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Handbuch Sound pp 134-139 | Cite as

Musikwissenschaft

  • Sebastian Klotz
Chapter

Die Musikwissenschaft hat seit ihrer Entstehung unterschiedliche Beschreibungsperspektiven auf Klang und Klanglichkeit eingenommen, in Abhängigkeit von ihren sich wandelnden Gegenständen. Hier waren zunächst die arithmetische Beschreibung von Intervallverhältnissen und die Untersuchung der Konstitution von Tonsystemen von zentraler Bedeutung. Den Hintergrund bildete eine prinzipiell ontologische Ausrichtung der musica: In den gelehrten westlichen Traditionen stand sie nicht für klingende Phänomene, sondern für ein grundlegendes Orientierungswissen in einer harmonisch aufgebauten Welt, in einem auf Korrespondenzen und auf Proportionalität fußenden Universum. Die klingende Komponente der musica stellt die niedrigste Manifestation eines die Klänge und die Musik überschreitenden Wissens dar. Der klingende Anteil ermöglichte irdischen Wesen einen Zugang zu den höheren, in der Musik repräsentierten Wahrheiten.

Doch die Verhältnisse waren nicht so eindeutig, wie es scheint: Die Antike hat...

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