Advertisement

Der Staat schützt die Bürger

Denkbilder und symbolische Sprache in Parteiprogrammen
  • Manfred Opp de Hipt

Zusammenfassung

Symbole haben mit Zeichen gemeinsam, daß sie für etwas anderes, nämlich das Bezeichnete oder Symbolisierte stehen. Das Morsealphabet ersetzt Buchstaben durch Ton- oder Lichtsignale, Worte meinen Gegenstände, auf Altarbildern stellt eine Taube den heiligen Geist dar, und ein Piktogramm weist den Weg zum Notausgang. Wodurch aber unterscheiden sich Symbole von Zeichen? Mit Hilfe der einschlägigen Literatur läßt sich folgende Trennungslinie skizzieren:
  • Zeichen, auch „Verweisungssymbol”2 oder „diskursives Symbol”3 genannt, gelten als „neutral”4, als „harmlose”5 Mittel, um auf etwas zu verweisen, sie sind „nützlich”6 bzw. „ökonomisch”7. Symbole dagegen werden als gerade nicht neutral gegenüber dem Symbolisierten beschrieben. Sie „wecken ... Emotionen”8 und existieren in einem Bereich, „in dem Intuition und emotionale Spannung, nicht das diskursive Denken den Ausschlag geben”9. Symbole, so stellt der Theologe Tillich mit Blick auf die religiöse Sphäre fest, sind in der Lage, etwas „indirekt” auszudrücken, das „nicht unmittelbar ergriffen werden kann”10. Partiell vergleichbar mit dieser Auffassung ist die repräsentative’ Symbolkonzeption Goethes, für den ein Symbol das Besondere ist, das ein Allgemeines vorstellbar und überschaubar macht. „So ist die Geschichte des großväterlichen Hauses in Frankfurt für Goethe ein Symbol, weil sie stellvertretend für die Geschichte der Stadt Frankfurt im Übergang zu einer kapitalorientierten Marktgesellschaft steht.”11 Stellvertretung in diesem Sinne wird nicht als bloßer zeichenhafter Hinweis verstanden, sie soll vielmehr dazu dienen, etwas verständlich zu machen und zu interpretieren. „Das Symbol ist kein semiotisches, es ist ein hermeneutisches Phä-nomen.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literaturverzeichnis

  1. Baeumer, Max L. (Hg.), Toposforschung, Darmstadt 1973Google Scholar
  2. Berger, Peter L. ; Luckmann, Thomas, Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissenssoziologie, Frankfurt/M., 5. Aufl. 1980Google Scholar
  3. Bull, Hans-Peter, Die Staatsaufgaben nach dem Grundgesetz, Kronberg/ Taunus, 2. Aufl. 1977Google Scholar
  4. Dieckmann, Walther, Sprache in der Politik. Einführung in die Pragmatik und Semantik der politischen Sprache, Heidelberg, 2. Aufl. 1975Google Scholar
  5. Dieckmann, Walther, Politische Sprache, politische Kommunikation. Vorträge, Aufsätze, Entwürfe, Heidelberg 1981Google Scholar
  6. Edelman, Murray, Politik als Ritual. Die symbolische Funktion staatlicher Institutionen und politischen Handelns, Frankfurt/M. 1976Google Scholar
  7. Edelman, Murray, Political Language and Political Reality, in: PS, Jg. 18 (Winter 1985) Nr. 1, S. 10ffGoogle Scholar
  8. Geis, Michael L., The Language of Politics, New York u.a. 1987CrossRefGoogle Scholar
  9. Kriele, Martin, Einführung in die Staatslehre. Die geschichtlichen Legitimtätsgrundlagen des demokratischen Verfassungsstaates, Reinbek bei Hamburg 1975Google Scholar
  10. Kurz, Gerhard, Metapher, Allegorie, Symbol, Göttingen 1982Google Scholar
  11. Lincke, Harold, Instinktverlust und Symbolbildung. Die psychoanalytische Theorie und die psychobiologischen Grundlagen des menschlichen Verhaltens, Berlin 1981Google Scholar
  12. Mervis, Carolyn B.; Rosch, Eleanor, Categorization of Natural Objects, in: Annual Review of Psychology, Jg. 32 (1981), S. 89 ffGoogle Scholar
  13. Moles, Abraham A., Informationstheorie und ästhetische Wahrnehmung, Köln 1971Google Scholar
  14. Opp de Hipt, Manfred, Denkbilder in der Politik. Der Staat in der Sprache von CDU und SPD, Opladen 1987Google Scholar
  15. Opp de Hipt, Manfred, Denkbilder vom Staat in bundesrepublikanischen Parteiprogrammen, in: Dirk Berg-Schlosser, Jakob Schissler (Hg.), Politische Kultur in Deutschland. Bilanz und Perspektiven der Forschung, Opladen 1987 (PVS-Sonderheft 18/1987), S. 403 ffGoogle Scholar
  16. Opp de Hipt, Manfred, Zur Entwicklung des Staatskonzepts der SPD seit den 70er Jahren, in: pds (Perspektiven des Demokratischen Sozialismus), Jg. 5 (1988), H. 2, S. 125–128Google Scholar
  17. Pankoke, Eckart, Sprache in »sekundären Systemen*. Zur soziologischen Interpretation sprachkritischer Befunde, in: Soziale Welt, Jg. 17 (1966) H. 3, S. 253 ffGoogle Scholar
  18. Pross, Harry, Politische Symbolik. Theorie und Praxis der öffentlichen Kommunikation, Stuttgart u.a. 1974Google Scholar
  19. Pulte, Peter (Hg.), Parteiprogramme, Darmstadt, Neuwied 1979 ff (Loseblattsammlung, Stand März 1981)Google Scholar
  20. Reichel, Peter, Politische Kultur der Bundesrepublik, Opladen 1981Google Scholar
  21. Sapir, Edward, Symbolism, in: Seligman, Edwin; Johnson, Alvin (Hg.), Encyclopaedia of the Social Sciences, Vol. 14, New York 1934, S. 492ffGoogle Scholar
  22. Sarcinelli, Ulrich, Symbolische Politik. Zur Bedeutung symbolischen Handelns in der Wahlkampfkommunikation der Bundesrepublik Deutschland, Opladen 1987Google Scholar
  23. Schumann, Hans-Gerd, 1975, Ideologische Probleme der Nachrichtensprache, in: Straßner, Erich (Hg.), Nachrichten. Entwicklungen — Erfahrungen, München, 1975, S. 127 ffGoogle Scholar
  24. Sontheimer, Kurt, Pluralismus, in: Fraenkel, Ernst; Bracher, Dietrich (Hg.), Staat und Politik, Frankfurt/M., Neuausgabe 1964, S. 254 ffGoogle Scholar
  25. Tillich, Paul, Symbol und Wirklichkeit, Göttingen 1962Google Scholar
  26. Zippelius, Reinhold, Allgemeine Staatslehre, München 1969Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1989

Authors and Affiliations

  • Manfred Opp de Hipt

There are no affiliations available

Personalised recommendations