Advertisement

Gewebezüchtung

  • Rhoda Erdmann
Chapter
Part of the Handbuch der Normalen und Pathologischen Physiologie book series (2664)

Zusammenfassung

Die Entwicklung der modernen Physiologie ist an einem Punkte angelangt, an dem ihre Probleme mehr und mehr beginnen, mit Entschiedenheit eine Verfolgung in der Zelle zu fordern. So konnte Verwohn 1894 in dem Vorwort seiner „Allgemeinen Physiologie“ schreiben. Dieser Cellularphysiologe erfüllte die von ihm aufgestellte Forderung und zeigte den Weg, wie einzellige oder besser nichtzellige Lebewesen in den Kreis der Untersuchungen einbezogen werden können. Außer den Protisten wurden noch Zellen gesucht, die isoliert „Leben“ zeigen oder es noch nach der Isolation zeigen können. Das Sperma, die Eizelle, die Blutzelle, die isolierte Pflanzenzelle, wie Hefe oder Zellen in fädiger Anordnung, wie Algenfäden, da hier freie Angriffsflächen dem Experimentator direkt dargeboten wurden und die Zelleistungen sich direkt wahrnehmen lassen können, wurden benutzt. Nachdem in der Organphysiologie die großen Fortschritte der letzten Jahrzehnte nach Verworn gemacht worden sind, mußte ein Mangel in der Methodik der Organphysiologie auffallen. Selbst bei der Untersuchung isolierter Organe erhält der Forscher nicht einen vollen Einblick in die einzelnen Leistungen jedes Organteils, noch viel weniger jeder Zellart. Dieser Mangel bleibt selbst bestehen, wenn die Einzelleistung der Zelle sich wie bei den Drüsen im Organ erschließen läßt. Es konnte aber nicht experimentell beobachtet werden, wann und unter welchen Bedingungen die Drüsenzelle sezernieren kann. Es konnte nur in der Organphysiologie z. B. experimentell die Leistung der Ganzdrüsen unter verschiedenen Bedingungen studiert werden.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literature

  1. Zur Einführung in das Gebiet der Gewebezüchtung sind nicht viele größere Zusammenfassungen, die teils Tatsachen, teils Methoden oder Bedeutung der Gewebezüchtung behandeln, vorhanden. Die erste Arbeit erschien 1914 als 12. Heft der Viewegschen Sammlung „Tagesfragen aus den Gebieten der Naturwissenschaft und der Technik“ unter dem Titel: Gewebekultur und Gewebepflege im Explantat von O. Oppel. Es folgte 1920 Rh. Erdmann: Einige grundlegende Ergebnisse der Gewebezüchtung aus den Jahren 1914–1920, in Merckel u. Bonnet: Ergebn. d. Anat. u. Entwicklungsmechanik Bd. 23, S. 419-501. Vorher erschienen Levis und Krontowskis Darstellungen. Levi, G.: Nuovi studi cellule coltivate in vitro. Arch. ital. di anat. e di embryol. Bd. 16. 1919.Google Scholar
  2. Krontowski u. Polef: Methoden der Gewebekulturen T. 1 u. 2, S. 398. 1917 (russ.). In neuester Zeit ist die Literatur durch drei wichtige Arbeiten bereichert worden, Levi, G.: Vita autonoma di parti dell’ organismo. La coltivazione dei tessuti. Bologna, N. Zanichelli, S. 1-98. 1922.Google Scholar
  3. Fischer, A.: Tissue culture studies in experimental morphology and general physiology of tissue cells in vitro. Copenhagen (Levin e Munksgaard) 1925. In der „General Cytology“ herausgegeben von E. V. Cowdry, Chicago 1924, ist der Beitrag von W. H. Lewis und M. R. Lewis: Behavior of cells in tissue culture S. 383-448 besonders wichtig, da eine Verarbeitung des Materials gelungen.Google Scholar
  4. Das kleine zweibändige Praktikum von Strangeways, R., S., P.: Technique of Tissue culture in „vitro“. Cambridge Bd. 12, S. 80, 1924 und Tissue culture in relation to growth and differentiation. Cambridge Bd. 10, S. 50, 1924. Ed. W. Hoffer and Sons Ltd., ist nur für ganz unerfahrene Anfänger benutzbar, etwas veraltet, aber bald in neuer Ausgabe erscheinend, das Praktikum der Gewebepflege, besonders Gewebezüchtung (Explantation). Rh. Erdmann. Berlin: Julius Springer 1922.Google Scholar
  5. Kleinere, mehr theoretische Betrachtungen finden sich in G. Ross. Harrison: The cultivation of tissues in extraneous media as method of morphogenetic Study. Anat. record Bd. 6, 1912.Google Scholar
  6. The Life of tissues outside the organism from the embryol. standpoint Tr. Cong. Am. Phys. and Surg. 1913.Google Scholar
  7. Erdmann, Rh.: Die Bedeutung der Gewebezüchtung für die Biologie. Dtsch. med. Wochenschr. 1920, H. 48.Google Scholar
  8. Fischer, A.: Die Gewebekultur und ihre Bedeutung in der experimentellen Medizin und Biologie. Acta med. scandinav. Bd. 57, H. 1, S. 1–9. 1922.CrossRefGoogle Scholar
  9. Busse, P.: Die Bedeutung der Plasmakulturen für die wissenschaftliche Medizin. Zeitschr. f. d. ges. exp. Med. Bd. 36, H. 4/6, S. 479–494. 1923.CrossRefGoogle Scholar
  10. Carleton, H.: Tissue culture. A critical summary. Brit. journ. of biol. Bd. 1, Nr. 1, S. 131–151. 1923.Google Scholar
  11. Brandenburg, K.: Neuere Untersuchungen amerikanischer Forscher über das Wachstum von gezüchtetem, überlebendem Gewebe. Med. Klinik 1924.Google Scholar
  12. Lubarsch, O. und Wolff, E.: Der heutige Stand der Gewebezüchtung, im besonderen in ihrer Bedeutung für die Pathologie. Jahreshefte für ärztliche Fortbildung, S. 1-21, Januar 1925.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1926

Authors and Affiliations

  • Rhoda Erdmann
    • 1
  1. 1.Berlin-WilmersdorfDeutschland

Personalised recommendations