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Zwitterbildung beim Menschen

  • Max Reis
Chapter
Part of the Handbuch der Normalen und Pathologischen Physiologie book series (2664)

Zusammenfassung

Wir verstehen unter Zwittern Wesen, die in der Form der Geschlechtsteile und ihrem allgemeinen Aussehen oder in einem von beiden etwas von jedem Geschlecht an sich haben, ohne morphologisch einem wirklich ganz zu entsprechen1). Der Begriff wurde von manchen Autoren zwar enger gefaßt. Menge sieht den echten Zwitter als charakterisiert an durch das Vorkommen von Ovarien und Hoden mit funktionierendem generativen Anteil, also mit Absonderung von Sperma und Ovulis. Solche Fälle sind beim Menschen überhaupt nicht bekannt. Beim Menschen handelt es sich nur um das Vorkommen von Ovotestes oder Testovarien, zwitterig angelegten Keimdrüsen, bei denen ein Teil überwiegt. Das Vorkommen von gelben Körpern in den Ovotestes ist bisher nur in einem Falle von Schauerte 2) beschrieben worden. Jedenfalls zeigt nur die eine der beiden Geschlechtsanlagen die völlige Ausbildung. Daneben gibt es Zwitter, bei denen nur eine Keimdrüse des einen Geschlechts vorkommt, hingegen die äußeren oder inneren Organe Annäherung an das andere Geschlecht zeigen. Nach diesen morphologischen Gesichtspunkten hat Klebs 3) unterschieden:
  1. I.
    Hermaphroditismus verus: Hoden und Eierstock in einem Körper:
    1. a)

      bilateralis;

       
    2. b)

      unilateralis;

       
    3. c)

      lateralis (eine Seite Hoden, andere Seite Eierstock).

       
     
  2. II.
    Pseudohermaphroditismus (Keimdrüse des einen Geschlechtes):
    1. a)
      masculinus (Hoden);
      1. 1

        internus, bei normalem äußeren Genitale Müllersche Gänge entwickelt;

         
      2. 2

        completus, neben Müllerschen Gängen das äußere Genitale verbildet mit Annäherung an das weibliche Geschlecht;

         
      3. 3

        externus, innere Organe männlich wie die Keimdrüse, äußere verbildet;

         
       
    2. b)
      femininus (Eierstöcke);
      1. 1

        internus, Wolffsche Gänge erhalten;

         
      2. 2

        completus, außerdem noch die äußeren Geschlechtsteile verbildet, Annäherung an den männlichen Typus;

         
      3. 3

        externus, innen normal weiblich, außen verbildet.

         
       
     

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Literature

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1926

Authors and Affiliations

  • Max Reis
    • 1
  1. 1.DortmundDeutschland

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