Advertisement

Verletzungen der Harn- und Geschlechtsorgane

  • H. Gebele
Chapter
Part of the Handbuch der Urologie book series (HDBUROL)

Zusammenfassung

Die leere Harnblase ist durch ihre versteckte Lage im Becken vor Verletzungen ziemlich geschützt. Erst die Füllung läßt die Blase über die Höhe des Beckenringes treten und setzt sie eher der Gefahr einer Verletzung aus. Die leere Blase ist ein Becken-, die gefüllte ein Bauchorgan. Casper sagt, daß eine plötzlich einwirkende Gewalt eine Zerreißung der Blase um so eher herbeiführt, je stärker die Füllung der Blase ist. Vorwiegend ist der Mann im mittleren Alter und besonders der Schwerarbeiter von der Blasenruptur betroffen. Die Ruptur der Blasenwand erfolgt traumatisch durch Einwirkung einer stumpfen Gewalt auf die vordere Bauchwand, so durch Hufschlag, Fußtritt, Stoß durch eine Wagendeichsel oder einen herabstürzenden Balken, Überfahrenwerden, Verschüttetwerden, Pufferquetschung, Sturz auf den Bauch. Die stumpfe Gewalt verletzt sehr oft das Becken mit. So hat BaRTeLs unter 169 gesammelten Blasenzerreißungen 65 gleichzeitige Beckenfrakturen konstatiert. Relativ selten ist die Ruptur durch die übermäßig wirkende Bauchpresse, wobei die stark gefüllte Blase beim schweren Heben, beim Stemmen, beim Pressen (so beim Stuhl, bei der Harnausscheidung oder bei der Geburt) platzen kann. Die Berstung der Blase infolge künstlicher Überdehnung mit Flüssigkeit, mit Luft ist ganz selten. Hierher gehört auch, worauf ZUckerkandl besonders aufmerksam gemacht hat, die Überdehnung der Blase durch plötzliche übermäßige Drucksteigerung mittels der Pumpe bei der Lithotripsie. Die veränderte Blasenwand, z. B. die Divertikelblase, platzt bei starker Überdehnung natürlich leichter als die normale Blasenwand. Dann kann ungewöhnliche Urinverhaltung bei Prostatahypertrophie, bei Striktur der Harnröhre zur spontanen Ruptur führen. Nach Geisinger ist die hintere obere Wandpartie der Blase am schwächsten, dieser Abschnitt ist nur von Peritoneum und Darm, nicht von Muskeln und Knochen bedeckt. In einem von ihm beobachteten Fall mit starker Prostatahypertrophie und Berstung der Blase nach Urinverhaltung seit 48 Stunden stellte er an der hinteren oberen Partie der Blase, nahe der Umschlagstelle des Peritoneums, einen für zwei Finger durchgängigen Riß fest. Die Blase fand sich kollabiert, dagegen war viel Urin in der Bauchhöhle. Bei Altersatrophie, bei fettiger Entartung des Blasenmuskels, bei Affektionen des Zentralnervensystems ist die Blasenwand in ihrer Widerstandskraft beeinträchtigt. So hat PosnerFrank auf die spontane Ruptur der Blase bei Paralytikern hingewiesen. Bei Psychosen wird der Füllungsgrad der Blase ebensowenig empfunden wie im

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Bartels: Die Traumen der Harnblase. Arch. f. klin. Chirurg. Bd. 22. 1878.Google Scholar
  2. Bessel — Hagen: Plastische Operation bei Verlust der Hautbedeckung von Penis und Scrotum. Verhandl. d. dtsch. Ges. f. Chirurg. 1901.Google Scholar
  3. Bovée: A critical study of ureter implantations. Annm. of surg. 1900. —— BurckhardT und Landois: Die’I’angentialschüsse des knöchernen Thorax und die durch sie erzeugten Veränderungen innerer Organe. Münch. med. Wochenschr. 1915. Nr. 31.Google Scholar
  4. Casper: Lehrb. d. Urol. 1921.Google Scholar
  5. Dittrich: Spontane Harnblasenrupturen. Zentralbl. f. Chirurg. 1922. Nr. 27.Google Scholar
  6. Franz: Zur Chirurgie des Ureters. Zeitschr. f. Geburtsh. u. Gynäkol. 1903.Google Scholar
  7. Geisinger: Spontaneous intraperitoneal rupture of the bladder. Ann. of surg. Vol. 77, Nr. 2. 1923.Google Scholar
  8. Israel: Über einen Fall von Nierenexstirpation wegen Ureteritis. Berlin. klin. Wochenschr. 1893.Google Scholar
  9. Kaufmann: Verletzungen und Krankheiten der männlichen Harnröhre und des Penis. Dtsch. Chirurgie. Bd. 50 a.Google Scholar
  10. Keller: Sur la rupture sous-cutanée traumatique du rein. Arch. des maladies des reins et des org. génito-urin. Tome 1, Nr. 2. 1922.Google Scholar
  11. Kidd: The endresults of treatments of injuries of the urethra. Premier congr. de la soc. internat. d’urol. Paris. Tome 1. 1921.Google Scholar
  12. Kielleuthner: Über Schußverletzungen der Harnblase im Kriege. Bruns’ Beitr. z. klin. Chirurg. Bd. 100, H. 5. 1916. (S. Lit. !).Google Scholar
  13. Kümmell: Schußverletzungen der Nieren und Harnleiter. SchJernings Handb. d. ärztl. Erfahrungen im Weltkrieg 1914/18. Herausgeg. v. Payr und FrAnz: 1922. 2. Teil.Google Scholar
  14. Kümmell und Graff: Die Chirurgie der Nieren und Harnleiter. Handb. d. prakt. Chirurg. Herausgeg. v. Garré, KütTNer, LeXer. Bd. 4. 1922.Google Scholar
  15. Küster: Zur Entstehung der Wanderniere und der subcutanen Nierenverletzungen. Dtsch. Ges. f. Chirurg. 1895.Google Scholar
  16. Die Chirurgie der Nieren, der Harnleiter und der Nebennieren. Dtsch. Chirurg. Bd. 52 b.Google Scholar
  17. Küttner: Zur Blutstillung aus Nierenwunden. Zentralbl. f. Chirurg. 1917.Google Scholar
  18. Läwen: Die Schußverletzungen des Bauches und der Nieren. Ergebn. d. Chirurg. u. Orthop. Bd. 10. 1918. (S. Lit. !).Google Scholar
  19. Lichtenstern: Einige Kriegsverletzungen der Urogenitalorgane. Münch. med. Wochenschr. 1915. Nr. 10.Google Scholar
  20. Kriegsverletzungen der Niere. Wien. klin. Wochenschrift. 1915. Nr. 42.Google Scholar
  21. Maissonnet: Blessures de la vessie par armes de guerre. Arch. des maladies des reins et des org. génito-urin. Tome 1, Nr. 3. 1921.Google Scholar
  22. Marion: Reconstitution de l'urèthre. Journ. d’Urologie. Tom. 1. 1912.Google Scholar
  23. Miginiac: Déchirures de la vessie et fractures du bassin, laparotomie exploratrice et cystostomie. Rev. de chirurg. Jg. 41, Nr. 12. 1922.Google Scholar
  24. Monari: Über Ureteroanastomosen. Beitr. z. klin. Chirurg. 1896.Google Scholar
  25. Morris: The Hunterian lectures on the surgery of the Kidney. Brit. med. journ. 1898.Google Scholar
  26. Oberst: Über Harnröhrenzerreißungen. Volkmanns klin. Vortr.Google Scholar
  27. Oppenheim: Die Verletzungen der menschlichen Niere und die histologischen Vorgänge bei deren Heilung. Beitr. z. klin. Chirurg. Bd. 116.Google Scholar
  28. Pamperl: Zur Frage der transperitonealen Nephrektomie. Zeitschr. f. Urol. Bd. 16, H.10. 1922.Google Scholar
  29. Pasteau Et Iselin: Résultats éloignés des traitements des traumatismes de urèthre. Prem. congr. de la soc. internat. d’urol. Tome 1. 1921.Google Scholar
  30. Pendl: Elektrolytische Behandlung callöser Strikturen der Harnröhre und Speiseröhre. Zentralbl. f. Chirurg. Jg. 49, Nr. 27. 1922.Google Scholar
  31. Posner: Verletzungen der Harn- und Geschlechtsorgane im Kriege. Zeitschr. f. ärztl. Fortbild. Juni 1915.Google Scholar
  32. Rammstedt: Chirurgie der männlichen Harnröhie. Handbuch d. prakt. Chirurgie von Garré, Küttner, Lexer. 1922.Google Scholar
  33. Rumpel: Verletzungen der unteren Harnwege und der Geschlechtsorgane. Schjernings Handb. d. ärztl. Erfahrungen im Weltkrieg. 1922. 2. Teil.Google Scholar
  34. Sampson: Operations on the lower ends of the ureters by the inguinal extraperitoneal route. Ann. of surg.w 1905.Google Scholar
  35. Stoeckel: Chirurgie der eiblichen Harnorgane. Handb. d. prakt. Chirurgie v. Garré, Küttner, LeXer. 1922.Google Scholar
  36. Stutzin und GundElfinger: Kriegsverletzungen des Urogenitalsystems. Dtsch. med. Wochenschr. 1916. Nr. 7.Google Scholar
  37. TuffiEr: Etudes expérimentales sur la chirurgie du rein. Paris 1889.Google Scholar
  38. VoElckEr: Über die Indikationsstellung zu operativem Eingreifen hei subcutanen Nierenverletzungen. Beitr. z. klin. Chirurg. Bd. 72, H. 3.Google Scholar
  39. Zuckerkandl: Die Chirurgie der männlichen Harnblase. Handb. d. prakt. Chirurgie v. Garré, Küttner, LeXer. 1922.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1928

Authors and Affiliations

  • H. Gebele
    • 1
  1. 1.MünchenGermany

Personalised recommendations