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›Wahrnehmen statt Meinen‹. Zur politischen Dimension narrativer Strukturen am Beispiel von Wolfgang Koeppens Das Treibhaus

  • Mareike Gronich
Part of the Abhandlungen zur Literaturwissenschaft book series (ABLI)

Zusammenfassung

›Wahrnehmen statt Meinen‹, das ist zunächst einmal eine Absage an die etablierten Konzeptionen von Tendenz und Parteilichkeit in Literatur. Mit der Formulierung wird ein Verständnis politischer Literatur kritisiert, in dem der Text nicht mehr ist als das Behältnis für eine Botschaft, die die Leser/innen ihm – zum Zwecke der Übernahme der im Text vertretenen Meinung – entnehmen sollen. Die Rede vom ›Wahrnehmen statt Meinen‹ verschiebt aber auch den Fokus in der Debatte um politische Literatur von der Produktions- auf die Rezeptionsseite: Politische Literatur, so könnte man mit Draesner argumentieren, ist gerade nicht die Literatur, in der Autor/innen ihre Meinung kundtun, sich also für oder gegen etwas engagieren, sondern jene, in der den Leser/innen die Gelegenheit gegeben wird, die eigene Welt wahrzunehmen – nicht nur, aber auch in ihrer politischen Verfasstheit. »Immens politisch«, so heißt es bei Draesner ganz in diesem Sinne weiter, ist Literatur, die »Politisches zeigt, über Politik reflektiert, sie zugleich in ihrer Herstellung durch Sprechakte aufweist und das selbst noch einmal reflektiert«.

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Literatur

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Authors and Affiliations

  • Mareike Gronich
    • 1
  1. 1.Universität BielefeldBielefeldDeutschland

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