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Geschlecht, Sexualität und Generativität im Schnittpunkt von Individualisierung und Totalisierung

  • Cornelia Ott
Part of the Geschlecht und Gesellschaft book series (GUG, volume 10)

Zusammenfassung

In den vorangegangenen Kapiteln meiner Arbeit stand die kritische Aufarbeitung der gegenwärtigen Diskussion über Sexualität und Macht im Mittelpunkt. Im folgenden werde ich einige Probleme, die oben andiskutiert wurden, nochmals bündeln und vertiefen. Alle hängen mit der grundlegenden Frage nach dem Verhältnis von »Geschlecht« und »Sexualität« zusammen. Ich habe gezeigt, daß eine Fokussierung auf jeweils eine Kategorie oder deren Hierarchisierung zu sehr unterschiedlichen — und letztlich vereinseitigenden — Entwürfen zur gesellschaftlichen Organisation von Sexualität führen.

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Literatur

  1. 1.
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  4. 4.
    zur Kritik Chodorows siehe u.a. Othmer-Vetter, R., “Muttern“ und das Erbe der Väter. Eine neuere Affäre zwischen Feminismus und Psychoanalyse, in: Feministische Studien, 2, 1989.Google Scholar
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  6. 6.
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  7. 7.
    Becker-Schmidt, R., Probleme einer feministischen Theorie und Empirie in den Sozialwissenschaften, in: Feministische Studien 2, 1985, S. 99.Google Scholar
  8. 8.
    Becker-Schmidt grenzt ihre These, daß Frauen und Männer Innen und Außen, Sexualität und Sinnlichkeit aufgrund ihrer Körperlichkeit unterschiedlich erleben, ein, indem sie betont, daß weibliche oder männliche Körperwahrnehmungen auch im jeweils anderen Geschlecht auftreten können. (a.a.O., S. 99 und Fußnote 16, S. 104). Dies ist m.E. ein Hinweis darauf, daß biologische oder morphologische Körperlichkeit einen geringeren Anteil am phantasmatischen Körpererleben haben, als oftmals angenommen wird. Andererseits verkennt eine Theorie, die das Unbewußte in Sprache auflöst und Körperfunktionen/-sensationen unberücksichtigt läßt, das Konfliktpotential eigenwilliger Körperlichkeit.Google Scholar
  9. 9.
    vgl. hierzu vor allem Irigaray, L., Zur Geschlechterdifferenz, Wien, 1987: „Bestimmte körperlich-sexuelle Erfahrungen von Männern werden nie die meinen sein, auch wenn ich von ihnen affiziert werde, an ihnen partizipiere, von ihnen Freude oder Schmerz erfahre. Ich könnte sie niemals so wie die Männer fühlen, imaginieren, sprechen.“, ebd. S. 70.Google Scholar
  10. 10.
    Die Historizität von Körperwissen und Körperbewußtsein hat eindrucksvoll Barbara Duden herausgearbeitet. Duden, B., Geschichte unter der Haut, Stuttgart, 1987.Google Scholar
  11. 11.
    Fast, Irene, Von der Einheit zur Differenz, Berlin 1991.Google Scholar
  12. 12.
    ebd.,S.112.Google Scholar
  13. 13.
    Auch für den Knaben nimmt Freud, aufgrund der Entdeckung des negativen ödipuskomplexes, eine bisexuelle Anlage an, wobei die Bisexualität des Jungen auf seinen Wunsch, vom Vater penetriert zu werden, beschränkt ist. Jedoch stellt das Postulat der männlichen Genitalität für beide Geschlechter (die sog. phallische Stufe) in der frühen Sexualentwicklung die Regel dar, die für die Erklärung der Entwicklung des Mädchen sehr viel größere Probleme aufwarf, als für den Jungen, was Freud auch sah. Fast geht an anderer Stelle ihres Buches auf die, wie sie sagt, konkurrierenden Versionen männlicher Geschlechtsentwicklung in Freuds Theorie ein, vgl., a.a.O., S. 40ff.Google Scholar
  14. 14.
    Benjamin, J., Die Fesseln der Liebe, Frankfurt am Main, 1990, S. 120. Benjamin betont weiter das Mißlingen dieser notwendigen Identifikationen unter patriarchalen Bedingungen, da gerade dem Mädchen die Identifikation mit dem Vater verweigert wird, da dieser dem Mädchen nicht die Unterstützung gibt, die es eigentlich bräuchte. Becker-Schmidt/ Knapp zitieren aus Simone de Beauvoirs „Memoiren einer Tochter aus gutem Haus“, in der diese Verweigerung im Rückblick — und auf eine spätere Lebensphase verschoben — schmerzhaft ausdrückt wird. Becker-Schmidt, R., Knapp, G.-A., Geschlechtertrennung-Geschlechterdifferenz, Bonn, 1987, S. 118ff.Google Scholar
  15. 15.
    So arbeitet Fast sehr stark mit Begriffen wie geglückte oder verfehlte Entwicklung der Geschlechterdifferenzierung, die eng mit gelungener oder mißlungener Identität verbunden sind. Sie legt ein Schwergewicht auf mißglückte Identitätsentwicklungen, die sie in Borderline-Symptomen und Psychosen als gegeben sieht. Ohne hier die Leiden, die mit solchen Störungen verbunden sind, leugnen zu wollen oder eine Glückseligkeit der NichtIdentität zu unterstellen, halte ich es doch für angebracht, die Schwierigkeiten der Identitätsausbildung auch im Zusammenhang mit den Identitätszwängen in dieser Gesellschaft in Verbindung zu denken, deren Rigidität jede Abweichung als pathologisch erscheinen läßt. Diese Zwänge sind nicht auschließlich an die patriarchale Geschlechtertrennung geknüpft.Google Scholar
  16. 16.
    Becker-Schmidt, R., Von Jungen, die keine Mädchen und von Mädchen, die gerne Jungen sein wollten. Geschlechtsspezifische Umwege auf der Suche nach Identität, a.a.0, S. 231.Google Scholar
  17. 17.
    Freud, S., Die endliche und unendliche Analyse, GW XVI, Frankfurt a. Main, S.99.Google Scholar
  18. 18.
    So konstatiert Becker-Schmidt, ausgehend von einer empirischen Untersuchung, daß Männer — im Gegensatz zu Frauen — sich nicht an Wünsche, dem anderen Geschlecht anzugehören zu wollen, erinnern. Becker-Schmidt, R., Von Jungen, die keine Mädchen und von Mädchen, die gerne Jungen sein wollten. Geschlechtsspezifische Umwege auf der Suche nach Identität, a.a.O.Google Scholar
  19. 19.
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  20. 20.
    ebd., S. 611.Google Scholar
  21. 21.
    ebd., S. 611.Google Scholar
  22. 22.
    „Am Punkt der Anrufung des Namen-des-Vaters (...) kann also im Anderen schlicht und einfach ein Loch antworten, daß durch das Fehlen der Metapherwirkung ein Loch hervorruft, das dem Platz der phallischen Bedeutung entspricht.“ Lacan. J., Schriften II, Olten S.91.Google Scholar
  23. 23.
    Freud, S., Die infantile Sexualorganisation, in: GW XIII, Frankfurt am Main, 1940, S. 296.Google Scholar
  24. 24.
    Laplanche, J., Pontalis, J.B., a.a.O., S. 611.Google Scholar
  25. 25.
    Freud, S., Das Medusenhaupt, in: GW XVII, Frankfurt am Main, 1941, S. 49.Google Scholar
  26. 26.
    Freud, S., Die infantile Genitalorganisation, a.a.O., S. 298.Google Scholar
  27. 27.
    Lerner, H.E., Fehlbenennungen des weiblichen Genitals, in: Psyche 34, S. 1104.Google Scholar
  28. 28.
    vgl. hierzu auch Flaake, K., Es besser machen als die eigene Mutter. Mütter — Töchter — Sexualität., in: Nuber, U. (Hg), Wir wollten alles.was haben wir nun? Eine Zwischenbilanz der Frauenbewegung, Zürich, 1993.Google Scholar
  29. 29.
    In diesem Zusammenhang sind auch Luce Irigarays u.a. Anstrengungen um eine Symbolisierung weiblicher Sexualität und Genitalität zu erwähnen. Paula Bennent weist darüber hinaus auf die Repräsentationen von Vulva und Klitoris in den literarischen Entwürfen von Frauen im 19. Jahrhundert hin. Sie zeigen, daß das weibliche Genitale auch in unserer symbolischen Ordnung durchaus repräsentierbar ist und auch repräsentiert wurde. „Women are not necessarily ‘invisible’ within our system of representation nor are their genitals definitionally without signifying power. That women (like members of other minoritized and colonized groups) nevertheless experience themselves as invisible or ‘lacking’ seems beyond dispute. The causes of this lack are political, however, and they can be changed. In moving to change them, like Spivak I can think of no better place to begin than with a construction of female sexuality that takes the clitoris centrally into account.“ Bennent, P., Critical Clitoridectomy: Female Sexual Imagery and Feminist Psychoanalytic Theory, in: Signs, 1993, vol. 18, no. 2, S. 256f.Google Scholar
  30. 30.
    MacCannell, D., MacCannell, J.F., Violence, power and pleasure: a revisionist reading of Foucault from the victim perspective, in: Ramazanoglu, C., (ed), Up Against Foucault, New York, 1993.Google Scholar
  31. 31.
    Poluda-Korte, E.S., Identität im Fluß. Zur Psychoanalyse weiblicher Adoleszenz im Spiegel des Menstruationserlebens, in: Flaake, K., King, V., Weibliche Adoleszenz, Frankfurt a. Main, 1992, S. 147–165; Poluda-Korte stellt jedoch die biologische Geschlechterdifferenz als prästabilisierende Komponente nicht in Frage, und letztlich auch nicht die Ableitung spezifischer weiblicher Wünsche — sie nennt Hingabe, Fruchtbarkeitsgelüste — aus diesen biologischen Determinanten. So stellt sich ihr der Konflikt adoleszenter Mädchen als ein Konflikt zwischen Beruf und Geschlechtsidentität dar, der sich vorwiegend daran entzündet, daß Berufstätigkeit als Hindernis zur Erfüllung von spezifisch weiblichen Triebwünschen erlebt wird. Diese Interpretation widerspricht m.E. ihrer anfänglich sensiblen Analyse der prinzipiellen Offenheit der geschlechtlichen Entwicklung.Google Scholar
  32. 32.
    ebd., S. 147.Google Scholar
  33. 33.
    ebd., S. 156.Google Scholar
  34. 34.
    Flaake, K., King, V., Weibliche Adoleszenz, a.a.O.Google Scholar
  35. 35.
    Hagemann-White, C., Gewalt gegen Frauen. Forschungsstand und Schlußfolgerungen. Referat, gehalten auf dem Fachkongreß „Gewalt gegen Frauen. Ein Thema für Männer“, Bonn, 10.12.1993, Informationen des Bundesministeriums für Frauen und Jugend.Google Scholar
  36. 36.
    Butler, J., Bodies that mattter, New York, 1993, S. 111,.Google Scholar
  37. 37.
    Zum Verhältnis von sexueller Identität und Geschlechtsidentität sowie deren Inkonstanz siehe: Rust, P.C., „Coming Out“ in the age of social constructionism: Sexual Identity Formation among Lesbian an Bisexual Women, in: Gender & Society, Vol. 7, No. 1, March 1993.Google Scholar
  38. 38.
    Wird einerseits in psychoanalytischen Theorien stets davon ausgegangen, daß die Geschlechtsentwicklung unsicher und gefährdet ist, wird andererseits bei der Erklärung dieser Entwicklung häufig von idealtypischen Mutter-und Vaterfiguren ausgegangen, deren gelungene Geschlechtsdifferenzierung außer Frage zu stehen scheint, so zum Beispiel bei Chodorow. Uneindeutige Elternfiguren erscheinen dagegen als Quelle von Perversion, so zum Beispiel bei Stoller. Der psychoanalytischen These der generellen Gefährdung der Geschlechtsidentität folgend, müßte generell von instabilen Geschlechtsidentitäten der Elternfiguren ausgegangen werden.Google Scholar
  39. 39.
    Desirat, K., Die Problematik der weiblichen Geschlechtsrollendifferenzierung am Beispiel der transssexuellen Frau, Dissertation, Universität Hannover, 1982.Google Scholar
  40. 40.
    Übernommen von Heath, Stephen „Joan Riviere and the masquerade“, in: Bürgin, U. u.a., Formations of Fantasy, London, 1986.Google Scholar
  41. 41.
    Aufschlußreich ist hierzu Margaret Jacksons Text über Sexratgeber und deren Rolle bei der Konstruktion von Heterosexualität. Jackson, M., Facts of life or the eroticization of women’s oppression? Sexology and the social construction of heterosexuality, in: Kaplan, Pat, The social Construction of Sexuality, Tavistock Publ. Ltd., 1987.Google Scholar
  42. 42.
    so schreibt Cucchiari, daß das Bemühen, die Geschlechterhierarchie zu erklären, die Existenz von Gendersystemen voraussetzt, obwohl diese erst zu erklären wäre. Damit sind diese Ansätze Theorien der Reproduktion der Geschlechterhierarchie., Cucchiari, S., The gender revolution and the transition from bisexual horde to patrilocal band, in: Ortner, S.B., Whitehead, H., (eds), Sexual meanings, Cambridge, New York, 1981, S. 40.Google Scholar
  43. 43.
    Schlegel, A., Gender Meanings: General and specific, in Sanday, P.R., Goodenough, R.H., Beyond the second sex: New Directions in the Anthropology of Gender, Philadelphia, 1990, S.21.Google Scholar
  44. 44.
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    Lightfoot-Klein, H., Das grausame Ritual, Frankfurt am Main, 1992, S. 301.Google Scholar
  46. 46.
  47. 47.
    ebd., S. 41f.Google Scholar
  48. 48.
    ebd., S. 108.Google Scholar
  49. 49.
    Mit „Islamisierung“ meine ich die politische Durchsetzung einer spezifischen Form des Islams, die eng mit einer Geschlechtersegregation einhergeht und Frauen weitgehend aus der öffentlichen Sphäre auszuschließen sucht. Diese Form des Islams normiert die sexuellen Beziehungen zwischen den Geschlechtern und legt vor allem Frauen eine strenge Sexualmoral auf. Daß dies nur eine spezifische Form des Islams ist und nicht die einzig mögliche, zeigen vor allem die Arbeiten muslimischer Wissenschaftlerinnen.Google Scholar
  50. 50.
    Dinslage, S., Mädchenbeschneidung in Westafrika, Hohenschäftlarn, 1981, S. 71ff.Google Scholar
  51. 51.
    Der Begriff „kulturelles Patchwork“ ist der Arbeit der „Berliner Sudangruppe“ entnommen, deren Forschungsansatz versucht, einen poststrukturalistischen Blick für die Ethnographie fruchtbar zu machen. Vgl. Kramer, F.W., Patchwork, Zwischen Struktur und Anomie, in: Kramer, F.W., Streck, B., Sudanesische Marginalien, München, 1991. Ich möchte die — nicht nur für die Untersuchung fremder Völker-Schwierigkeit, mit dem Problem der zeitlichen Verortung des Beobachteten umzugehen, anhand der Überlegungen des Autors hier festhalten: „Das sog. ethnographische Präsens ist vielleicht das vertrackteste Tempus, in das sich die Verben moderner Sprachen konjugieren lassen. Während das historische Präsens nur der Anschaulichkeit der Darstellung dient und nie darüber hinwegtäuscht, daß der Text von der Vergangenheit handelt, scheint das ethnographische Präsens jede Art von geschichtlicher Zeit überhaupt zu verleugnen. Und in gewisser Hinsicht ist das unvermeidlich; denn obwohl der Ethnograph sein Material innerhalb eines begrenzten Zeitraumes sammelt, beschreibt er Verhältnisse, von denen wir mit Fug und Recht annehmen, daß sie vorher so oder so ähnlich beschaffen waren und auch in der Zukunft Bestand haben werden. Andererseits steigt bekanntlich niemand zweimal in den selben Fluß. Selbst der hartgesottenste Strukturalist muß zugeben, daß soziale Strukturen sich im Wechsel der Generationen oder sogar schon mit dem Älterwerden einer bestimmten Generation verändern. Daß die Betroffenen, zumal in schriftlosen Gesellschaften, in der die Überlieferung unwillkürlich angepaßt und unwidersprochen manipuliert werden kann, davon oft kein Bewußtsein haben, gibt uns kein Recht dazu, den objektiven Wandel, sofern wir ihn vermitteln oder vermuten, außer Acht lassen oder gar verleugnen. Trotzdem wird das ethnographische Präsens durch das Fehlen eines im engeren Sinn historischen Bewußtseins in der beschriebenen Gesellschaft wenigstens zum Teil legitimiert. Denn deren Selbstverständnis, nämlich der Annahme konstanter Verhältnisse, wäre es ja auch nicht angemessen, wenn man umgekehrt Veränderungen, deren Tragweite sich nur schwer abschätzen lassen, als historische Ereignisse und Epochenschwellen behandeln wollte.“ ebd., S. 123f.Google Scholar
  52. 52.
    Boddy, J., Womb as a oasis: the symbolic context of pharaonic circumcision in rural northern Sudan, in: American Ethnologist, 9(4), Washington, 1982, S. 688. Außerdem verwandte Literatur: Fluehr-Lobban, C., Agitation for change in the Sudan, in: Schlegel, A., (ed) Sexual stratification, New York, 1977.CrossRefGoogle Scholar
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  54. 53.
    Boddy, I., Womb as a oasis, a.a.O., S. 683.Google Scholar
  55. 54.
    ebd., S. 691.Google Scholar
  56. 55.
    ebd., S. 695.Google Scholar
  57. 56.
    „Through it they emphasize what they hold to be the essence of feminity: morally appropriate fertility, the potential to reproduce the lineage or to found a lineage section, (...) it socializes or, if the phrase is permitted, culturalizes a woman’s fertility.“, ebd., S. 695.Google Scholar
  58. 57.
    Baumann, H., Das doppelte Geschlecht: Studien zur Bisexualität in Ritus und Mythos, Berlin, 1955, 1986, S. 89 Baumann hat eine ganze Reihe solcher Vorstellungen und Praktiken zusammengetragen, die die Anstrengung vieler Völker, aus nicht geschlechtlich eindeutigen Individuen distinkte Frauen und Männer zu machen, belegen. Dazu zählen neben den erwähnten Körperpraktiken Kleiderwechsel, ritueller und institutionalisierter Geschlechtswechsel und Mythen, die bisexuelle Gottheiten zugrundelegen. Baumann spricht von einem Sieg des (Geschlechts)Antagonismus über die zugrundeliegenden bisexuellen Vorstellungen.Google Scholar
  59. 58.
    Epelboin, S./Epelboin, A., Special Report: Female Circumcision. People, 6(1), S. 24–29, zitiert in Lightfoot-Klein, Das grausame Ritual, a.a.O., S. 55.Google Scholar
  60. 59.
    Ein Volk, das im Sudan an der Grenze zu Äthiopien lebt.Google Scholar
  61. 60.
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  62. 61.
    Godelier, M., Die Produktion der großen Männer, Frankfurt am Main, 1987.Google Scholar
  63. 62.
    Dux, G., Die Spur der Macht im Verhältnis der Geschlechter, Frankfurt am Main, 1992.Google Scholar
  64. 63.
    für die erste Position siehe MacCannell, D., MacCannell, J.F., Violence, power and pleasure: a revisionist reading of Foucault from the victim perspective, in: Ramazanoglu, C., Up Against Foucault, Routledge, New York, 1993. Für die letztere Position siehe meine Ausführungen zum Mechanismus der Verwerfung.Google Scholar
  65. 64.
    Whitehead, H., The bow and the burden strap: a new look at institutionalized homosexuality in native North Amerika, in: Ortner, S.B., Whitehead, H., Sexual Meanings, a.a.0.Google Scholar
  66. 65.
    Wohingegen es in unserer Gesellschaft die Berufe sind, die ihr Geschlecht wechseln. Aber auch bei uns sind Reste dieser Vorstellung vorhanden, wenn davon die Rede ist, daß Frauen in bestimmten Berufen, die Männern vorbehalten sind, „vermännlichen“ können.Google Scholar
  67. 66.
    Die Untersuchung der Baruyas durch Godelier stellt diesen Zusammenhängen breiten Raum zur Verfügung. Godelier, M., Die Produktion der großen Männer, a.a.O. Wie Godelier zugibt, sind seine Erkenntnisse über die weibliche Sozialisation sehr gering, da ihm die Frauen der Baruyas ihre Riten nur bruchstückhaft mitgeteilt haben.Google Scholar
  68. 67.
    So können Gemeinschaften, die neben der Trennung der Geschlechter nicht auch ihre Vereinigung sicherstellen, in ihrer Existenz bedroht werden. Ein Beispiel dafür ist Sparta, wo die kriegsbedingte Trennung der Geschlechter sowie deren Auseinanderleben die Bevölkerung drastisch schrumpfen ließ und damit die Vormachtstellung Spartas bedrohte. Vgl. Pomeroy, S.B., Frauenleben im klassischen Altertum, Stuttgart, 1985.Google Scholar
  69. 68.
    Tyrell kommt mit seiner Analyse, daß es hier mit monokausalen Erklärungen nicht getan sei, diesen Unterscheidungen sehr nahe. Er trennt jedoch nicht zwischen den divergierenden Zielsetzungen und erkennt deren Gegenläufigkeit nicht. So benennt er einerseits die Sexualität als Anziehungskraft der Geschlechter, sieht aber andererseits die Anziehungskraft des „Gleichen“. In seinem Bemühen, die Konstruktion der Geschlechterdifferenz außerhalb von Machtbeziehungen zu klären, ist es ihm nicht möglich, über eine vage Aufzählung unterschiedlicher Faktoren hinauszugehen. Besonders deutlich wird diese Schwäche in seiner Auffassung, daß Binarität eine positive Funktion für das Funktionieren von Gesellschaften hat: zuvor hat Tyrell jedoch anhand der nichtbinären Flexibilität von Primatenhorden, die ihre „Geschlechterrollen“ den Umwelterfordernissen anpassen, deren evolutionäre Überlegenheit betont. Tyrell, H., Überlegungen zur Universalität geschlechtlicher Differenzierung, in: Martin, J., Zoepffel, R., Aufgaben, Rollen und Räume von Frau und Mann, Freiburg 1989.Google Scholar
  70. 69.
    Harding, S., Why has the sex/gender system become visible only now?, in: Harding, S. Hintikka, M.B., Discovering reality, New York, 1983.Google Scholar
  71. 70.
    Die Diskrepanz zwischen Geschlechterliebe und Geschlechterungleichheit hat z.B. Dux zum Ausgangspunkt seiner Untersuchung zu Macht und Geschlecht genommen. Wenn ich seinen Thesen auch nicht zustimme (Dux geht von der biologischen Determination des Unterschieds zwischen den Geschlechtern sowie von einer natürlichen heterosexuellen Orientierung aus), ist doch zu beachten, daß die Ungleichheit auch zu Feindseligkeiten zwischen den Geschlechtern führt, die dem Ziel — der heterosexuellen Gemeinschaft und der Reproduktion — entgegenstehen. Vgl., Dux, G., Die Spur der Macht im Verhältnis der Geschlechter, a.a.O.Google Scholar
  72. 71.
    vgl. Gerhard, U., Patriarchatskritik als Gesellschaftsanalyse. Ein nicht erledigtes Projekt. In: Arbeitsgemeinschaft Interdisziplinärer Frauenforschung und-Studien (Hg.), Feministische Erneuerung von Wissenschaft und Kunst, Pfaffenweiler, 1990.Google Scholar
  73. 72.
    Beer, U., Geschlecht, Struktur, Geschichte, Frankfurt am Main, 1990, S. 12.Google Scholar
  74. 73.
    Becker-Schmidt, R., Geschlechterdifferenz — Geschlechterverhältnis: soziale Dimensionen des Begriffs „Geschlecht“, in: Zeitschrift für Frauenforschung, 1+2, 1993, S. 44.Google Scholar
  75. 74.
    Beer, U., Geschlecht, Struktur, Geschichte, a.a.O., S. 147.Google Scholar
  76. 75.
    Beer, U., Geschlecht — Klasse — Struktur, in: Hauch, G. (Hg), Geschlecht — Klasse-Ethnizität. 28. Internationale Tagung der Historiker und Historikerinnen der Arbeiterbewegung, Wien, Zürich, 1993,S. 19.Google Scholar
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    ebd., S. 20.Google Scholar
  78. 77.
    vgl. Braun, K., Gewerbeordnung und Geschlechtertrennung. Klasse, Geschlecht und Staat in der frühen Arbeitsschutzgesetzgebung, Baden-Baden, 1993, S. 33f.Google Scholar
  79. 78.
    Beer, U., Geschlecht, Struktur, Geschichte, a.a.O, S. 275, Hervorhebung C.O.Google Scholar
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  81. 80.
    z. B. Laqueur, T., Auf den Leib geschrieben, Die Inszenierung der Geschlechter von der Antike bis Freud, Frankfurt am Main, 1992; Moscucci, O., The science of woman. Gynaecology and gender in England, 1800–1929, Cambridge History of Medicine, Cambridge University Press, 1990; Honegger, C., Die Ordnung der Geschlechter, Frankfurt am Main, 1991.Google Scholar
  82. 81.
    vgl. hierzu Moscucci, O., The science of woman. Gynaecology and gender in England, 1800–1929, a.a.O., vor allem S. 7–36.Google Scholar
  83. 82.
    vgl. Beer, U., Geschlecht, Struktur, Geschichte, a.a.O., S. 245ff.Google Scholar
  84. 83.
    Ich beziehe mich hier und im weiteren auf die Analyse von Paul Weindling, Health, race and german politics between national unification and Nazism, 1870–1945, Cambridge History of Medicine, Cambridge University Press, 1989 übersetzungen von mir.Google Scholar
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    „Although the population continued to rise, the birth rate fell by 70% between 1871 and the 1930s. There followed an emotive campain to raise the birth rate with idealization of motherhood, of large families as ‘child rich ‘and of nationalist appeals that Germany was a “nation without youth“. „Weinling, P., Health, race..., a.a.O., S. 189.Google Scholar
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    Weindling zeigt, daß es vor allem die mangelnden Verordnungen über die Sterilität von Milch waren, die Flaschennahrung in Deutschland so gefährlich machte. In Frankreich wurden sehr bald nach Entdecken des Zusammenhangs zwischen Flaschenstillung und Säuglingssterblichkeit Verordnungen über Flaschengrößen und Milchsterilität erlassen. In Deutschland blieb dies aus. Weindling, P, Health, Race., a.a.O., 199f. Weindling bezeichnet diese staatliche Zurückhaltung als gewollt: „The state sought to impose a nationalist ideology of motherhood by ignoring demands for purer milk while concentrating on breast feeding as a panacea for physical, moral and social ills.“, ebd, S. 197f.Google Scholar
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Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1998

Authors and Affiliations

  • Cornelia Ott

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