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Gorgias von Leontinoi oder die Begründung alternativer Fakten

  • Gyburg Uhlmann
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Abstract

W ir erfahren von Platon und später auch von seinem Schüler Aristoteles, dass es die reisenden Redelehrer der Zeit, in der Sokrates philosophierte, waren, die das Know-how der Rede von der Wahrheit abgelöst haben (ein Klassiker über die Sophisten des 5. Jh.s ist Kerferd 1981). Wir erfahren zugleich auch, dass die Kunstfertigkeit im Reden als ein technisches Können, das man unterrichten und das man von anderen lernen kann, von eben diesen reisenden Lehrern überhaupt erst erfunden und unter das (adelige) Volk gebracht wurde. Diese Lehrer nannten sich selbst ›Weise‹ (griech. sophoi), Platon hingegen schuf für sie den Kampfbegriff ›Sophisten‹, um sichtbar zu machen, dass sich diese vorgeblichen Lehrer zu Unrecht Wissen und didaktisches Können anmaßten. Die berühmtesten unter ihnen sind : Gorgias von Leontinoi (ca. 490–380 v. Chr.), Protagoras von Abdera (ca. 485–411 v. Chr.) und Hippias von Elis (wir haben keine genauen Lebensdaten, er war ein jüngerer Zeitgenosse des Protagoras). Es wird erzählt, dass Gorgias, der nach antiker Überlieferung ein biblisches Alter von über 100 Jahren erreichte, in seiner Heimat Sizilien bereits bei zwei Pionieren der professionellen Redekunst in die Lehre gegangen sei : bei dem Syrakusaner Korax und dessen Schüler Teisias. Auch diese hätten die Rhetorik bereits als Technik unterrichtet. Aber ist dies denn mehr als eine schöne alte Erzählung ?

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Authors and Affiliations

  • Gyburg Uhlmann
    • 1
  1. 1.BerlinGermany

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