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Homosexualität

  • Alfred Adler
Chapter
Part of the Handbuch der Normalen und Pathologischen Physiologie book series (2664)

Zusammenfassung

Die Erscheinungen der Homosexualität lassen sich bis in die Anfänge der Kultur zurückverfolgen. Es sind uns Darstellungen päderastischer Akte aus den ältesten Zeiten erhalten. Zu manchen Zeiten, bei verschiedenen Völkern, artet diese Perversion zu einer Massenerscheinung aus. Allgemein bekannt ist ihre Verbreitung in manchen Gegenden des Orients und im alten Griechenland aus der Zeit der allgemeinen Hinneigung zum „griechischen Eros“. In unserer Zeit findet man allenthalben in allen Städten, auf dem Lande, bei hoch und niedrig, bei Männern und Frauen, in allen Altersstufen in allen Ländern vereinzelt Homosexuelle, die fast immer den Hang zeigen, Massenerscheinung zu werden, was durch ihre Vereinigung und Organisation namhaft unterstützt wird. Ihre große Verbreitung durch alle Länder und Zeiten trägt viel dazu bei, den Glauben an ihre Unabänderlichkeit zu festigen. Viele Forscher und Bekenner neigen sich der Meinung zu, als ob die Kultur zu einer Abschwächung des sexuellen Instinkts geführt hätte. Auch der Hinweis auf das Tierreich, wo angeblich nur bei domestizierten Lebewesen homosexuelle Akte beobachtet wurden, scheint diese Auffassung zu unterstützen, der wir uns nicht anschließen können. In neuerer Zeit sucht Freud durch die Annahme allgemein angeborener homosexueller Komponenten des Sexualtriebs die Häufigkeit homosexueller Neigungen zu erklären, die sich unter anderweitigen günstigen Bedingungen durchsetzen, sobald es zur Verdrängung normaler Sexualität kommt. In weiten Kreisen ist die Argumentation Freuds bekanntgeworden, nach welcher es die Kultur ist, die zur Verdrängung der Sexualität führt, während andererseits die Kultur aus verdrängter Sexualität entstehe.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1926

Authors and Affiliations

  • Alfred Adler
    • 1
  1. 1.WienÖsterreich

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