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59 Bernhard und das Theater der 1970er und 1980er Jahre

  • Verena Meis

Zusammenfassung

Hermann Beil, der an der Seite Claus Peymanns zahlreiche Uraufführungen Bernhards dramaturgisch begleitete, stellt in Anlehnung an Heiner Müller fest: Das ›System Bernhard‹ sei nicht kompatibel, alles an ihm sperre sich. Nichtsdestotrotz ergäbe sich aus der Distanz betrachtet ein Wechselspiel mit der Wirklichkeit (vgl. Beil 2009, 89 f.). Entsprechend verhält es sich auch mit Bernhard und dem Theater der 1970er und 1980er Jahre. Es scheint zunächst nur so, als agiere Bernhards Theater gänzlich unbeeindruckt von den Theaterdiskursen seiner Zeit. Genauer betrachtet offenbaren sie sich als integraler Bestandteil seiner Stücke. Dabei gilt, was Bernhard im filmischen Monolog Drei Tage äußert, der während der Proben seines ersten abendfüllenden Theaterstücks Ein Fest für Boris in Hamburg gedreht wurde: »In meinen Büchern ist alles künstlich« (W 22/2, 58). In Form artifizieller Ideen sind die zeitgenössischen Theaterdiskurse Bernhards Theater gewissermaßen eingeschrieben. Sie tauchen, wie im Folgenden gezeigt, als szenische Materie auf.

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Copyright information

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Authors and Affiliations

  • Verena Meis
    • 1
  1. 1.Institut für Germanistik IVHeinrich-Heine-Universität DüsseldorfDüsseldorfDeutschland

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