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Praktiken der Einverleibung – Merleau-Ponty, Foucault, Bourdieu

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Part of the Ethik und Bildung book series (ETHBI)

Zusammenfassung

Maurice Merleau-Ponty, Michel Foucault und Pierre Bourdieu sind einflussreiche französische Denker des 20. Jahrhunderts. Ihre Bedeutung wird bereits dadurch angezeigt, dass sie alle drei an das Collège de France berufen wurden und ihnen damit die höchste akademische Auszeichnung in Frankreich zuteilwurde. Maurice Merleau-Ponty ist der älteste unter ihnen. Er wirkt als origineller Nachfolger von Edmund Husserl, der als Begründer der Phänomenologie unserer Zeit gilt. Nach anfänglicher Begeisterung werden Michel Foucault und Bourdieu sich von dieser Philosophie abwenden, ohne vollständig ihren Bann zu brechen. Trotz aller Nähe zur Phänomenologie des Leibes im Sinne von Merleau-Ponty beharren sie auf ihrer Kritik am Mythos des Ursprünglichen. Ihnen drängt sich ein Verdacht des Verlusts an Geschichtlichkeit und Sozialität auf. Der Leib ist aber auch in den Augen von Merleau-Ponty kein Hort, in den man angesichts der vielen Entfremdungserscheinungen flüchten kann. Einverleibung meint auch Enteignung. Der Leib gaukelt sich seine Einheit vor und bleibt sich doch fremd, weil ihm stets eine Geschichte und andere vorausgehen. Von Merleau-Ponty kann man lernen, unsere Welt von einer gedachten in eine gelebte zurück zu verwandeln, von Foucault und Bourdieu werden wir angehalten, den Leib, den wir kennen, nicht für den wahren zu halten.

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Authors and Affiliations

  1. 1.Ruhr-Universität BochumHertenDeutschland

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