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Ein demokratischer Konsens in Ost und West?

Demokratie und Extremismus im Spiegel von Umfragen
  • Oscar W. Gabriel
Part of the Reihe: Der Bürger im Staat book series (BÜRG, volume 3)

Zusammenfassung

Im zehnten Jahr nach der Wiedervereinigung Deutschlands vermittelt die politische Berichterstattung in Presse, Funk und Fernsehen ein beunruhigendes Bild der politischen Verhältnisse. Kaum eine Woche vergeht, in der die Schlagzeilen der Zeitungen und die Nachrichtensendungen des Fernsehens nicht über Gewaltaktionen gegen Ausländer oder Randgruppen berichten. Demonstrationen von Neonazis am Brandenburger Tor rufen fatale Erinnerungen an die Endphase der Weimarer Republik wach. Auch wenn rechtsextreme Parteien bei Wahlen bisher keinen Durchbruch auf breiter Front erzielten, haben die Aktivitäten der Rechtsextremen nach der Vereinigung eine neue Qualität gewonnen. Vor allem in den neuen Bundesländern weisen die Statistiken des Bundesamtes für Verfassungsschutz eine große und wachsende Gewaltbereitschaft der rechtsextremen Szene aus1. Auch die westdeutsche Bevölkerung erweist sich keineswegs als immun gegen rechtsextremes Gedankengut, jedoch treten rechtsextreme Ausschreitungen seltener auf als im Osten und lassen auch kein vergleichbar starkes Gewaltpotential erkennen.

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Literatur

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Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2002

Authors and Affiliations

  • Oscar W. Gabriel

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