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Zusammenfassung

Wenn wir auch einige Verbindungen mit dem Pfuschertum wünschen oder dulden, eine „anerkannte“ medizinische Wissenschaft wird sich immer abgrenzen lassen müssen mit ihren Verantwortlichkeiten, ihren Pflichten und Kunstfehlern. Und da stellt uns die moderne Versicherungspraxis, die vor kurzem in der Schweiz eine Ausdehnung bekommen hat wie nirgends sonst, eine Anzahl neuer Probleme, die ein im höchsten Grade diszipliniertes Denken verlangen. Die Annahme von ursächlichen Zusammenhängen, die Konstatierung von Symptomen und Tatsachen bekommt auf einmal eine unendlich wichtigere Bedeutung und verlangt Ersetzung althergebrachten Schlendrians durch, eine maximale Präzision der Beobachtung und des Denkens, wie man sie bis jetzt nur bei guten gerichtlichen Untersuchungen zu sehen gewohnt war. Wie oft mußte der Arzt eine Todesursache bescheinigen, nicht nur bei Patienten, die er ohne ganz sichere Diagnose hatte behandeln müssen, sondern wo er den Verstorbenen überhaupt gar nicht kannte und sich bloß von den Verwandten über die mit dem Tod verbundenen Umstände belehren lassen mußte. Auch da wird er nun den Mut haben müssen, die übliche Herzlähmung oder ähnliche Diagnosen zu ersetzen durch ein „ich weiß es nicht“, das aber die fatale Konsequenz mit sich bringt, ihn zu verpflichten, vor einem solchen negativen Ausspruch sein möglichstes zu tun, um die Diagnose festzustellen und namentlich auch um jeden Umstand, der versicherungstechnisch in Frage kommen könnte, herauszufinden.

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Copyright information

© Springer-Verlag oHG. Berlin · Göttingen · Heidelberg 1962

Authors and Affiliations

  • E. Bleuler

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