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Sadismus, Masochismus und andere Perversionen

  • Alfred Adler
Chapter
Part of the Handbuch der Normalen und Pathologischen Physiologie book series (2664)

Zusammenfassung

Der Name „Sadismus“ knüpft an den berüchtigten Marquis de Sade an, dessen Greueltaten während der französischen Revolution zu seiner Verhaftung durch die Jakobiner führten. In seinen Büchern, wie in der „Justine“, finden sich die wohl widerlichsten Schilderungen sexuell-grausamer Untaten. Den Begriff „Masochismus“ hat Krafft-Ebing nach dem Namen des Schriftstellers Sacher-Masoch geprägt, dessen Leben und dessen Romane Charakterzüge aufweisen, wie sie der Hörigkeit des Mannes und seiner gewollten Unterwerfung unter die starke Frau entsprechen. Die hierher gehörigen Erscheinungen haben in den letzten Dezennien die Öffentlichkeit häufig beschäftigt und gaben nicht selten den Gerichten und den Gerichtsärzten Anlaß, sich mit ihnen zu befassen. Der Ausdruck „passive und aktive Algolagnie“, den Schrenck-Notzing gewählt hatte, deckt sich vollkommen mit den obigen Begriffen. In den Kulten des Altertums, in geheimen Zirkeln der Gegenwart und auch vereinzelt finden wir die eine oder die andere dieser Perversionen. So wie bei den Anhängern der Homosexualität besteht auch bei den von der vorliegenden Perversion Ergriffenen die Neigung sich heimlich zusammenzufinden, um ihre Neigungen mit gegenseitiger Hilfe zu befriedigen. Die Prostitution spielt dabei eine große Rolle, weil die Prostituierten mit oder gegen ihren Willen sich den Wünschen der Sado-Masochisten anpassen, bald als sadistischer, bald als masochistischer Partner auftreten und meist über ein ganzes Lager von Peitschen, Riemen, Fesseln usw. verfügen. Auch unter dem Deckmantel der Massage oder des „strengen Unterrichts“ bieten sich nicht selten die Diener am Werk an.

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Literature

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1926

Authors and Affiliations

  • Alfred Adler
    • 1
  1. 1.WienÖsterreich

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