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Der sozialpsychische Organismus

  • Carl Brinkmann
Chapter
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Part of the Enzyklopädie der Rechts- und Staatswissenschaft book series (ENZYKLOPÄDIE, volume 25)

Zusammenfassung

Soll über die theoretische Einsicht in die Erkenntnisgrundlagen der Soziologie hinaus eine erste praktische Möglichkeit geschaffen werden, das Gefüge der gesellschaftlichen Beziehungen nicht bloß formal als ein „Zu- und Miteinander“ oder „Aus-und Ohneeinander„ (v. Wiese), sondern inhaltlich systematisch zu verstehen, so müssen Begriffe von der „sozialen Ausstattung des Menschen“ (Vierkandt), psychologisch gesprochen: von den „Vermögen“ gebildet werden, die in irgendeiner erreichbaren Verallgemeinerung als treibende Kräfte hinter den Vorgängen der Vergesellschaftung anzunehmen sind. Jede historistische Annahme grundsätzlicher Verschiedenheiten im Gefüge einzelner gesellschaftlicher Zuständlichkeiten, eines „Pluralismus“ von „Kulturkreisen“, muß doch stets irgendwo den Maßstab eines letzten „Allgemeinmenschlichen“ voraussetzen, das diese Verschiedenheiten als solche erst begreiflich macht. Seitdem die „Vermögenslehre„ der älteren Psychologie mehr und mehr als ein falscher Begriffsrealismus aufgegeben worden war, hat die Soziologie mit einer bunten Reihe vermeintlich angeborener oder doch soziologisch nicht weiter zu zergliedernder seelischer Komplexe, der meist sog. Instinkte 2), als Grundgegebenheiten der Vergesellschaftung auszukommen versucht. Aber gerade diese haben sich ihrerseits neuerdings besonders wegen ihrer Mannigfaltigkeit und ihres Mangels an einsichtiger Ordnung als wissenschaftlich unzulänglich erwiesen, und namentlich die amerikanische Psychologie3) ist auf der Suche nach einem zugleich allgemeingültigeren und beweglicheren Begriffsapparat zu einer kritischen Erneuerung des richtigen Kernes jener älteren Vermögenspsychologie gelangt. Eben für die Einbettung der Seele in die Gesellschaft ist es von der größten Bedeutung, daß jeder seelische Vorgang das Bild eines Kreislaufs von irgendwie gegebener äußerer Anregung durch eine im Gefühl gipMndeiVeraxbeitung hindurch wieder zurück zu irgendeiner Abregung im Handeln nach außen zeigt. Diese drei in einer jeden punkt-förmigen Gegenwart miteinander vorhandenen Seiten seelischer Tätigkeit mögen hier (mit möglichst engem Anschluß an die Namen herkömmlicher psychologischer Arbeitsgebiete) Perzeption, Emotion und Aktion heißen.

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© Verlag Von Julius Springer · Berlin 1925

Authors and Affiliations

  • Carl Brinkmann
    • 1
  1. 1.Universität HeidelbergDeutschland

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