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Entwicklungslinien und Schwerpunkte in US-amerikanischen Analysen von Sexualität als Macht- und Herrschaftszusammenhang

  • Cornelia Ott
Part of the Geschlecht und Gesellschaft book series (GUG, volume 10)

Zusammenfassung

„Ich möchte einen Weg in Richtung einer neuen Ökonomie der Machtverhältnisse vorschlagen, der empirischer und direkter auf unsere gegenwärtige Situation bezogen ist, und der mehr Beziehungen zwischen Theorie und Praxis umfaßt. Sein Ausgangspunkt sind die Formen des Widerstandes gegenüber den verschiedenen Machttypen. Metaphorisch gesprochen heißt das, den Widerstand als chemischen Katalysator zu gebrauchen, mit dessen Hilfe man die Machtverhältnisse ans Licht bringt, ihre Positionen ausmacht und ihre Ansatzpunkte und Verfahrensweisen herausbekommt.“1

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Literatur

  1. 1.
    Foucault, M., Das Subjekt und die Macht, a.a.O., S. 245.Google Scholar
  2. 2.
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  3. 3.
    Rich, B.R., Feminism and sexuality in the 1980s, S. 531, in: Feminist Studies 12, no. 3, Fall 1986.Google Scholar
  4. 4.
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  5. 5.
    Sie entwickelt diese These anhand Genets Beschreibungen des homosexuellen Milieus; Millet, K., Sexus und Herrschaft, Frankfurt am Main, 1971, S. 33.Google Scholar
  6. 6.
    Stoller, R.J., Sex and Gender, New York, 1968.Google Scholar
  7. 7.
    Millet, K., a.a.O., S. 90.Google Scholar
  8. 8.
    Millet, K., a.a.O., Fußnote S. 39.Google Scholar
  9. 9.
    Eine ähnliche Auffassung vertritt Toril Moi in ihrer literaturtheortischen Kritik an Millet, in: Moi, T., Sexus, Text, Herrschaft: Feministische Literaturkritik, Bremen, 1989, S. 38f.Google Scholar
  10. 10.
    Millet, K., a.a.O., S. 88.Google Scholar
  11. 11.
    Brownmiller, S., Gegen unseren Willen, Frankfurt am Main, 1978.Google Scholar
  12. 12.
    Firestone, S., Frauenbefreiung und sexuelle Revolution, Frankfurt am Main, 1975, S. 18.Google Scholar
  13. 13.
    ebd., S. 212f.Google Scholar
  14. 14.
    ebd., S. 69.Google Scholar
  15. 15.
    Mitchell, J., Psychoanalyse und Feminismus, Frankfurt am Main, 1976, S. 407.Google Scholar
  16. 16.
    Rich, B.R., Feminism and Sexuality in the 1980s, in: a.a.O., Creet, J., Daughter of the movement: The Psychodynamics of Lesbian S/M Fantasy, in: differences: a Journal of feminist Cultural studies, 3.2, 1991.Google Scholar
  17. 17.
    King, K., Producing Sex, Theory, and Culture: Gay/Straight Remappings in Contemporary Feminism, in: Hirsch, M., Keller E.F., (eds), Conflicts in Feminism, New York, 1990.Google Scholar
  18. 18.
    So bei Rubin, G. in: Thinking Sex: Notes for a Radical Theory of the politics of Sexuality, in: Vance, C.S., (ed), Pleasure and Danger, Boston, London, Melbourne, 1984; weniger drastisch bei Freccero, C., Notes of a post-Sex Wars Theorizer, in: Hirsch, M., Keller E.F. (eds), a.a.O., ebenfalls Gegenstand der Untersuchung von Rich, B. R., a.a.O.Google Scholar
  19. 19.
    Pally, M., Szenen eines Bildersturms, in: DIE ZEIT, 10.7.1992; Paglia, C., Die Masken der Sexualität, Berlin, 1992.Google Scholar
  20. 20.
    Mit den Begriffen hate speech und hate crimes wird versucht, Grundlagen für Gesetzesvorlagen zu schaffen, die es erlauben, diskriminierende äußerungen und tätliche Angriffe auf Minoritäten entsprechend zu verfolgen. In den USA ist ersteres nicht strafbar, weil es unter das Recht zur freien Meinungsäußerung fallt und nicht, wie beispielsweise in der BRD, als Volksverhetzung geahndet werden kann. Die Einführung des Straftatbestandes hate crimes soll eine schärfere Bestrafung solcher Verbrechen ermöglichen, die bisher als „Affekttaten“ mildernde Umstände einklagen konnten. Auf einer von der Universität von Chicago veranstalteten Konferenz trafen sich im März 1993 rund 600 Vertreterinnern unterschiedlicher Gruppen und aus unterschiedlichen Fachgebieten, um über Pornographie, hate crimes und hate speech zu konferieren. Siehe dazu: „Meinungsfreiheit, die Schweigen erzwingt“, taz, 22.3.1993; Speech, Equality and Harm, in: Off our Backs, Vol. 13, Nr. 4, April 1993; kritisch zu hate speech und hate crime siehe die taz, 29.8.92, S.13.Google Scholar
  21. 21.
    MacKinnon, C., Toward a feminist theory of the state, Cambridge, MA, 1989; Dworkin, A., Pornographie: Männer beherrschen Frauen, Frankfurt am Main, 1990.Google Scholar
  22. 22.
    MacKinnon, C., Toward a feminist theory of the state, a.a.O., S. 137.Google Scholar
  23. 23.
    MacKinnon, C., Feminism Unmodified, Harvard College, 1987, S. 127ff.Google Scholar
  24. 24.
    Es ist bis heute umstritten, ob es sich bei diesen Filmen um reale oder gestellte Mordszenen handelt. Tatsache ist jedoch, daß die Filme die Ermordung von Frauen zum Zwecke der sexuellen Erregung und Befriedigung zeigen.Google Scholar
  25. 25.
    MacKinnon, C., Toward a feminist theory of the state, a.a.O., S. 170.Google Scholar
  26. 26.
    MacKinnon, C. zitiert im Bericht über die Konferenz „Speech, Equality and Harm“, die vom 5.–7. 3. 1993 an der University of Chicago Law School stattfand. In: Off our backs, April 1993, S. 4–5 und 12–20.Google Scholar
  27. 27.
    Valverde, M., Beyond Gender Dangers and Private Pleasures: Theory and Ethics in the Sex Debates, in: Feminist Studies, 15, No. 2, Summer 1989, S. 252.Google Scholar
  28. 28.
    Eine Auswertung dieser Untersuchungen legt Selg vor. Tatsächlich belegen die meisten klinischen Untersuchungen, daß zwischen der Konsumierung von Pornographie und aggressiven/diskriminierenden Handlungsabsichten (!) kein Zusammenhang besteht. Allerdings kommen Feshbach und Malamuth zu dem Ergebnis, daß vor allem die Verbindung von Sex und Gewaltszenen aggressives Verhalten hervorruft. Sie weisen auch darauf hin, daß die Verbindung von sexueller Lustentladung mit Gewaltdarstellungen zu einer erotischen Aufladung von Gewalt führen kann. Selg, H., Pornographie. Psychologische Beiträge zur Wirkungsforschung, Bern 1986; Feshbach, S., Malamuth, N., Sex und Gewalt, in: Psychologie heute, Februar 1979, und diess., Jaffree, Y., Sexual Arousal and Aggression: Recent Experiments and Theoretical Issues, in: Journal of social Issues, Vol. 33, No. 2, 1977.Google Scholar
  29. 29.
    Die S/M Diskussion in der feministischen Bewegung verlief hauptsächlich zwischen lesbischen Frauen. So die Samois Gruppe, die mit ihrer Veröffentlichung: Coming to power: Writings and graphics on Lesbian S/M, Boston, Alyson Publications, 1982, für erheblichen Wirbel sorgte und mit ihrem Eintreten für sadomasochistische Praktiken den Entwurf der sadomasochistischen Zwangsheterosexualität in Frage stellten. Als Reaktion erschien wenig später: Against Sadomasochism, A Radical Feminist Analysis, Linden, R.H. u.a., East Palo Alto, Calif., Frog in the Well Press, 1982. Dokumentiert und analysiert in: Rich, B.R., a.a.O. S/M Praxen heterosexueller Frauen wurden nicht thematisiert (vielleicht, weil im theoretischen Rahmen der sadomasochistischen Heterosexualität eine solche Thematisierung überflüssig erscheint).Google Scholar
  30. 30.
    Pally, M., Aus den Augen, aus der Welt, taz, 30.1.93.Google Scholar
  31. 31.
    Vgl. dazu: Rich, B.R., a.a.O.Google Scholar
  32. 32.
    Echols, A., The new feminism of Yin and Yang, in: Snitow, A., Stansell, C., Thompson, S. (eds), Powers of Desire, Monthly Review Press, New York, 1983, S. 455.Google Scholar
  33. 33.
    Diese Entwicklung korrespondiert mit der Popularität des Kommunitarismus in den USA, der sich außerhalb der klassischen Rechts-Links Lager definiert und sich als alternative Politik empfiehlt.Google Scholar
  34. 34.
    Der Begriff „Identität“ wird in der vorherrschenden anglo-amerikanischen Theoriebildung sowie in der mehr im gesellschaftlichen Raum verankerten Ich-Psychologie kaum problematisiert. Eine Kritik dieses Begriffs, wie sie z.B. die Kritische Theorie vorgelegt wurde, ist im USamerikanischen Raum lange Zeit nicht geleistet worden. Es ist vielmehr — besonders seit den politischen Kämpfen der Bürgerrechtsbewegungen — die Tendenz vorherrschend, „Identität“ als Kampfbegriff gegen eine Gesellschaft anzuführen, die nur eine Identität, die des weißen, mittelständigen, männlichen Amerikaners anerkennt. „Identität“ bezeichnet gerade in den politischen Kontexten nicht vorherrschend das Ergebnis eines sozialisatorischen Prozesses, sondern die Behauptung und Durchsetzung von Verschiedenheit. Identity politics stehen damit nicht für eine Kritik der Identitätslogik oder der Normen, die zu einem Identitätszwang führen, sondern für den Kampf um Anerkennung von gesellschaftlichen Gruppen, denen eine „Identität“ abgesprochen wurde. Erst auf diesem Hintergrund ist zu verstehen, daß „Identität“ auch von der Frauenbewegung und in der Frauenforschung erst in jüngster Zeit — gefördert gerade durch die Theorien der Dekonstruktion — problematisiert wird.Google Scholar
  35. 35.
    Philipson, Ilene, The Repression of History and Gender: A Critical Perspective on the Feminist Sexuality Debate, in: Signs, 1984, vol. 10, no. 1, S. 113–118.CrossRefGoogle Scholar
  36. 36.
    Ich beziehe mich hier auf Lewis Aarons Interpretation der Urszene. Aaron, L., Die interna-lisierte Urszene, in: Benjamin, J., Unbestimmte Grenzen. Beiträge zur Psychoanalyse der Geschlechter, Frankfurt am Main, 1994, bes. S. 36ff.Google Scholar
  37. 37.
    Foucault, M., Die Ordnung des Diskurses, Frankfurt am Main, 1991, vor allem S. 37.Google Scholar
  38. 38.
    Rich, A., Zwangsheterosexualität und lesbische Existenz, in List, E/ Studer, H., (Hg) Denkverhältnisse. Feminismus und Kritik, Frankfurt am Main, 1989, S. 263.Google Scholar
  39. 39.
    Rich, A., Zwangsheterosexualität und lesbische Existenz, in List, E/ Studer, H., (Hg) Denkverhältnisse. Feminismus und Kritik, Frankfurt am Main, 1989, S. 254f.Google Scholar
  40. 40.
    Rich, A., Zwangsheterosexualität und lesbische Existenz, in List, E/ Studer, H., (Hg) Denkverhältnisse. Feminismus und Kritik, Frankfurt am Main, 1989, S. 251.Google Scholar
  41. 41.
    Rich, A., Zwangsheterosexualität und lesbische Existenz, in List, E/ Studer, H., (Hg) Denkverhältnisse. Feminismus und Kritik, Frankfurt am Main, 1989, S. 265.Google Scholar
  42. 42.
    Rich führt dies nicht weiter aus, da sie jedoch auf Chodorow rekurriert, ist anzunehmen, daß auch Rich davon ausgeht, daß die spezifische Bedeutung von Separation und Autonomie in der frühkindlichen Entwicklung von Jungen das spätere Sexualverhalten weitgehend beeinflußt. In diese Richtung geht auch Benjamin in einem frühen Essay, indem sie nahelegt, daß Sadismus ein solchermaßen erworbenes männliches Sexualverhalten sein kann. Benjamin, J., Herrschaft-Knechtschaft: Die Phantasie der erotischen Unterwerfung, in List, E./Studer, H., Denkverhältnisse, a.a.O.Google Scholar
  43. 43.
    Diese Unterscheidung zwischen Geschlechtsrolle und anatomischem Geschlecht war für die Radikalen Feministinnen sehr wichtig. So betont z.B. Koedt in Auseinandersetzung mit lesbischen und heterosexuellen Frauen: „Thus again the crucical point is not the sex of your bed partner but the sex role of your bed partner.“, aus: Koedt, A., Lesbianismus and Feminism, in Koedt, A., Levine, E., Rapone, A., Radical Feminism, New York, 1972, S. 251.Google Scholar
  44. 44.
    Rich, A., a.a.O., S. 266.Google Scholar
  45. 45.
    Man könnte auch hinzufügen: sexophoben Tendenzen. Im Kontext dieser Arbeit wird zwangsläufig der Eindruck erweckt, daß alle mit dem Thema Sexualität beschäftigt sind, daß Sexualität für alle Individuen zu allen Zeiten ihres Lebens tatsächlich so immens wichtig und konfliktreich ist, wie dies u.a. die Medien etc. verbreiten. Ich möchte dies bezweifeln. Es ist aber andererseits gerade in einer Gesellschaft, in der „Königin Sex“ regiert, anzunehmen, daß Individuen ob dieses Druckes Ängste gegenüber Sexualität entwickeln, die sich auch in der Verleugnung der eigenen Sexualität — und der der anderen — ausdrücken können.Google Scholar
  46. 46.
    Daly, M., Gyn-Ökologie: Eine Meta-Ethik des radikalen Feminismus, München 1981; Chodorow, N., Das Erbe der Mütter, München, 1985; Hartsock, N.C.M., Money, Sex and Power, New York, 1983; Irigaray, L., Zur Geschlechterdifferenz, Wien, 1987.Google Scholar
  47. 47.
    Morgan, R., Going Too Far, New York, 1978, S. 93, zitiert in Echols, A., a.a.O., S. 449.Google Scholar
  48. 48.
    Sexualität wird in feministischen Entwürfen häufig als verbindende Energie, als „bonding energy“ definiert. Damit wird aber nur eine Seite von Lust erfaßt. Vgl. Ferguson, M., Blood at the roots — motherhood, sexuality and male dominance, London, 1989.Google Scholar
  49. 49.
    Creet, a.a.O., S. 145.Google Scholar
  50. 50.
    Mit der Verdeckung der Austauschprozesse zwischen Müttern und Töchtern beschäftigen sich italienische feministische Philosophinnen, deren Entwurf des „Affidamento“ auch hierzulande kontrovers diskutiert wurde. Ausgehend von den Thesen Luce Irigarays, entwik-keln sie ein Konzept der „sexuellen Differenz“, die, gerade durch eine Auseinandersetzung auch mit den konflikthaften Anteilen der Mutter-Tochter-Beziehung, in eine symbolische Ordnung eingeschrieben werden solle, die bislang männlich dominiert sei. Im Zentrum des ursprünglichen Modells der „sexuellen Differenz“ steht allerdings nicht eine biologische oder durch spezifisch weibliche Fähigkeiten hervorgebrachte Differenz, sondern eine Differenz, die durch den unterschiedlichen Zugang von Frauen und Männern zum Begehren entsteht. In späteren Entwürfen wurde allerdings eine biologistischere Fassung der „sexuellen Differenz“ vorgelegt. Interessanterweise scheint die Figur der „sexuellen Differenz“ in der US-amerikanischen Sexualitätsdebatte wieder an Einfluß zu gewinnen. Vgl.: Sotto Sopra, Mehr Frau als Mann, Sonderausgabe, Mailand, Januar 1983; Libreria delie donne di Milano, Wie weibliche Freiheit entsteht, Berlin, 1988; Diotima, Der Mensch ist zwei. Das Denken der Geschlechterdifferenz, Wien, 1989; kritisch dazu: Knapp, G.-A., Zur Theorie und politischen Utopie des „affidamento“, Feministische Studien, 9. Jg, Nr. 1, Mai 1991.Google Scholar
  51. 51.
    So führt z.B. David Lockwood das Argument der „üblichen heterosexuellen Beziehungen“ dazu an, um die Bedeutung der Kategorie Geschlecht in Theorien der sozialen Ungleichheit zu leugnen. Geschlecht sei keine Strukturkategorie, da eventuelle Ungleichheitslagen zwischen den Geschlechtern nicht sozialen, sondern „natürlichen“ Ursprungs seien. Lockwood, D., Class, Status, Gender, in: Crompton, R., Mann, M., Gender and Stratification, Polity Press, Cambridge, 1986, S. 15.Google Scholar
  52. 52.
    Die erst junge Entwicklung, daß alle Mitglieder einer Gesellschaft ein Recht haben zu heiraten, wird meist nur unter dem Aspekt der Erweiterung bürgerlicher Rechte gesehen, nicht aber als eine Form der Normierung und der gesellschaftlichen Strukturierung, die andere Möglichkeiten ausschließt.Google Scholar
  53. 53.
    vgl. Rubin, G., The Traffic in Women, in: Reiter, R.R. (Hg) Toward an anthropology of Women, London, 1975, S. 159 und S. 165. Alle folgenden Übersetzungen C.O.Google Scholar
  54. 54.
    Cockburn, C., Blockierte Frauenwege. Wie Männer Gleichheit in Institutionen und Betrieben verweigern, Hamburg, 1993, S. 14.Google Scholar
  55. 55.
    Rubin, G., The Traffic in Women, a.a.O., S. 180.Google Scholar
  56. 56.
    ebd., S. 177.Google Scholar
  57. 57.
    ebd., S. 175.Google Scholar
  58. 58.
    ebd., S. 192.Google Scholar
  59. 59.
    ebd., S. 189.Google Scholar
  60. 60.
    ebd., S. 204.Google Scholar
  61. 61.
    Einen phantasievollen Versuch, andere Strukturierungsprinzipien von Allianz zu verorten, legt Cucchiari vor: Cucchiari, S., The gender revolution and the transition from bisexual horde to patrilocal band, in: Ortner, S.B., Whitehead, H., (eds), Sexual meanings, Cambridge, New York, 1981.Google Scholar
  62. 62.
    vgl. hierzu: Weiss, F., Zur Kulturspezifik der Geschlechterdifferenz und des Geschlechterverhältnisses. Die Iatmul in Papua-Neuguinea, in: Becker-Schmidt, R., Knapp, G.-A., Das Geschlechterverhältnis als Gegenstand der Sozialwissenschaften, Frankfurt am Main, 1995. Weiss beschreibt hier Mythen, die die Möglichkeit des Geschlechtswechseis thematisieren. Sie sieht darin den Versuch, den Konflikt, der aus der „biologischen Geschlechtertrennung“ für die Menschen entsteht, zu bewältigen. Auch beobachtet sie rituelle Geschlechtswechsel, in die das Bedürfnis der Individuen, die Geschlechtertrennung zu unterlaufen, einfließt.Google Scholar
  63. 63.
    vgl. hierzu: Evans-Pritchard, E.E., Sexual inversion among the Azande, in: American Anthropologist, 1970; Whitehead, H., The bow and the burden strap: a new Look at institutionalized homosexuality in native North Amerika, in: Ortner, S.B., Whitehead, H., Sexual meanings, a.a.O.Google Scholar
  64. 64.
    Rubin stellt diese Frage nicht. Allerdings sieht Juliet Mitchell, die ebenfalls von Lacan und Levi-Strauss ausgeht, die Chance zu einer Veränderung darin, daß in der kapitalistischen Gesellschaft der Einfluß der Verwandtschaftssysteme zurückgedrängt wird und damit ein Raum entsteht, in dem sich neue Strukturen ausbilden können. Es bleibt aber auch bei Mitchell die Frage, ob sich solche neuen Strukturen nicht ebenfalls „hinter dem Rücken der Individuen“ etablieren. Immerhin löst Mitchell die überhistorische Perspektive, die Rubins Arbeit — entgegen ihrer eigenen Intention — inhärent ist, ein Stück weit auf. Mitchell, J., Psychoanalyse und Feminismus, a.a.O., S. 465ff.Google Scholar
  65. 65.
    Rubin, G., Thinking Sex: Notes for a Radical Theory of the politics of Sexuality, a.a.O., S. 307.Google Scholar
  66. 66.
    ebd., S. 308.Google Scholar
  67. 67.
    ebd., S. 276.Google Scholar
  68. 68.
    ebd., S. 277.Google Scholar
  69. 69.
    ebd., S. 293; Als aktuelles und bestätigendes Beispiel mag folgendes dienen: Im Zusammenhang mit der Aufhebung des Verbotes der Homosexualität in Irland wird der irische Senator David Norris mit seinem Kommentar zur Gesetzesänderung zitiert: „Es ist das erste Mal, daß ich mich in meinem Land als vollwertiger Bürger fühle.“ taz, 26.6.93, S. 9.Google Scholar
  70. 70.
    Diese andere Sichtweise auf Pornographie findet sich in Weeks, J., Sexuality and its discontents, London, 1985, S. 23. Er zitiert G. Talese, der den Herausgeber von Playboy, Hefner, als den Mann charakterisiert, der als erster damit reich wurde, daß er masturbatorische Liebe öffentlich vermarktet hat.Google Scholar
  71. 71.
    Rubin, G., Thinking sex, Notes for a Radical Theory of the politics of Sexuality, a.a.O., S. 302.Google Scholar
  72. 72.
    ebd., S. 278.Google Scholar
  73. 73.
    Word, J., The nature of Heterosexuality, S. 145, 147, in: Handscombe, G./ Humphries, M.,(eds) Heterosexuality, London, 1987.Google Scholar
  74. 74.
    Siehe dazu: Weeks, J., Questions of identity, in: Caplan, P., The cultural construction of sexuality, London, 1987.Google Scholar
  75. 75.
    Miller, M., in einem Interview zu seinem Coming out, New York Times, Jan. 17, 1971, zitiert in Koedt, A., a.a.O., S. 252.Google Scholar
  76. 76.
    Gayle Rubin zugeschrieben, in: Rich, B.R., S.532, a.a.O.Google Scholar
  77. 77.
    Weeks, J., Sexuality and its discontents, a.a.O., S. 191.Google Scholar
  78. 78.
    Califa,P, Sapphistry. The Book of Lesbian Sexuality, New York, 1980, S. 165; Altman, D., The Homosexualization of America, S. 73f; beide zitiert in: Weeks, J., Sexuality and its discontents, a.a.O., S. 186.Google Scholar
  79. 79.
    Weeks, J., Questions of identity, a.a.O., S. 43.Google Scholar
  80. 80.
    Kitzinger, C., Wilkinson, S., Perkins, R., Theorizing Heterosexuality, in: Feminism & Psychology, Vol. 2, No. 3, 1992, S. 306.Google Scholar
  81. 81.
    vgl. zur historischen Konstituierung von Homosexualität, aber auch anderen „abweichenden“ Sexualitäten z.B. Fout, J.C. (ed), Forbidden History. The State, Society and the Regulation of Sexuality in Modern Europe, Chicago, 1992; zur Ausdifferenzierung von Geschlechtsrollen innerhalb lesbischer Beziehungen z.B. Nestle, J. (ed), The persistent Desire. A femme-butch Reader, Boston 1992; zu neueren Ansätzen lesbischer und schwuler Theorien z.B. Fuss, D., Inside/Out, Lesbian Theories, Gay Theories, New York, 1991; zur Schwulenbewegung z.B. die Arbeiten von Weeks, J., a.a.O.; für einen Überblick über queer theories z.B. Hark, S., Queer Theories, in: Feministische Studien, 2/93; zu Problemen von Identitätsbildungsprozessen z.B. Rust, P.C., ‘Coming out’ in the age of social constructionism: Sexual Identity Formation among Lesbian and Bisexual Women, in: Gender & Society, Vol. 7, No. 1, March 1993; zu cross dressing Garber, M., Vested Interests. Cross dressing & cultural Anxiety, Routledge, New York, 1993, um nur einige zu nennen.Google Scholar
  82. 82.
    Gerade hier scheinen sich die stärksten Verschiebungen anzubahnen, gerade im Zusammenhang mit der Gen-und Reproduktionstechnologie. Dabei darf aber nicht übersehen werden, daß Generativität mehr umfaßt als nur die Fortpflanzung der Spezies. An ihr hängen genealogische Funktionen wie die Weitergabe von Eigentum, Namen und Familientraditionen, pflegerisch-fürsorgliche Funktionen, wie Versorgung, Erziehung und Sicherung der generativen Fürsorge sowie Sicherungssysteme, die nicht vom Staat abgedeckt sind.Google Scholar
  83. 83.
    um nur einige zu nennen: Gürtler, S., Die Subversion der Geschlechter. Zur Studie von Judith Butler, in: Fragmente, 39/40, Dez. 1992; Trittin, K., Rezension in: Die Philosophin, 6, Okt. 1992; Hark, S., Vom Subjekt zur Subjektivität, Feminismus und die Zerstreuung des Subjekts, in: Mitteilungen aus der kulturwissenschaftlichen Forschung, 31, Nov. 1992; Landweer, H., Herausforderung Foucault, in: Die Philosophin, 4. Jahrgang, Heft 7, April 1993; die Serie Sex & Gender in der Frankfurter Rundschau, 4.5., 18.5., 29.6., 18.7.1993; sowie die Beiträge in den Feministischen Studien, 2/93.Google Scholar
  84. 84.
    eine der größten Schwierigkeiten an Butlers Arbeit ist ihre Verwendung von „gender“ und „gender identity“, die in der deutschen Übersetzung noch verschärft werden, da hier „gender“ zumeist mit Geschlechtsidentität übersetzt wurde. Butler differenziert nicht zwischen den unterschiedlichen Dimensionen von Gender — als sozialer Platzanweiser, als Element von Subjektivität, als Klassifikation und als Geschlechtsrolle. Sie betont vielmehr — in Anlehnung an Foucault — den diskursiven und grammatikalischen Aspekt von Identität im Sinne einer Kritik von Identitätslogik: das Subjekt werde damit gezwungen, sich und andere als mit-sich-selbst-identisch wahrzunehmen, was stets zu Ausgrenzungen und Diskriminierungen führe — sowohl innerhalb des Selbst wie auch in Bezug auf andere Subjekte. Es ist jedoch auch zu beachten, daß sich Butler einer in den USA weit verbreiteten „identity politics“ entgegensetzt, in der kulturelle Identität — als ethnische, schwule, lesbische, weibliche, männliche — zunehmend essentialistische Züge annimmt und damit den überwunden geglaubten biologistischen Begründungen von Differenz gefährlich nahekommt. Auf diese Besonderheiten im Umgang mit dem Begriff „Identität“ im US-amerikanischen Kontext habe ich bereits hingewiesen. Butlers große Schwäche ist es, daß sie die sozialen und historischen Bedingungen, unter denen Geschlecht nicht nur am Individuum Spuren hinterläßt, sondern auch in den gesellschaftlichen Raum eingelassen ist, nicht beachtet.Google Scholar
  85. 85.
    Butler, J., Das Unbehagen der Geschlechter, Frankfurt am Main, 1991, S.28.Google Scholar
  86. 86.
    ebd., S. 16.Google Scholar
  87. 87.
    ebd., S. 24.Google Scholar
  88. 88.
    ebd., S.60.Google Scholar
  89. 89.
    ebd., Fußnote 6, S. 219f, ergänzt durch die Originalfassung, Gender Trouble, Routledge, New York, 1990, S. 151.Google Scholar
  90. 90.
    Wittig, M., On the social contract, in: dies., The straight mind and other essays, Boston, Massachusetts, 1992, S. 33–45, Zitat S. 38, Übersetzung C.O.Google Scholar
  91. 91.
  92. 92.
    Für Wittig ist nur das weibliche Geschlecht grammatikalisch markiert, Männer stellten dagegen das unmarkierte Geschlecht dar: „For example, the concept of difference between the sexes ontologically constitutes women into different/others. Men are not different, whites are not different, nor are the masters.“, Wittig, M., The straigt mind, in dies., The straight mind and other essays, a.a.O., S. 29.Google Scholar
  93. 93.
    Butler, J., Das Unbehagen der Geschlechter, a.a.O., S. 66.Google Scholar
  94. 94.
    ebd., S. 64.Google Scholar
  95. 95.
    ebd., S. 109.Google Scholar
  96. 96.
    Butler, J., Das Unbehagen der Geschlechter, a.a.O., S. 88. Ich habe den ersten Satz des Zitats durch meine eigene Übersetzung ersetzt, da Katarina Menkes Übersetzung in diesem Zusammenhang falsch ist und zu Mißverständnissen führt. Das engl. Original lautet: We might then rethink the very notions of masculinity and feminity constructed here as rooted in unresolved homosexual cahtexis. Menke übersetzt: „Somit müssen wir auch die Begriffe der Männlichkeit und Weiblichkeit neu überdenken, die hier so konstruiert sind, daß sie aus ungelösten Besetzungen entstehen.“ constructed here bezieht sich aber auf die vorhergehende Erörterung der Konstruktionen von Lacan und Riviere, die in keiner Weise Männlichkeit und Weiblichkeit als aus homosexuellen Besetzungen resultierend verstehen, so daß as rooted in auf Butlers Neuformulierung verweist.Google Scholar
  97. 97.
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    ebd., S. 113.Google Scholar
  99. 99.
    Butler unterscheidet — wie Torok und Abraham — zwischen zwei Modi der Verarbeitung des Verlustes eines geliebten Objekts. Bei der Einverleibung handelt es sich danach um einen Modus, bei dem die Trauer um das verlorene Objekt nicht bewußt werden darf, da die Liebe selbst verdrängt werden muß, während die Verinnerlichung einen Trauerprozeß voraussetzt, der teilweise bewußt ist. Bringt die Verinnerlichung einen „inneren Raum“ hervor, das Ich-Ideal, bleibe die Einverleibung an der Körperoberfläche. Butler nimmt den Modus der Einverleibung an, weil es in einer heterosexuellen Gesellschaft keine symbolische Anerkennung von Homosexualität gebe und damit Trauerarbeit unmöglich sei. Der Text von Torok und Abraham liegt meines Wissens nicht in deutscher Übersetzung vor: Deuil ou mélancholie, introjecter-incoperer, réalité métapsychologique et fantasme, in: L’ecorce et le noyeau, Paris 1987.Google Scholar
  100. 100.
    Butler, J., Critically queer, in: dies., Bodies that matter, New York, 1993, S. 236.Google Scholar
  101. 101.
    Butler zitiert hier Freud, Trauer und Melancholie, Studienausgabe Bd. 3, Frankfurt am Main, 1982, S. 301f, in: Butler, J., Das Unbehagen der Geschlechter, a.a.O., S. 100.Google Scholar
  102. 102.
    Butler, J., Das Unbehagen der Geschlechter, a.a.O., S. 215.Google Scholar
  103. 103.
    vgl. hierzu u.a.: Gildemeister, R., Wetterer, A., Wie Geschlechter gemacht werden. Die soziale Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit und ihre Reifizierung in der Frauenforschung, in: Knapp, G.-A., Wetterer, A., Traditionen Brüche, Freiburg i.Brs., 1992; Hirschauer, St., Die soziale Konstruktion von Zweigeschlechtlichkeit, Frankfurt am Main, 1993; Kessler, S., McKenna, W., Gender: An Ethnomethodological Approach, Chicago, 1978; Ortner, S., Whitehead, H., Sexual Meanings: The cultural Construction of Gender and Sexuality, Cambridge, 1981; Hagemann-White, C., Wir werden nicht zweigeschlechtlich geboren, in: dies., Rerrich, M.S, FrauenMännerBilder, Bielefeld, 1988; Fausto-Sterling, A., Gefangene des Geschlechts?, München 1988, Bleier, R., Science and Gender, New York, 1984.Google Scholar
  104. 104.
    Butler, J., Das Unbehagen der Geschlechter, a.a.O., S. 193ff. Auch in „Bodies That Matter“ bietet Butler m.E. keine Alternative zu dieser Interpretation an, in: dies., Bodies That Matter, a.a.O., S. 27ff.Google Scholar
  105. 105.
    Trotz meiner Kritik denke ich, daß mit der „literalisierenden Phantasie“ ein wichtiges Moment der geschlechtlichen Differenzierung erfaßt werden kann. „Ich sehe in den Spiegel und sehe meine Mutter“ — in diesem Buchtitel ist m. E. eine Erfahrung von Frauen aufgehoben, die auf solche melancholischen Identifizierungsprozesse hindeutet. Allerdings verweisen die Berichte von Frauen in diesem Zusammenhang eher auf die Ambivalenz solcher Identifizierungsprozesse.Google Scholar
  106. 106.
    vgl. hierzu Becker-Schmidt, R., Von Jungen, die keine Mädchen und von Mädchen, die gerne Jungen sein wollen. Geschlechtsspezifische Umwege auf der Suche nach Identität, in: Becker-Schmidt, R., Knapp, G.-A., Das Geschlechterverhältnis als Gegenstand der Sozialwissenschaften, a.a.O.Google Scholar
  107. 107.
    Laplanche, J., Pontalis, J.B., Das Vokabular der Psychoanalyse, Frankfurt am Main, 1972, S. 543, Anmerkung a).Google Scholar
  108. 108.
    Grosz, E., Contemporary Theories Of Power And Subjectivity, S. 92f, in: Gunew, Sneja (ed), Feminist Knowledge: critique and construct, London, New York, 1990, S. 59–120, Unterstreichung CO.Google Scholar
  109. 109.
    Sedgwick, E.K., Epistomology of the closet, Berkeley/Los Angeles, 1990, S. 25.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1998

Authors and Affiliations

  • Cornelia Ott

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