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Erntestatistik

  • R. Kuczynski
Chapter
Part of the Die Volksernährung book series (VE, volume 7)

Zusammenfassung

Die erste Ernteermittlung für das Deutsche Reich wurde im Anschluß an die erste allgemeine Bodenbenutzungsaufnahme vom Sommer 1878 durchgeführt. Als Ernteflächen wurden die bei dieser Aufnahme festgestellten Anbauflächen eingesetzt. Für jede Frucht sollte in jedem Kreise der Durchschnittsertrag für I ha „auf Grund möglichst umfassend eingezogener Nachrichten und sachkundiger Begutachtung“ ermittelt werden. Während also bei der Bodenbenutzungsaufnahme für jede Gemeinde ein besonderer Fragebogen auszufüllen war, wurde bei der Ernteermittlung nur für jeden Kreis (Amt) ein Fragebogen gefordert, und es war den Bundesstaaten freigestellt, ob sie die erforderlichen Angaben zunächst in Gemeinden oder ähnlichen kleineren Erhebungsbezirken sammeln wollten1). Mit Rücksicht auf den geringen Umfang späterer Ernteermittlungen verdient es aber hervorgehoben zu werden, daß diese erste Ermittlung alle einzelnen Feldfrüchte (Getreide, Hülsenfrüchte, Hackfrüchte, Gemüse, Handelsgewächse, Futterpflanzen) umfaßte, die durch die allgemeine Bodenbenutzungsaufnahme festgestellt worden waren, und bei den Getreide-und Hülsenfrüchten die Erträge getrennt für Körner und Stroh, bei den Futterpflanzen für Samen und Heu erfragte.

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Literatur

  1. 1).
    Bei der Feststellung der durchschnittlichen Ernteerträge und der Erntemengen für das Reich erwuchsen dem Statistischen Amte gewisse Schwierigkeiten daraus, daß im Fürstentum Lippe von 1878 bis 1885 überhaupt keine Ernteerhebungen, und daß auch in anderen Landesteilen in einzelnen Jahren für vereinzelte in die Reichsstatistik einbezogene Früchte keine Ernteerhebungen stattgefunden haben. Waren die Lücken sehr erheblich — im Jahre 1878 fehlten z. B. Mais für Sachsen, Buchweizenstroh, Erbsenstroh, Linsenstroh, Ackerbohnenstroh für Baden —, so verzichtete das Statistische Amt auf die Berechnung von Durchschnittserträgen und Erntemengen. Erschienen dem Amt die Lücken unerheblich, so nahm es mit Recht keinen Anstand, die Durchschnittserträge unter Nichtberücksichtigung der fehlenden Gebiete zu berechnen, während es in bezug auf die Erntemengen uneinheitlich und wenig folgerichtig vorging. Von 1878 bis 1887 verzichtete es in der Regel auf eine Ergänzung der Lücken in den Erntezahlen und teilte anmerkungsweise die Erntefläche, falls sie ihm bekannt war, mit; für Bayern aber verfuhr es so: „wo die Angaben der Durchschnittserträge für die Regierungsbezirke fehlten, wurden für andere Bezirke ermittelte eingesetzt“. Von 1888 ab ergänzte das Amt grundsätzlich alle Lücken: „die eingesetzten Zahlen sind nach den Ertragsverhältnissen der umgebenden Gebietsteile angenommen“. Eine gesonderte Behandlung erfuhr Lippe. Da hier 1878 keine Bodenbenutzungsaufnahme und auch in den anschließenden Jahren keine Erhebung der Ernteflächen stattfand, konnte das Amt zunächst nicht einmal diese anmerkungsweise mitteilen. Später hat es dann die fehlenden Erntezahlen für Körner von Weizen, Roggen, Gerste und Hafer, sowie für Kartoffeln und Wiesenheu „unter Zugrundelegung der in Lippe 1883 ermittelten Anbauflächen und Annahme gleicher Erträge wie in den Lippe benachbarten Gebietsteilen erschätzt“(Statistisches Handbuch für das Deutsche Reich I, S. 148). Die so vom Statistischen Amt für Lippe errechneten Ernteerträge ergeben sich für 1880 bis 1885 aus einem Vergleich der Angaben für das gesamte Reich im Statistischen Jahrbuch 1892, S. 13, und der Angaben für das Reich ohne Lippe im Statistischen Jahrbuch 1891, S. 16. Für 1878 und 1879 hat das Amt für Lippe — ohne ersichtlichen Grund — die gleichen durchschnittlichen Hektarerträge angesetzt wie für 1880 (Statistisches Handbuch für das Deutsche Reich I, S. 17of.), sodaß es mit dergleichen Gesamternte für 1878 bis 1880 rechnet. In diesem Buche wurde nun der Grundsatz befolgt, wo immer irgend angängig, die amtlichen Erntezahlen zu übernehmen. Es wurden insbesondere alle Zuschläge, die das Amt für fehlende Gebiete vorgenommen hat, anerkannt, und auch der Fehler, den das Amt mit Gleichsetzung der Erträge in Lippe für 1878 bis 1880 begangen hat, wurde nicht nachträglich berichtigt, da durch das vom Amt eingeschlagene Verfahren bei der geringen Fläche Lippes eine irgendwie nennenswerte Verschiebung des Gesamtergebnisses nicht eingetreten sein kann. Es wurde hier also für 1878 und 1879 bei Körnern von Weizen, Roggen, Gerste und Hafer, sowie bei Kartoffeln und Wiesenheu im Sinne des Amts der gleiche Zuschlag für Lippe vorgenommen wie für 1880. Da das Amt für alle übrigen Fruchtarten und bei Stroh keine Ergänzung für Lippe vorgenommen hat, wurden hier die erforderlichen Zuschläge für jedes einzelne Jahr von 1878 bis 1885 in der Weise berechnet, daß die in Lippe 1883 ermittelten Anbauflächen und der Durchschnitt der durchschnittlichen Hektarerträge in den preußischen Regierungsbezirken Hannover und Minden zugrunde gelegt wurden. Im übrigen wurden, wo Lücken vorhanden waren, die erforderlichen Zuschläge hier in der Weise berechnet, daß die amtlichen Ernteflächen des betreffenden Jahres und die durchschnittlichen Erträge für das Reich zugrunde gelegt wurden.Google Scholar
  2. 1).
    Vgl. S. 25 ff.Google Scholar
  3. 2).
    Eine Erweiterung erfolgte nur dadurch, daß von 1905 ab der Ertrag von Bewässerungswiesen von dem der anderen Wiesen gesondert geschätzt werden sollte, und daß von 1914 ab der Ertrag von Zuckerrüben zur Zuckerfabrikation in die Berichterstattung einbezogen wurde. (Inzwischen waren bereits — von 1892 ab — die Ernteerträge an Zuckerrüben durch die Hauptsteuerämter gesondert ermittelt worden.)Google Scholar
  4. 1).
    Auch „Erbsen, Wicken und Gemenge als Grünfutter“.Google Scholar
  5. 1).
    Zahn: Die amtliche Statistik und der Krieg (J ahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, III. Folge, Bd. 51) S. 98.Google Scholar
  6. 1).
    In Preußen werden seit 1920 noch ermittelt: Wintergerste, Gemenge aus Getreide aller Art, Buchweizen, Erbsen und Futtererbsen aller Art, Speisebohnen, Ackerbohnen, Wicken, Lupinen, Gemenge aus Hülsenfrüchten mit Getreide sowie ohne Getreide, Futterrüben, Kohlrüben, Mohrrüben, Weißkohl, Winterraps und -rübsen (vgl. Preußische Statistik, Heft 264, S. 2ff.); in Bayern: Winterraps, Getreidestroh, seit 1922 auch Erbsen, Linsen, Bohnen, Wicken, seit 1923 Gemenge aus Hülsenfrüchten, seit 1924 Kohlrüben; in Württemberg: Einkorn, Erbsen, Linsen, Speisebohnen, Ackerbohnen, Wicken, Lupinen, Runkelrüben, Kohlrüben, Weißkohl, Raps, Rübsen, Mohn, Flachs, Hanf, Hopfen, Zichorien, Esparsette, Kleegras, Grünmais und Pferdezahnmais, Getreidestroh, Hülsenfruchtstroh, Rapsstroh; in Sachsen: Wintergerste, Menggetreide, Buchweizen, Mischfrucht, Kohlrüben, Weißkraut, Flachs.Google Scholar
  7. 1).
    Vgl. Preußische Statistik, Heft 277, S. 31*.Google Scholar
  8. 1).
    Vgl. Trüdinger: Der württembergische Obstbau (Württembergische Jahrbücher, Jg. 1901, I, S. 212ff.).Google Scholar
  9. 1).
    Im Jahre 1925 wurde erstmals bei Äpfeln und Birnen zwischen Tafel- und Mostobst, bei Kirschen zwischen E ß — und Brennkirschen unterschieden.Google Scholar
  10. 1).
    In der württembergischen Statistik finden sich seit 1898 noch Angaben über die chemische Untersuchung des Mostes (Zucker- und Säuregehalt).Google Scholar
  11. 2).
    Vgl. auch S. 14 und 25.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1926

Authors and Affiliations

  • R. Kuczynski

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