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Analytische Psychologie und Religionsforschung

  • Adolf Keller
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Zusammenfassung

Tritt man über die Schwelle des Landhauses von C. G. Jung, so trifft eine lateinische Inschrift, in Stein gehauen, vom Türbalken herab den Besucher gleich ins Herz, das delphische Orakel: vocatus atque non vocatus deus aderfit. Dringt man tiefer in das geistige Haus Jungs ein, so fragt man sich, wie diese Inschrift zu übersetzen sei: Gerufen oder ungerufen ist Gott zugegen, oder ein Gott oder der Gott oder das Göttliche ? In der Sprache, in der Jung hier seinen Besucher anredet, in der lateinischen, läßt sich das nicht so leicht ausmachen. Sie ist wie Jungs psychologische Sprache von einer ahnungsvollen Bedeutungsfülle, die ebensoviel aussagt, wie verschweigt. Ist das Aussprechen jener kühne Faustische Schritt ins Unbetretene, Nichtzubetretende, so ist das Verschweigen stumme Ehrfurcht vor dem Unsagbaren und Unaussprechlichen — eine Synthese von wissenschaftlich zugreifendem Forschergeist und Atem anhaltender religiöser Scheu vor dem Numinosen, das er deshalb lieber mit leisem und vorsichtigem Namen nennt — wie um den Gott nicht zu stören — als mit den lauten Begriffen einer zuviel wissenden Theologie, die seine lebendige Gegenwart verscheuchen.

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© Julius Springer in Berlin 1935

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  • Adolf Keller

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