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Über Lernen und partielle Einsicht

  • Karl Duncker
Chapter

Zusammenfassung

Im vorigen Kapitel wurde dargetan, daß die Einsichtlichkeit vieler Zusammenhänge vom Typus „wenn a, dann b“ auf einer Ablesbarkeit des b von dem a beruht. Diese Ablesbarkeit ist entweder synthetischer Natur, d. h. das b ist ein neuer Aspekt des heterogen konstituierten Sachverhaltes a, oder sie ist analytischer Natur, d. h. das b ist ein konstitutiver Aspekt des Sachverhaltes a und daher nicht „neu“. — Es entstehen nun Fragen wie diese: Welcher Art sind die Wenn-dann-Zusammenhänge unserer Welt dort, wo keinerlei Ablesbarkeit des „dann“ von dem „wenn“ besteht, und wie sind solche Zusammenhänge einem denkenden Lebewesen zugänglich? Im besonderen: Beruht Einsichtlichkeit, wie sie in §2 des vorigen Kapitels allgemein definiert wurde, überall auf Ablesbarkeit? Gibt es Fälle, wo keine Ablesbarkeit vorliegt und wo dennoch „das wirkliche phänomenale Sosein von b unmittelbar, d. h. ohne Dazwischenkunft fremder Instanzen, durch das phänomenale Sosein von a vor anderen Soseinsmöglichkeiten irgendwie bevorzugt erscheint?“

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Referenzen

  1. 1.
    Die statistische Auffassung der Naturgesetze leugnet nicht die Konstanz überhaupt, sondern nur die mikroskopische Konstanz.Google Scholar
  2. 1.
    Ein paar schöne Beispiele von Stockverwendung ohne Verständnis dieser funktionalen Struktur finden sich in K. Gottschaldts Schrift „Der Aufbau des kindlichen Handelns“ (Vergleichende Untersuchungen an gesunden und psychisch abnormen Kindern), Beihefte zur Z. angew. Psych. S. 124ff.Google Scholar
  3. 2.
    Wie ursprünglich dieses Kausalkriterium ist, davon legen Versuche Huangs (Childrens Explanations of Strange Phenomena, Psychol. Forsch. Bd. 14) beredtes Zeugnis ab. Huang ließ in Versuchen mit Kindern u. a. scheinbar dasselbe Ereignis entgegengesetzte Effekte haben, z. B. das eine Mal sank die auf Wasser gelegte Nadel, das andere Mal nicht. Es ist erstaunlich, wie jeder noch so harmlose Unterschied zwischen den beiden Situationen von den Kindern prompt als „Ursache“ für das verschiedene Verhalten der Nadel aufgegriffen wurde.Google Scholar
  4. 1.
    Dem Idealtypus total uneinsichtlicher Verknüpfung kommen unter den wirklichen Kausalzusammenhängen wohl am nächsten die, mit denen sich der experimentierende Mediziner so oft begnügen muß (vgl. hierzu das schöne und denkpsychologisch — z. B. für die heuristische Bedeutung des Zufalls — höchst aufschlußreiche Buch von de Kruif „Mikrobenjäger“).Google Scholar
  5. 1.
    Dieses Wort steht absichtlich in Anführungsstrichen. Denn bei der billigen Alternative: entweder Lernprodukt oder Instinkt — wird gewöhnlich außer acht gelassen, daß auch für die Entstehung eines Instinkts solche Einfachheitstatsachen, wie sie z. B. die Koinzidenz von Ursache und Wirkung darstellt, nicht ohne Belang sein dürften.Google Scholar
  6. 1.
    Unter „Weltlinie“ versteht man nach Minkowski die vierdimensionale, d. h. raumzeitliche Erstreckung eines Gegenstandes.Google Scholar
  7. 2.
    Der Faktor der zeitlichen Koinzidenz von Ursache und Wirkung ist in der Tat die zeitliche Variante eines bekannten Gestaltfaktors für figuralen Zusammenhang (vgl. Max Wertheimers Untersuchung in Psychol. Forsch., Bd. 1 u. 4), nach welchem zwei benachbarte Unstetigkeiten in sonst homogenem räumlichem Felde eine zwingende Gruppeneinheit bilden. (Dazu brauchen sie einander nicht inhaltlich ähnlich zu sein. Sie können sogar dem umgebenden Felde ähnlicher sein als einander. Es genügt die im bloßen „Figur“sein, d. h. im gemeinsamen Herausstehen, Sichabheben vom Grunde bestehende „Ähnlichkeit“, im Verein mit dem „Faktor der Nähe“). Der Faktor der zeitlichen Koinzidenz ist übrigens ein Analogon des o. S. 76 erörterten Kausalkriteriums, bei dem es sich jedoch lediglich um „Koinzidenz“ von Bedingungen, nicht um Koinzidenz von Ereignissen handelte.Google Scholar
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    Wilhelm Schapp, Beiträge zur Phänomenologie der Wahrnehmung.Google Scholar
  9. 1.
    Der Inhalt der §§4 und 5 bildete den Hauptteil meines auf dem X. Internat. Kongreß für Psychologie zu Kopenhagen gehaltenen Referats über „Lernen und Einsicht im Dienst der Zielerreichung“ (s. Acta Pyscho-logica, Bd. I).Google Scholar
  10. 1.
    Bei dem jüngeren dieser beiden Kinder gelang es mir, die Eltern nach etwaigen Vorstadien der Leistung auszufragen. Es ergab sich: der Junge hatte viel Umgang mit älteren Geschwistern und spielte zu Hause schon wacker mit Handfeger, Löffel und dgl. (Außerdem war er einmal interessierter Zuschauer bei einem Versuch mit einem anderen Kind gewesen.)Google Scholar
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    Daß zwei der Säuglinge den Stock sofort als Werkzeug benutzten, verliert etwas an Gewicht, wenn man bedenkt, daß bei einem, dem jüngeren von ihnen, wie gesagt, ein reges Hantieren mit Stockgegenständen schon früher beobachtet worden war, während mindestens bei denjenigen drei der sechs übrigen Kinder, deren Eltern ich noch befragen konnte, dergleichen bis dahin nicht bemerkt worden war.Google Scholar
  12. 2.
    Ab 7. Januar wurden nebenher Aufgaben gegeben, in denen das Ziel an einem Seil befestigt war.Google Scholar
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    Vom 11. bis 22. Januar wurden Stöcke zur Erreichung eines aufgehängten Ziels noch nicht benutzt.Google Scholar
  14. 4.
    Am 28. Januar wird in einer Situation, wo „Congo“ an einem Pflock angebunden und das Ziel außer Reichweite ist, ein leicht erreichbarer Stock noch nicht benutzt.Google Scholar
  15. 5.
    Am 2. und 3. Februar wurden — im Gegensatz noch zum 22. Januar — zur Erreichung eines aufgehängten Zieles Stöcke benutzt.Google Scholar
  16. 1.
    „Die Tiere bohren ja fortwährend mit Halmen und Stöcken spielerisch in Löchern und Fugen... “, (S. 91).Google Scholar
  17. 2.
    M. Hertz, Beobachtungen an gefangenen Rabenvögeln, Psychol. Forsch. VIII, S. 388f.Google Scholar
  18. 1.
    Vgl. o. S. 69. Thorndike ist durchaus im Irrtum, wenn er (vgl. Human Learning) im Einmaleins nichts als eine Unzahl von „connections“, „bonds“ sehen will.Google Scholar
  19. 1.
    Vgl. die „ means-end-relations“ bei E. C. Tolman, Purposive Behavior in Animals and Men.Google Scholar
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    Vgl. W. Köhler, a. a. O., N. R. F. Maibr, Reasoning in White Rats; Gengerelli u. a.Google Scholar
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    Vgl. Tolman, a. a. O., sowie Psych. Rev., Vol. 40 (S. 395).Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1974

Authors and Affiliations

  • Karl Duncker

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