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Interessenvermittlung: die Akteure

  • Heidrun Abromeit
Chapter

Zusammenfassung

Nun gibt es die verschiedensten Möglichkeiten, einen Transfer von Interessen ins politische Entscheidungssystem zu bewerkstelligen. Nicht für alle bedarf es gesonderter Organisation: Schon dem Individuum stehen einige Wege offen. In vor-demokratischen Systemen verlegten einzelne sich aufs “Antichambrieren”, d.h. sie harrten in Vorzimmern aus, in der Hoffnung, irgendwann zum Mächtigen vorgelassen zu werden und ihm ihr Anliegen vortragen zu können. Speziell auf Gemeindeebene soll diese Ur-Form der Interessenvermittlung weiterhin vorkommen; ja auch auf höchster Politik-Ebene gibt es natürlich das, was man “privates lobbying” nennen könnte: Ein einzelner (gern ein Einzelunternehmer) versucht, Politiker oder Ministerialbeamte zu beeinflussen, nicht um das Interesse einer Gruppe, sondern sein eigenes zu befördern. Das funktioniert um so besser, je mehr der besagte einzelne im Tausch anzubieten hat; d.h. die Erfolgswahrscheinlichkeit ist an den Besitz bestimmter Ressourcen gebunden — Geld vor allem, aber auch Informationen (Expertenwissen) sowie Vergünstigungen aller Art (wie z.B. Segel-Törns in der Ägäis).

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Literatur

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Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1993

Authors and Affiliations

  • Heidrun Abromeit

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