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Kautschuk und Kautschukwaren

  • Fritz Frank
  • Eduard Marckwald
Chapter

Zusammenfassung

Als Kautschuk bezeichnet man die festen Massen, die aus den Milchsäften verschiedener Pflanzen durch chemische oder mechanische Mittel gewonnen sind. Die Kautschuk liefernden Pflanzen gehören zumeist den Familien der Euphorbiaceen, Asklepiadeen und Apocynaceen an. Ihre Heimat befindet sich teils in Süd- und Zentralamerika, teils in Afrika, teils endlich in Hinterindien und auf den angrenzenden Inseln. Eine sehr beträchtliche Menge Kautschuk wird bereits heute aus den Plantagen geliefert. Man kennt eine große Anzahl verschiedener Kautschuksorten, die nicht nur der Herkunft und dem Äußeren nach sich wesentlich voneinander unterscheiden, sondern die auch in ihrem physikalischen und chemischen Verhalten mancherlei Abweichungen untereinander zeigen. Das allen Kautschukarten Gemeinsame und deren Wert Bedingende ist die Kautschuksubstanz. Diese, nach einem Vorschlage von Weber noch heute Polypren genannt, ist nach den grundlegenden Arbeiten von Harries (Ber. 38, 1195; 1905) ein Dimethylcyclooctadien. Harries hat das Vorliegen eines derartig konstituierten Körpers nicht nur durch Abbau, sondern auch durch den Aufbau desselben aus dem Isopren (vergl. auch Thilden) sehr wahrscheinlich gemacht. Das Isopren ist synthetisch von Euler bereitet und in seiner Konstitution aufgeklärt. Die Bruttoformel der Kautschuksubstanz ist demnach: (C10H16). Sie unterscheidet sich bei den Handelssorten verschiedener Provenienz wahrscheinlich durch die molekulare Struktur und den Grad der Polymerisation, wodurch die tatsächlich vorhandene Mannigfaltigkeit bei prozentisch gleicher Zusammensetzung erklärlich wird. Neben der verschiedenen Struktur und Größe des Moleküls wird die erhebliche Verschiedenheit der Rohkautschuksorten durch Fremdkörper bedingt, die entweder dem Milchsaft selbst entstammen oder, sei es aus Unkenntnis, sei es in betrügerischer Absicht, bei der Gewinnung hinzugefügt worden sind. Auch können solche Fremdkörper durch chemische Veränderungen, welche die Rohware beim Lagern und Transport erleidet, entstanden sein. Wenn im folgenden also schlechtweg von „dem Kautschuk“ die Bede ist, so darf nicht vergessen werden, daß unter diesem Namen eine ganze Reihe chemisch zwar nahe verwandter, aber keineswegs immer identischer Körper zusammengefaßt wird.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1919

Authors and Affiliations

  • Fritz Frank
    • 1
  • Eduard Marckwald
    • 1
  1. 1.BerlinDeutschland

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