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Adorno und die Tiere

  • Arnd Hoffmann
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D ass Gemeinheit ein Vorrecht des Menschen gegenüber den Tieren sei, hat Adorno bis in die feinsten Verästelungen der Naturbeherrschung nachgezeichnet. In seiner Kindheit erwartete er Anstand und Achtung im Umgang mit Tieren. Aber er lernte schnell, dass die scheinbar doppelte Bedeutung des Begriffs »Anstand« – als traditioneller Ort der Wildschweinfütterung wie als respektvolle Geste, den Schweinen an diesem Unterstand »Schutz und Zuflucht« zu gewähren – nur ein Trick der instrumentellen Vernunft der Jäger war: Denn die »Fütterung in Breitenbuch fände nicht den friedvollen Sauen zuliebe statt, nicht einmal bloß, um die Äcker vor den angeblichen Verwüstungen zu behüten, sondern vorweg, um den Jägern ihre Beute am Leben zu erhalten, bis sie ihnen vor die Büchse liefe« (GS 10/1: 308).

Das Motiv von Würde und Abwesenheit derselben zieht sich bei Adornos Beschäftigung mit den Tieren wie ein roter Faden durch seine Texte. Seine Auseinandersetzung mit dem allgemeinen Tierbegriff und allen...

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Authors and Affiliations

  • Arnd Hoffmann
    • 1
  1. 1.KölnDeutschland

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