Advertisement

55 Briefausgaben

  • Franz M. Eybl

Zusammenfassung

Thomas Bernhard hat sich als nachlässigen Briefschreiber stilisiert und andererseits die Bedeutung seiner Briefe unterstrichen. Der selbstdeklarierte »Feind von Gewäsch und Korrespondenz« verleugnet seine voluminöse und zeitraubende Briefführung: »Vielleicht finden Sie zwanzig Briefe von mir irgendwo, das wär’ schon sehr viel, weil es mich nicht interessiert« (W 22/2, 511). Das entspricht dem in der Briefrhetorik geläufigen Topos von der Überlegenheit des direkten Gesprächs vor dem indirekten und von Missverständnissen bedrohten des Briefverkehrs: »Ich halte es für besser, zu reden, als zu korrespondieren, denn in der Korrespondenz kreuzen sich seit Jahrtausenden die Missverständnisse, wie Sie wissen«, schreibt Bernhard in der frühen Phase an seinen Verleger Unseld (Bernhard/Unseld 2009, 112; zur Briefrhetorik vgl. Kramer 2013). Ebenso sehr entspricht es dem Gestus des nonchalanten Dandys als Dichterfiguration eines genialischen Einzelgängers in Opposition zur Welt.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Bartels, Gerrit: Narziss und Goldesel. In: Tagesspiegel, 17.12.2009.Google Scholar
  2. Becker, Peter von: Die Komödie des Geldes. In: Die Zeit, 11.2.2009.Google Scholar
  3. Bernhard, Thomas: Der Wahrheit auf der Spur. Reden, Leserbriefe, Interviews, Feuilletons. Hg. von Wolfram Bayer/Raimund Fellinger/Martin Huber. Berlin 2011.Google Scholar
  4. Bernhard, Thomas/Fritsch, Gerhard: Der Briefwechsel. Hg. von Raimund Fellinger/Martin Huber. Mattighofen 2013.Google Scholar
  5. Bernhard, Thomas/Hennetmair, Karl Ignaz: Ein Briefwechsel 1965–1974. Kommentiert von Peter Bader in Zusammenarbeit mit Karl Ignaz Hennetmair. Weitra 1994.Google Scholar
  6. Bernhard, Thomas/Unseld, Siegfried: 18 Briefe 1961–1988. Vorabdruck aus: Der Briefwechsel. Frankfurt a. M. 2008.Google Scholar
  7. Bernhard, Thomas/Unseld, Siegfried: Der Briefwechsel. Hg. von Raimund Fellinger/Martin Huber/Julia Ketterer. Frankfurt a. M. 2009.Google Scholar
  8. Bernhard, Thomas/Unseld, Siegfried: Briefwechsel, gesprochen von Gert Voss/Peter Simonischek. 3 CDs. Der Hörverlag/HR 2, 2009.Google Scholar
  9. Bernhard, Thomas/Unseld, Siegfried: Correspondencia. Selección y traducción de Miguel Sáenz. Barcelona 2012.Google Scholar
  10. Birk, Matjaž: »Ich halte es für besser, zu reden, als zu korrespondieren, denn in der Korrespondenz kreuzen sich seit Jahrtausenden die Missverständnisse, wie Sie wissen«. Der Verleger und sein Autor – Ein Rückblick auf das Jahr 1970. In: Johann Georg Lughofer (Hg.): Thomas Bernhard. Gesellschaftliche und politische Bedeutung der Literatur. Wien/Köln/Weimar 2012, 339–355.Google Scholar
  11. Böttiger, Helmut: Die größtmögliche Unzucht: das Schreiben. In: Süddeutsche Zeitung, 1.2.2010.Google Scholar
  12. Brand, Jobst-Ulrich: »Gezeter und Geplemper«. In: Focus, 11.12.2009.Google Scholar
  13. Dittmar, Jens (Hg.): Sehr geschätzte Redaktion. Leserbriefe von und über Thomas Bernhard. Wien 1991.Google Scholar
  14. Dressel, Manuela: Thomas Bernhard und seine Verleger. Wien 2014.Google Scholar
  15. Fialik, Maria: Der Charismatiker: Thomas Bernhard und die Freunde von einst. Wien 1992.Google Scholar
  16. Fialik, Maria: Thomas Bernhard das Theatrale in Leben und Werk oder »Solche Menschen muss ein Mensch haben«. Ein Leben rekonstruiert aus Briefen und Gesprächen. Phil. Diss. Univ. Wien 1997.Google Scholar
  17. Hennetmair, Karl Ignaz: Aus dem versiegelten Tagebuch. Weihnacht mit Thomas Bernhard. Weitra 1992.Google Scholar
  18. Hennetmair, Karl Ignaz: Ein Jahr mit Thomas Bernhard. Das notariell versiegelte Tagebuch 1972. Salzburg/Wien 2000.Google Scholar
  19. Höller, Hans: Thomas Bernhard. Reinbek bei Hamburg 1993.Google Scholar
  20. Huber, Martin: Thomas Bernhard und Frankfurt. Der Autor und sein Verleger. Frankfurt a. M. 2006.Google Scholar
  21. Huber, Martin: »Haben sie Le Monde vom 15. Avril gelesen?« Die internationale Rezeption Thomas Bernhards im Spiegel seiner Suhrkamp-Verlagskorrespondenz mit Siegfried Unseld. In: Cultura tedesca 32 (2007): Thomas Bernhard. Beiträge zum Internationalen Kongress »Thomas Bernhard grenzenlos/Thomas Bernhard senza confini« in Rom, 93–103.Google Scholar
  22. Huber, Martin/Mittermayer, Manfred (Hg.): Thomas Bernhard und seine Verlage. Otto Müller, Residenz, Insel, Suhrkamp. Begleitbuch zur Ausstellung im StifterHaus. Linz 2007.Google Scholar
  23. Kramer, Olaf: Der Übertreibungskünstler als Geschäftsmann – ein Brief Thomas Bernhards an Siegfried Unseld. In: Jörg Schuster/Jochen Strobel (Hg.): Briefkultur: Texte und Interpretationen – von Martin Luther bis Thomas Bernhard. Berlin/Boston 2013, 381–393.Google Scholar
  24. Maxwald, Johann: Thomas Bernhard. Mein eigentümlicher Nachbar. Klosterneuburg 2014.Google Scholar
  25. Mittermayer, Manfred: Der Briefwechsel zwischen Thomas Bernhard und Josef Kaut [in Auszügen]. In: Ders./Sabine Veits-Falk (Hg.): Thomas Bernhard und Salzburg. 22 Annäherungen. Salzburg 2001, 231–241.Google Scholar
  26. Mittermayer, Manfred: »Wir sind von Narren und Gemeinheit umstellt.« Thomas Bernhards Briefnachlass. In: Salz. Zeitschrift für Literatur 2013, H. 153: Aufgehoben und verwahrt. Das Literaturarchiv Salzburg, 16–20.Google Scholar
  27. Müller, André: Im Gespräch mit Thomas Bernhard. Weitra 1992.Google Scholar
  28. Pils, Richard/Hennetmair, Karl Ignaz: Geschäfte eines Verlegers. Ein Briefwechsel. Hg. von Karl Ignaz Hennetmair. Ohlsdorf 2003.Google Scholar
  29. Pöschl, Mareen: Der Ignorierte und der Wahnsinnige [Thomas Bernhard und Karl Ignaz Hennetmair]. In: Datum. Seiten der Zeit 2011, H. 2, 62–66.Google Scholar
  30. Prutti, Brigitte: Festzertrümmerungen. Thomas Bernhard und seine Preise. Bielefeld 2012.Google Scholar
  31. Schmidt-Dengler, Wendelin: Der Übertreibungskünstler. Studien zu Thomas Bernhard. Wien 1986.Google Scholar
  32. Struck, Lothar: »Das Leben ist wunderbar, die Welt großartig, wir leben in einer großen Zeit«. Über den Briefwechsel Thomas Bernhard – Siegfried Unseld. In: Glanz & Elend – Magazin für Literatur und Zeitkritik 2009, H. 12, http://www.glanzundelend.de/Artikel/artikelalt/briefwechsel_bernhardunseld.htm (Zugriff: 1.11.2017).
  33. Unseld, Siegfried: Chronik. Bd. 1: 1970. Mit den Chroniken Buchmesse 1967, Buchmesse 1968 und der Chronik eines Konflikts 1968. Hg. von Ulrike Anders u. a. Berlin 2010.Google Scholar
  34. Unseld, Siegfried: Chronik. Bd. 2: 1971. Hg. von Ulrike Anders u. a. Berlin 2014.Google Scholar
  35. Wagner, Karl: »Er war sicher der Begabteste von uns allen«. Bernhard, Handke und die österreichische Literatur. Wien 2010.Google Scholar
  36. Wille, Franz: Der Briefbomber. Der Briefwechsel zwischen Thomas Bernhard und Siegfried Unseld ist unglaublich, aber wahr. In: Theater heute 51 (2010), H. 2, 26 f.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Franz M. Eybl
    • 1
  1. 1.Institut für GermanistikUniversität WienWienAustria

Personalised recommendations