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Über totale Einsicht bzw. Evidenz

  • Karl Duncker
Chapter

Zusammenfassung

Zur Beantwortung der eigentlichen Frage unserer Untersuchung, wie aus einer Problemstellung die Lösung hervorgehe, haben die drei bisherigen Kapitel schon allerlei beigetragen. Wir fanden erstens, daß die Endlösung durch sukzessive Problemumformungen vermittelt wird und zweitens, daß diese Problemumformungen oder Lösungsphasen ihrerseits durch allgemeine „heuristische Methoden“ vermittelt werden.

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Referenzen

  1. 1.
    In Kap. II §§ 6 und 7 untersuchten wir nur die Disponibilität, die „Lockerheit“ eines Konfliktmoments, das „Kenntlich“-, nicht das „Erkannt“ werden.Google Scholar
  2. 1.
    Unsere Definition von Einsichtlichkeit ist orientiert an einem fundamentalen Satz aus Humes Inquiry concerning Human Understanding (Sect. 7, Part. 2): „When any natural object or event is presented, it is impossible for us, by any sagacity or penetration, to discover, or even to conjecture, without experience, what event will result from it...“ — Wenn aber und in dem Maße wie b durch a vor anderen Möglichkeiten inhaltlich ausgezeichnet ist, muß man auch imstande sein, das b originär von a her — sei es ganz, sei es teilweise — „to discover, or even to conjecture“.Google Scholar
  3. 1.
    Im allerletzten Beispiel sieht es so aus, als folge hier das prädizierte Moment bereits aus den übrigen Momenten (nämlich des Handelns). Dieses scheinbare Folgen aus den übrigen Momenten ist stets gegeben, wenn eine Struktur, eine „starke Gestalt“ (Köhler) vorliegt, worin alle Momente wechselseitig einander prägen. Es ist klar, daß dann jedes Moment aus diesen seinen Prägspuren an den übrigen Momenten „folgt“. Trotzdem kann jedes einzelne Moment durchaus konstitutiv für das Ganze sein.Google Scholar
  4. 1.
    „Paradigmatisch“ wollen wir einen Sachverhalt nennen, welcher unter ausschließlicher Verwendung der in den Prämissen ausdrücklich enthaltenen Begriffe in der Anschauung konstruiert ist.Google Scholar
  5. 1.
    Dies hätte natürlich auch in Form eines direkten Beweises geschehen können: von der Konstruktion zweier sich einmal schneidender Geraden ist ablesbar, daß sie nicht wieder zusammenkommen.Google Scholar
  6. 1.
    Philosophie der Raum-Zeit-Lehre, § 9 – 13.Google Scholar
  7. 2.
    Der Terminus „ablesen“ soll zum Ausdruck bringen, daß es sieh um ein „Sehen“, ein „Einer-Sache-etwas-Absehen“ handelt. Einsicht ist in der Tat ein Sehen, Ersichtlichwerden. (Vgl. Kap. VI, speziell S. 98 f.)Google Scholar
  8. 1.
    Z. B. von Lindworsky in seiner „Theoretischen Psychologie im Umriß“, S. 37 ff. — Leider hat man dem Fundierungsverhältnis oft eine genetische (zeitliche) Priorität der fundierenden Inhalte vor den fundierten sowie eine verschiedene Provenienz beider untergeschoben, z. B. seitens der sogenannten Grazer Schule — womit das Richtige an diesem Verhältnis arg verschüttet wurde. Eine Relation ist psychologisch häufig realisiert, ohne daß ihre Fundamente einzeln für sich überhaupt zum Bewußtsein gelangten. Dieses Primat den Fundamenten gegenüber haben solche Relationserlebnisse mit den eigentlichen Gestalterlebnissen gemeinsam.Google Scholar
  9. 1.
    „Funktion“ oder „Teilqualität“ nennt man eine Eigenschaft, die einem Element nur als Teil seines konkreten Gestaltganzen zukommt.Google Scholar
  10. 1.
    Es tut hier nichts zur Sache, daß Husserl unser synthetisches Apriori noch einmal unterteilt und „synthetisch“ nur die im „sachhaltigen“, „stofflichen“ Wesen gründenden Erkenntnisse nennt, die im „formalen“ Wesen gründenden dagegen „analytisch“, vgl. Log. Unters. II, 1, S. 251 ff.; II, 2, S. 189ff.Google Scholar
  11. 1.
    Daß sie immerhin Vermutungen nahelegt, darin besteht die heuristische Funktion der Anschauung, welche, denkpsychologisch betrachtet, von größter Bedeutung ist (vgl. Kap. VIII, S. 132).Google Scholar
  12. 2.
    Wäre das Psychische in jeder Beziehung zu unexakt, so nützte auch die Axiomatik nichts. Denn der Vollzug besteht auch hier aus psychischen Prozessen.Google Scholar
  13. 3.
    An diesem Nachweis ist übrigens schön zu sehen, wie in die Ablesung nur solche Eigenschaften des Paradigmas eingehen, die es zu „Winkeln an Parallelen“ resp. zum „Dreieck“ machen.Google Scholar
  14. 1.
    Sie kommt z. B. in allen Lösungen problematischer Situationen vom Typus der Köhler schen vor.Google Scholar
  15. 2.
    Das soll nicht heißen, die Ablesungsgrundlage ließe sich nicht auch konstruieren und zwar heterogen, d. h. ohne Mitverwendung der abgelesenen Relation. Man brauchte ja einfach nur die Lagen der verschiedenen Zimmerbestandteile durch deren räumliche Koordinatenwerte in irgendeinem Bezugssystem zu charakterisieren. Und wenn auch die Umsetzung dieser verschiedenen Koordinatentripel in die entsprechende anschauliche Verteilung der Zimmerbestandteile einen relativ umständlichen Vermittlungsprozeß erheischte, so wäre diese Umsetzung doch vom gleichen Typus wie die Umsetzung des Ausdrucks a > b in ein anschauliches Modell.Google Scholar
  16. 1.
    Der abgelesene neue Aspekt entsteht hier jedesmal dadurch, daß zwei Stücke „im ganzen“ angeschaut werden (vgl. S. 62 die Betrachtungsweise d).Google Scholar
  17. 1.
    Der Ausdruck: Situations- bzw. Ziel-„Analyse“ darf nicht mit „analytischer“ Ablesung in Sonderbeziehung geraten. Auch synthetische Ablesung ist ja, wie gesagt, „Analyse“ im weiteren Sinn des Wortes.Google Scholar
  18. 1.
    Im engeren Sinn „analytisch“ nannten wir eine Ablesung, die nicht einem bestimmten konstitutiven Aspekt einen ganz neuen gleichsam „hinzusetzt“, sondern das „eigentlich Gemeinte“ (das Konstitutive) hervorkehrt.Google Scholar
  19. 2.
    Ein Strahlenbündel sei hier der Einfachheit halber als Materialtransport aufgefaßt, d. h. nach Analogie eines Flusses.Google Scholar
  20. 1.
    Es kann offen bleiben, ob hier wirklich „analytische“ oder nicht viel mehr „synthetische“ Ablesung vorliegt, denn das hängt ja davon ab, ob der fragliche Sachverhalt durch einen andersartigen Aspekt eingeführt (konstituiert) war oder nicht (vgl. oben S. 58), und das ist bis zu einem gewissen Grad eine Frage des psychologischen Einzelfalles.Google Scholar
  21. 1.
    Man vergleiche: Es kann jemand ein Gedicht, ein Lied, ein Bild ganz tief empfinden und verstehen — ohne dergleichen selber hervorbringen zu können.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1974

Authors and Affiliations

  • Karl Duncker

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