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Peter Handke pp 149-220 | Cite as

Neubegründung des Erzählens in der Rückbindung an die Tradition

  • Rolf G. Renner
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Zusammenfassung

Die Konvergenz von ästhetischem und philosophischem Entwurf setzt sich im Chinesen des Schmerzes fort. So wie der Philosoph nach Orten des „Wohnens“ und „Bauens“ sucht, um vom Ursprung des Menschen reden zu können (Heidegger VO 25), rekonstruiert der Protagonist Loser die Schwellen antiker Bauwerke. Mit den Schwellen als „Schrift und Bild“ (PW 78) erschließt sich ihm die Architektonik der Welt im Verständnis Heideggers. Am Ende wird er in der Nachfolge Vergils auch zu einem Erzähler. Die Wiederholung schildert eine Suche nach dem Bruder und der verlorenen Heimat und bestimmt den Weg in die Sprache als ein Aneignen von Vorgegebenem, ein „Hören“ und „Entsprechen“ im existentialontologischen Sinn. Zunehmend greift Handke jetzt auf traditionelle literarische Muster zurück. Der als ‚Märchen‘ bezeichnete Text der Abwesenheit stellt dabei poetologisch wie existentiell zu deutende Situationen vor. Auch Don Juan, Kali und Die Abwesenheit weisen märchenhafte Züge auf, in der Morawischen Nacht und In einer dunklen Nacht werden Erzählstrategien des mittelalterlichen Epos bestimmend. Geprägt sind alle diese Texte durch komplexe Bezugsfelder, deren Konstruktion an die metonymische Metaphorik Prousts erinnert. Im Bildverlust entfaltet sich schließlich neben der Reflexion über das Bild ein Nachdenken über die Schrift. Dieses wird zum Kern einer übergreifenden Poetologie des Erzählens.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2020

Authors and Affiliations

  • Rolf G. Renner
    • 1
  1. 1.Universität FreiburgFreiburg im BreisgauDeutschland

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