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54 Journalistisches, Reden, Interviews

  • Harald Gschwandtner

Zusammenfassung

Bernhards Image als streitbarer Autor und Polemiker ist – der provokativen Sprengkraft seiner erzählerischen und dramatischen Werke zum Trotz – nicht ohne seine öffentlichen Auftritte, Stellungnahmen und Interventionen zu denken. Wie wenige andere deutschsprachige Autor/innen nach 1945 setzte Bernhard Textsorten wie Leserbriefe, Reden, Essays und Interviews gezielt zur Konturierung und strategischen Inszenierung seiner auktorialen posture (Jérôme Meizoz) ein. Schmidt-Denglers vielzitierte Einschätzung, wonach sich Bernhards literarisches Werk »nicht mehr ablösen« lasse »von der Wirkung, die es gehabt hat« (Schmidt-Dengler 1986, 94), ist ebenso auf seine auch in weniger literaturaffinen Kreisen rezipierten Statements in verschiedenen Medien zu beziehen. Diese Texte des ›öffentlichen Bernhard‹ sind zuletzt – im Kontext einer Konjunktur der Autorschaftsforschung – stärker in den Fokus der Bernhard-Philologie gerückt. Hatte man publizierte Gespräche oder Leserbriefe lange Zeit als bloße Epiphänomene des ›primären‹ literarischen Werkes kategorisiert, werden sie mittlerweile nicht nur als elementarer Aspekt einer Bernhardschen ›Werkpolitik‹ (Steffen Martus), sondern auch als »Teil des künstlerischen Gesamtwerkes des Schriftstellers« verstanden (Janke 2007, 79; vgl. Billenkamp 2008, 386; Götze 2012, 360; Pethes 2016, 127 f.).

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Literatur

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Authors and Affiliations

  • Harald Gschwandtner
    • 1
  1. 1.Fachbereich GermanistikUniversität SalzburgSalzburgAustria

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