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Wer wohnt in der Schillerpromenade 27?

  • Claudia Rücker

Zusammenfassung

Die Schillerpromenade und das gleichnamige, von breiten Straßen und dem Tempelhofer Feld eingerahmte Wohnviertel entstanden um die Jahrhundertwende. Zwei Terraingesellschaften hatten damals das als Stadterweiterungsgebiet ausgewiesene Ackerland erworben und parzelliert an private Bauherren weiterverkauft. Geplant war eine „bessere“ Wohngegend, die steuerkräftige Bürger nach Rixdorf locken sollte. Doch ganz anders als vorgesehen, zogen überwiegend Arbeiterfamilien, Handwerker und kleine Angestellte in das neue Stadtquartier. Auch heute sind viele Bewohner des dicht besiedelten Gebietes Arbeiter und Angestellte mit niedrigen bis mittleren Einkommen und Studenten. 1995 lag der Anteil der Erwerbslosen bei 18,5%1 und damit über dem Neuköllner und Berliner Durchschnitt, 44% der Haushalte gehören zur Gruppe mit niedrigem Einkommen2 und 14,3% erhalten Sozialhilfe. Sozialstudien über das Gebiet berichten außerdem von Strukturdefiziten wie z.B. Mangel an Kindertagesstättenplätzen, Grünflächen oder Einrichtungen für Senioren sowie von steigenden Mieten und Verdrängung. Durch die geplante Schließung des Flughafens Tempelhof, die eine innerstädtische Fläche von 4,5 qkm zur Bebauung freigäbe, ist die repräsentative Anlage in den Blickpunkt von Stadtplanern und Investoren gerückt: wieder will man versuchen, durch bauliche Veränderungen aus dem Viertel eine vornehme Gegend zu machen. Im Gegenzug soll der seit Juli 1996 geltende Milieuschutz3 die sogenannte Gentrifikation und deren Folgen für die angestammte Bevölkerung, wie z.B. Verdrängung und die Auflösung gewachsener Strukturen verhindern.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Alle statistischen Angaben sind dem Bericht Hempel, HJ., Korfmacher, J.: Sozialstruktur und Wohnverhältnisse. Untersuchung zur Beurteilung des Milieuschutzerfordernisses im Gebiet Schillerpromenade Berlin-Neukölln... entnommen. Die Studie wurde vom Bezirksamt Neukölln, Abt. Bau-, Wohnungswesen und Umweltschutz, und dem Stadtplanungsamt in Auftraggegeben. Eine Forderung für den Erlaß der Erhaltungsrechtsverordnung besteht darin, die besonderen städtebaulichen Gründe darzulegen, nach denen die Zusammensetzung der Wohnbevölkerung erhaltenswert ist. Dieser Studie vorausgegangen ist eine Untersuchung der Arbeitsgemeinschaft für Sozialplanung und Mieterberatung im Auftrag der Senatsverwaltung für Bau-und Wohnungswesen, Abteilung Stadterneuerung, von 1993. Beide Berichte dienten uns als Grundlage zur Darstellung der strukturellen Lebensbedingungen in der Schillerpromenade.Google Scholar
  2. 2.
    Als niedrige Einkommensgruppe gelten: 1 Person mit mtl. Einkommen bis 1300 DM, 2 Personen bis 2800 DM, 3 Personen bis 3400 DM, 4 Personen und mehr bis 3800 DM.Google Scholar
  3. 3.
    Geschützt werden sollen u.a. die Stadtstruktur vor zu intensiver Nutzung durch zu viele Bewohner, architektonische Besonderheiten und niedrige Mieten, um die Verlagerung von Problemgruppen in andere Stadtgebiete und zusätzliche Nachfrage nach Wohnungen im sozialen Wohnungsbau zu verhindern.Google Scholar
  4. 4.
    Historische Forschungsergebnisse, Berichte von Fachleuten aus dem Bereich der Stadtplanung und eine erste Auswertung der Interviews durch die Studierenden erschienen im Katalog zur Ausstellung (Bezirksamt NeuköLln/Humboldt-UniversitäT Zu Berlin 1996). Der vorliegende Artikel basiert auf den Arbeitsergebnissen des Museumsteams, das seinerseits die Fotos und Interviews von und mit den Bewohnern für die Ausstellung bearbeitete.Google Scholar
  5. 5.
    „Kreuzberg 61“ ist eine alte postalische Bezeichnung und bezieht sich in Abgrenzung zu „Kreuzberg 36“ auf ein Gebiet mit mehrheitlich komfortablen Altbauwohnungen, einer als „funktionierend“ empfundenen Sozial-und Infrastruktur, einer „gelungenen“ Mischung unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen.Google Scholar

Literatur

  1. Bezirksamt Neukölln, Humboldt-UniversitäT Zu Berlin (Hrsg.): 12049 Berlin — Schillerpromenade 27 — Ein Haus in Europa. Opladen, 1996.Google Scholar
  2. Hempel, H.J., Korfmacher, J.: Sozialstruktur und Wohnverhältnisse. Untersuchung zur Beurteilung des Milieuschutzerfordernisses im Gebiet Schillerpromenade Berlin-Neukölln und Begründung für eine Erhaltungsrechtsverordnung nach §172 Abs. 1 Nr. 2 BauGB. Büro für Stadtplanung,-forschung und-erneuerung. Berlin, 1995.Google Scholar

Copyright information

© Verlag Leske + Budrich, Leverkusen 1996

Authors and Affiliations

  • Claudia Rücker

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