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  • Ottmar Ette
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Zusammenfassung

Alexander von Humboldt ist ein Faszinosum. Im Verlauf seines langen Lebens (1769–1859) hat er als Wissenschaftler nicht allein zwei Einzeldisziplinen mitbe­gründet, die Altamerikanistik und die moderne Geographie, sondern eine ganze Wissenschaft: die Humboldtsche Wissenschaft (s. Kap. 12; 31). Als Natur- und Kulturforscher erkundete er weite Teile Europas, vom nordwestlichen Spanien bis ins Baltikum, von Süditalien bis nach Russland, aber auch riesige Gebiete der Amerikas zwischen Havanna und Lima, zwischen Mexiko und Washington, sowie Zentral-Asiens bis zur Grenze des Russischen Reiches mit China (s. Kap. 5; 7; 13; 15; 35). Als Schriftsteller schuf er ein gewaltiges Œuvre, das die (je nach Zählweise) 30 oder 34 Bände seiner Amerikanischen Reise ebenso einschließt wie seine Ansichten der Natur, sein Werk über Zentral-Asien ebenso wie seinen Kosmos, der ihn mit der Summa seines Wissens zum Bestseller-Autor machte (s. Kap. 4; 5; 8; 30; 34). Überzeugt davon, dass die Welt sich aus der Perspektive einer einzigen Sprache nicht adäquat verstehen lasse, schrieb er in französischer wie in deutscher Sprache, griff in seinen Werken aber auch auf ein Dutzend weiterer Idiome zurück, wenn die jeweilige Thematik es erforderte (s. Kap. 6; 19, 21; 24; 25). Dazu entwickelte er experimentelle Schreibformen, die er in vielen seiner Manuskripte erprobte und in nicht wenigen seiner Buchveröffentlichungen seinem großen internationalen Publikum vorlegte (s. Kap. 4; 22; 23; 26; 38). In Politik und Diplomatie war er über lange Jahrzehnte und nicht zuletzt aufgrund seines ungeheuren Netzwerkes an Freunden und Korrespondenten ein vielgefragter Ratgeber und zugleich ein effizienter Akteur (s. Kap. 9; 20; 21; 36). Wer auch immer gerade preußischer Gesandter in Paris war: Humboldt galt zumeist als geschickter. Der Reaktion verhasst, spielte er auf verschiedensten Klaviaturen gleichzeitig.

Literatur

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Authors and Affiliations

  1. 1.PotsdamDeutschland

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