc. 1. Schutzschrift Böhmes wider Balth. Tilken, Vorrede § 70, 71. (Siehe Böhmes sämtliche Werke v. Schiebler. Leipzig, Barth, 1847, VII, 12. H.)Google Scholar
  24. 2).
    Geschichte — und zwar innere und äußere (sog. positive Religion) — hier gilt nun vorzüglich jene Methode, aus dem Effekt (äußere und innere Gegenwart) die Ursache (das Vorgegangene) zurückzufinden. Es ist nämlich hier von einem Geschehenen die Rede, das noch geschieht.Google Scholar
  25. 1).
    Sowohl in seiner Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, als in seiner Religionslehre.Google Scholar
  26. 2).
    Welche peinliche Anstrengung nur auf die Destruktion des Bösen, nicht auf die Produktion des Guten geht.Google Scholar
  27. 1).
    Diese Rede und dieses Werk gehört allein guten und vollkommenen Menschen zu, die da an sich und in sich gezogen hand aller Tugend Wesen, als daß die Tugend wesentlich aus ihnen fließen ohne ihr Zutun. Taulerus 2. Pred. IV. Item. S. 72, Kehrseite. Und also sollten wir vollkommen sein, nicht daß wir Tugend hätten, mehr, wir sollten selber Tugend sein. Tauler, 372, Kehrseite. Ebenso könnte man sagen, wir sollten verständig sein, nicht daß wir Verstand hätten, sondern daß wir selber Verstand seien.Google Scholar
  28. 2).
    Nämlich die christliche, als die einzig ethische, und als solche mehr das Ende aller Religionen, als selbst einzelne Religion.Google Scholar
  29. 1).
    In der äußeren gegenwärtigen Natur freilich nicht; denn Fleisch und Blut kann das Reich Gottes nicht erben, und eben die Verwesung dieser Materie macht das Wachsen einer ewigen Leiblichkeit möglich, welche das ethische Leben begründet.Google Scholar
  30. 2).
    Nach der Sprache der Scholastiker bedeutet eine solche Universalität eigentlich eine potentielle Ubiquität.Google Scholar
  31. 1).
    An die Römer 8, 19 etc. — Et si l’homme veut ensuite étendre son intelligence, il verra que non seulement c’est sur lui que le réparateur profère continuellement cette parole (Lazare, levez vous), mais aussi sur tout l’univers, et sur toutes les parties de l’univers, puisqu’il n’y a point qui ne soit aujourd’hui ensevelie dans les ténèbres de la mort, et qui ne soit en souffrance. Nouvel homme p. 78.Google Scholar
  32. 2).
    Dieser Orpheus stillte das Ixionsrad.Google Scholar
  33. 3).
    Wenn Gott beleidigt und erzürnet wird, so werden alle Kreaturen mit beleidiget und erzürnet, und wenn Gott versöhnet wird, so werden alle Kreaturen mit versöhnet und freuen sich über einen solchen Menschen. Arndt 2. B. 32. C. So wird denn der sonst grimmige Spiritus mundi dem Menschen hold, der durch Liebe und Zorn überwindet. Gichteis Th. pr. 1, 462, 46.Google Scholar

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© Verlag von Julius Springer 1916

Authors and Affiliations

  • Paul Przygodda
  • J. G. Fichte
  • E. v. Hartmann

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