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Zusammenfassung

Schon bei den Beobachtungen sollte der Mediziner gewöhnt werden, sich die Dinge ganz anders klarzumachen als im gewöhnlichen Leben1). Die Einstellung sollte viel eher wie die zu einem forensischen Tatbestand sein, aber mit dem Unterschied, daß immerhin eine Auswahl dessen herausgehoben wird, was für den gegebenen Fall wichtig ist. Die ganze Tücke dieser letzern Einschränkung ist mir voll bewußt: nicht so selten führt eine ganz zufällige Beobachtung in einer Richtung, an die man gar nicht dachte, zur Diagnose; und um zu wissen, was wichtig ist, sollte man eben schon zum voraus alles verstehen, und da würde man sich im Kreise herumdrehen, wenn man den Satz zu wörtlich nehmen wollte. Ein gewisses, sagen wir „flüchtiges“ Erfassen und ein vorläufiges Erwägen alles zu Beobachtenden muß ja natürlich jeder Untersuchung vorausgehen. Aber zwischen einseitiger Beschränkung auf das, was den einzelnen gerade interessiert und was er für wichtig hält, und dem wahllosen Beobachten aller mit den Sinnen erkennbaren Einzelheiten gibt es ein optimales Mittel, dem man sich möglichst annähern sollte. Ein Beispiel kann vielleicht am besten zeigen, was not tut und was zu vermeiden ist. Bei Sektionen, findet man gewöhnlich nur Dinge, die man schon kennt. Wenn man die Sektionsberichte vollständig ausnutzen wollte, so müßte eigentlich alles darin stehen, was überhaupt zu sehen ist. Aber das hineinzubringen, ist unmöglich; dazu langt die Zeit keines Menschen, und noch weniger langt sie dazu, eine größere Anzahl solcher Sektionsprotokolle zu durchforschen.

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Literatur

  1. 1).
    Rüdmn: Studien über Vererbung und Entstehung geistiger Störungen. Monogr. aus dem Geb. der Neurol. u. Psychiat. Berlin: Julius Springer 1916.Google Scholar
  2. 1).
    Vgl. Bleuler: Mendelismus bei Psychosen, speziell bei Schizophrenie. Schweiz. Arch. f. Neurol. u. Psychiatrie, 1917, S. 19. Jetzt würde ich die Ablehnung der betreffenden Untersuchungen noch schärfer ausdrücken als damals.Google Scholar
  3. 1).
    Soeben lese ich in einer Arbeit über gynäkologische Krebsoperationen sprecht (Aebly: Zur Frage der Krebsstatistiken. Korrespond.-Bl. für schweiz. Ärzte, ausgeh 1918, Nr. 25) den hoffentlich etwas zu sehr verallgemeinernden Satz: „Bei Einführung einer neuen Methodik steigt die Mortalität jeweils, oft sogar beganz fe trächtlich. dieser]Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag oHG. Berlin · Göttingen · Heidelberg 1962

Authors and Affiliations

  • E. Bleuler

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