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Peter Handke pp 117-148 | Cite as

Heimkehr zu den Anfängen des Ich und das Versprechen der Bilder

  • Rolf G. Renner
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Zusammenfassung

In den Texten der sogenannten Tetralogie versucht der Autor, die „fixen Ideen einzelner als den Mythos vieler“ zu übersetzen (GW 242). In der Langsamen Heimkehr verweisen Naturbilder auf psychische Prozesse und Projektionen. Die Lehre der Sainte-Victoire fügt dem eine autobiographisch geprägte Mythisierung von Autorschaft hinzu. Mit Blick auf Cézanne entziffert der Autor gemalte Landschaften als „Sehtafeln“, um ein „wiederkehrendes Phantasie- und Lebensbild“ zu erfassen (LSV 18). Sie verwandeln sich in Zeichensysteme, die sich wie eine Schrift lesen lassen. Gerade deshalb wird das „Freiphantasieren“ der Landschaften zu einem ›Entbergen‹ im philosophischen Sinn. Es bestätigt eine grundsätzliche Verschränkung von Dichten und Denken, die sich an Heideggers Sprachauffassung orientiert. Diese philosophische Beziehung verbindet sich in der Tetralogie mit einer lebensgeschichtlichen. In der Kindergeschichte rekonstruiert Handke beim Blick auf seine Tochter Amina Entwicklungsstufen der eigenen Sozialisation. Dabei macht er zugleich die Verwandtschaft zwischen kindlicher und ästhetischer Phantasie deutlich. Im dramatischen Gedicht Über die Dörfer denkt er sich schließlich zu seiner wirklichen Heimat und in den Erfahrungsraum der Familie zurück. In seiner Rede zur Verleihung des Nobelpreises 2019 wird die Bedeutung dieser Rückwende noch einmal betont und als Voraussetzung des eigenen Schreibens kenntlich gemacht.

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2020

Authors and Affiliations

  • Rolf G. Renner
    • 1
  1. 1.Universität FreiburgFreiburg im BreisgauDeutschland

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