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86 Skandale und Erregungen

  • Gregor Thuswaldner

Zusammenfassung

Mit Thomas Bernhard verbindet man auch heute noch zahlreiche Skandale und Erregungen. Zum 25. Todestag gab Edwin Baumgartner seinem Artikel in der Wiener Zeitung den Titel »Der Skandalmacher« (Baumgartner 2014). Dass Bernhard einmal so bezeichnet würde, hätte man Anfang der 1950er Jahre nicht ahnen können, als er seinen dichterischen Anfang nahm. Seine ersten schriftstellerischen Versuche waren eher vom anti-modernen, konservativen Zeitgeist gekennzeichnet. Doch bereits Mitte der 1950er Jahre vernahm man einen Ton, den man sich von dem jungen Autor nicht erwartet hatte. Am 3. Dezember 1955 meldete sich Bernhard kulturkritisch in der katholischen Wochenzeitung Die Furche zu Wort. Er griff das Salzburger Landestheater wegen seines Spielplans an; es sei dort in letzter Zeit kein Theaterstück angesetzt worden, das »in den Kulturspalten diskutabel« sei. Die »Bretter rechts der Salzach« würden bald zu einem »Rummelplatz des Dilettantismus« verkommen sein. »Hält man denn die Einwohner dieser wenn auch nicht immer kulturfreundlichen Stadt wirklich für so dumm, daß man sich ihnen Jahr und Tag nichts als sauer gewordene Schlagobersmärchen vorzusetzen getraut?« (W 22/1, 411).

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Authors and Affiliations

  • Gregor Thuswaldner
    • 1
  1. 1.North Park UniversityChicagoUSA

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