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Die anthroposoziologische Schule

Gestalt und Zusammenhänge eines wissenschaftlichen Institutionalisierungsversuchs
  • Erhard Stölting
Chapter
Part of the Beiträge zur sozialwissenschaftlichen Forschung book series (BEISOFO, volume 85)

Zusammenfassung

Mit dem Wort “Anthroposoziologie” assoziiert man heute meist unwillkürlich die Sozialanthropologie, ein akademisches Fach, das sich primär mit Kultur-und Normensystemen vorindustrieller Gesellschaften beschäftigte, das heute seine Methoden aber zunehmend auch zur Untersuchung industrieller Gesellschaften einsetzt. Im angelsächsischen Sprachgebiet wird die Sozialanthropologie in diesem Sinne auch mit “Anthropologie” schlechthin identifiziert. Sie steht als solche ohne erkennbare Grenzen zwischen Ethnologie einerseits und Soziologie andererseits.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Siehe J.W. Gruber, The United States. Racism and Progress in the Nineteenth Century, in: S. Diamond (Hg.), Anthropology - Ancestors and Heirs, The Hague, Paris, New York 1980, S. 109 ff.J. Stauder, Great Britain: Functionalism abroad. A Theory in Question, ebd. S. 317 ff.;Google Scholar
  2. 2.
    L. Woltmann, Die Germanen und die Renaissance in Italien, Leipzig 1905. Hier zitiert nach der Ausgabe von 1936.Google Scholar
  3. 3.
    ebd. S. 183.Google Scholar
  4. 4.
    PAR 6, 1907/08, 83.Google Scholar
  5. 5.
    “Deploro the la scienza italiana abbia combattuto Ludwig Woltmann per un nazionalismo assurdo e contrario alla vera scienza the non deve conscere confini di popoli e di razza.”In: PAR6, 1907/08,S.82.Google Scholar
  6. 6.
    L. Woltmann, Die Germanen in Frankreich, Leipzig 1906.Google Scholar
  7. 7.
    s. PAR 6, 1907/08, S. 67.Google Scholar
  8. 8.
    G.V. de Lapouge, Ludwig Woltmann, ein Bahnbrecher der So- zialanthropologie, in: PAR 6, 1907/08, S. 33 ff.Google Scholar
  9. 9.
    Raoul Richter, Ludwig Woltmann, Persönlichkeit und Werk, ebd. S. 4 ff.Google Scholar
  10. 10.
    A. Koch-Hesse, Aus Woltmanns Briefen an mich (1893–1906), ebd. S. 57 ff.; s.a. die Nachrufe bed. von A. Grotjahn, S. 69, R. Michels, S. 75, A. Spiethoff, S. 87.Google Scholar
  11. 11.
    K. Vorländer, Ludwig Woltmann als Philosoph des Geistes, ebd. S. 19 ff.Google Scholar
  12. 12.
    E. Bernstein, Ludwig Woltmanns Beziehungen zur Sozialde- mokratie, ebd. S. 45 ff.Google Scholar
  13. 13.
    vgl. W. Hellpach, Wirken in Wirren, Hamburg 1948, Bd. 1, S. 213 ff.; R. Michels, Eine syndikalistisch gerichtete Unterströmung im deutschen Sozialismus, in: Festschrift für Carl Grünberg zum 70. Geburtstag, Leipzig 1932, S. 343 ff.Google Scholar
  14. 14.
    L. Woltmann, System des moralischen Bewußtseins mit be- sonderer Darlegung des Verhältnisses der kritischen Philosophie zu Darwinismus und Sozialismus, Düsseldorf 1898; vgl. die Besprechung von Felix Krueger, Eine neue Sozialphilosophie auf Kantischer Grundlage, in: Kantstudien 6, 1901, S. 284 ff.Google Scholar
  15. 15.
    Düsseldorf 1900.Google Scholar
  16. 16.
    Düsseldorf 1901.Google Scholar
  17. 17.
    Die Gründe dafür waren ein anfängliches Mißtrauen und ei- ne Vorsicht Ammons, die später schwanden. S. 0. Ammon, Erinnerungen an Ludwig Woltmann, op. cit.Google Scholar
  18. 18.
    L. Woltmann, Die anthropologische Geschichts-und Gesell- schaftstheorie, in: PAR 4, 1905/06, 1 ff.,115 ff., 284 ff, 379ff., 451., 547 ff.; ders.: Die biologischen Grundlagen der Soziologie, in: PAR3, 1904/05, S. 22 ff.; ders.: Begriff und Aufgaben der Soziologie, in: PAR 5, 1906/07, S. 1 ff.Google Scholar
  19. 19.
    Leipzig (Thür. Verlagsanstalt) 1903.Google Scholar
  20. 20.
    W. Schallmayer, Vererbung und Auslese im Lebenslauf der Völker, Jena 1903Google Scholar
  21. 21.
    Als grundlegender Text der deutschen Rassenhygiene trat er an die Seite von Alfred Ploetz, Die Tüchtigkeit unse- rer Rasse und der Schutz der Schwachen, Berlin 1885; H.G. Marten, Sozialbiologismus, Ffm 1983, S. 171 ff.Google Scholar
  22. 22.
    A.Ruppin, Darwinismus und Sozialwissenschaft, Jena 1903. Vg. ders., Die Juden der Gegenwart, Berlin 1904. Unter dem Eindruck des wachsenden Antisemitismus wurde Ruppin später aktiver Zionist und bekämpfte die Rassentheorien, s. ders., Soziologie der Juden, Berlin 1931.Google Scholar
  23. 23.
    L. Kuhlenbeck, Kritik des Jenenser Preisausschreibens, in: PAR 3, 1904/05, 297–305; L. Wilser, Erklärung, in: PAR 3, 1904/05, S. 441 ff.Google Scholar
  24. 24.
    G.V. de Lapouge, Kritik der Jenenser Preisschriften, in: PAR 3, 1904/05, 297 ff.; L. Woltmann: Nachschrift zu Lapouges Kritik des Jenenser Preisausschreibens, ebd. S. 205 ff.; ders., Weitere Urteile über die Jenenser Preisverleihung, ebd. S. 770 ff.Google Scholar
  25. 25.
    G.V. de Lapouge, Les sélections sociales, Paris 1896. S.a. G. Nagel, Georges Vacher de Lapouge (1854–1936), Ein Beitrag zur Geschichte des Sozialdarwinismus in Frankreich, Freiburg i. Br. 1974.Google Scholar
  26. 26.
    Auf Weismann geht der strenge, von allen lamarckistischen Momenten gereinigte Darwinismus zurück, der die Vererblichkeit erworbener Eigenschaften nicht mehr zuläßt, vgl. A. Weismann, Über die Berechtigung der Darwin’schen Theo-rie, Leipzig 1868; ders., Selektionstheorie, Jena 1909.Google Scholar
  27. 27.
    G.V. de Lapouge, Corrélations financières de l’indexe cé- phalique, in: Revue de l’écon.politique11, 1897, 257ff.; ders., Transmutation et sélection par éducation, in: Re- vue internat. de sociologie 3, 1895, 109 ff.; ders., L’Hérédité dans la science politique, in: Revue d’Anthropologie, série 3, 3, 1888, S. 169 ff.Google Scholar
  28. 28.
    H.E. Ziegler, Zu den Kritiken über das Jenenser Preisaus- schreiben, in: PAR 3, 1904/05, 436 ff.; ders., Zuschrift, in: Archiv für Rassen-und Gesellschaftsbiologie1, 1904, S. 902 ff.Google Scholar
  29. 29.
    Das ist nur zu wahr, vgl. Zieglers große Schrift: Die Vererbungslehre, Jena 1918. Das Buch ist in seiner ersten Hälfte ein vererbungswissenschaftliches Lehrbuch, in seiner zweiten (S. 316 ff.) die Entfaltung eines radikalen antidemokratischen eugenischen Programms.Google Scholar
  30. 30.
    Das sonderbare Desinteresse des Menschen an der Biologie ider eigenen Species wird hier besonders deutlich. Immerhin ist eine Gesellschaft denkbar, die alle Veränderungen der biologischen Bevölkerungsstruktur in ihrer Wechsel- wirkung mit allen Veränderungen der sozio-ökonomischen Variablen mit der gleichen Aufmerksamkeit verfolgt wie das Wetter; die in den humanen Sektor der Forschung mindestens ebenso viel investiert wie in den technologischen, und die den Individuen mit einem fundierten Wissen über die bevölkerungsbiologischen Prozesse auch eine bessere Grundlage für persönliche Entscheidungen in die Hand gibt als unsere in dieser Beziehung völlig naive und unwissenschaftliche Gesellschaft.“ I.Schwidetzky, Hauptprobleme der Anthropologie. Bevölkerungsbiologie und Evolution des Menschen, Freiburg i.Br. 1971, S. 35.Google Scholar
  31. 31.
    R. Goldscheid, Höherentwicklung und Menschenökonomie. Grundlegung der Sozialbiologie, Leipzig 1911 (Phil. soziologische Bücherei Bd. VIII); A. Grotjahn, Soziale Pathologie, Berlin 1911.Google Scholar
  32. 32.
    H. Spencer, The Man Versus the State, Harmondsworth 1969 (1884). Besonders streng wurde der Sozialdarwinismus allerdings von Benjamin Kidd(Social Evolution, London 1895) vertreten, dessen funktionalistische Erklärung der Reli-gion allerdings Widerspruch hervorrief.Google Scholar
  33. 33.
    F. Galton, Genie und Vererbung, Leipzig 1910, S. 359 ff.Google Scholar
  34. 34.
    So etwa Karl Pearson, Socialism and Natural Selection, in: ders., The Chances of Death, London 1891, Bd. 1, S. 109 ff.Google Scholar
  35. 35.
    A.A. Retzius, Ethnologische Schriften, Stockholm 1864.Google Scholar
  36. 36.
    J. Kollmann, W. Büchly, Die Persistenz der Rassen und die Reconstruction der Physiognomie prähistorischer Schädel, in: Arch. f. Anthr.25, 1898, 329 ff.Google Scholar
  37. 37.
    F. Hertz, Rasse und Kultur. Eine kritische Untersuchung der Rassentheorien, Leipzig 31925, S. 5 ff.Google Scholar
  38. 38.
    ebd. S. 8;Ludwig Schemann, Die Rasse in den Geisteswis–senschaften, Bd. 2, Hauptepochen und Hauptvölker der Geschichte in ihrer Stellung zur Rasse, München 1930, S. 48 ff. Die dargestellte These wurde auch von Gobineau aufgenommen und später dogmatisiert.S.J.-A. Comte de Gobineau, Essai sur l’inégalité des races humaines, Paris 1833–1855. Dt.: Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen, 4 Bde., Stuttgart 1898–1901 (übers. v. L. Schemann).Google Scholar
  39. 39.
    Gobineau sah die Deutschen im Süden und Westen vor allem als Kelten, im Norden und Osten vor allem als Slaven. A. de Quatrefageserklärte die deutschen Greuel während des Krieges von 1870/71 mit dem finno-slavischen Rassencharakter der preußischen Bevölkerung: vgl. A. de Quatrefages: La race prussienne, Paris 1871. Virchow aber konnte Quatrefages nachweisen, daß die Preußen vor allem Germanen seien: R. Virchow: Über die Methode der wissen- schaftlichen Anthropologie: eine Antwort an Herrn de Quatrefages, in: Ztschr. f. Ethnologie 4, 1872, S. 300ff; ders.: Über die Race prussienne, in: Arch. f. Anthrop. 5, 1872, S. 529 ff.Google Scholar
  40. 40.
    siehe sein “Rasse und Staat”, Wien 1875, Der Rassenkampf, Leipzig 21909.; Franco Savorgnan: Ludwig Gumplowicz, in: Monatsschrift f. Soziologie1, 1909, 645 ff.; E. Diaconi-de: Louis Gumplowicz. A l’occasion du centenaire de sa naissance, in: Revue internat. de sociologie 46, 1938, S. 583 ff.Google Scholar
  41. 41.
    L. Gumplowicz: Grundriß der Soziologie, Leipzig 21905.Google Scholar
  42. 42.
    und regelmäßiger Mitarbeiter der PAR. Die Abwendung vom Rassismus ermöglichte es Oppenheimer, die von biologischen Aussagen gereinigte Rassenkampflehre in sein System zu integrieren. Siehe F. Oppenheimer, System der Soziologie, Bd. 2, Der Staat, Jena 1926; s.a. F. Oppenheimer,Der Staat, Berlin 1909 (In der Reihe“Die Gesellschaft’, hg. von Martin Buber).Google Scholar
  43. 43.
    s. den Bericht von S. Reinach, L’origine des Aryens. Histoire d’une controverse, Paris 1892. Vertreter der These, daß nicht die Nordischen, sondern die Alpinen die einzig schöpferischen Arier waren, waren neben Reinach C.A. Piètrement(Les Aryas et leur première patrie, Paris 1879), P. Topinard (De la notion de race en anthropolo- gie, Revue d’anthrop., série 2, 2, 1879, S. 589 ff.), G. de Mortillet(Formation de la nation française, Paris 1897) und andere. Vgl. Bull. de la soc. d’anthrop. de Paris, série 3, 2, S. 183 ff., 344 ff., 447 ff. Einen Sonderfall stellt Charles de Ujfalvy dar, zunächst mit der Mehrheit der französischen Soziologen Gegner der Germanenthese, der aber dann die Front wechselte. Vgl. Ch. de Ujfalvy, Les Aryens au nord et au sud de l’Hindou-Kouch, Paris 1896. Mit diesem Werk stellte er sich auf die Seite Lapouges und Penkas. Seine weiteren Schriften, die vor allem der Interpretation griechischer Funde gewidmet waren, argumentierten in diesem Sinne. Bis zu seinem Tode im Jahre 1904 war er häufig Autor in der PAR.Google Scholar
  44. 44.
    G. Sergi, Arii e Italici, Torino 1898; R. Zampa, Les Gau- lois de la Haute Italie, in: Memoralia dell’ Acc. pontifica de’ novi Lincei, Roma 8, 1892, 241 ff.; G. Nicolucci, Gli Aryi e le origini europee, in: Atti dell’ Acc. pontaniana, Napoli, 21, 1891, 150 ff.Google Scholar
  45. 45.
    L. Poliakov, The Aryan Myth, London 1974, S. 183 ff.Google Scholar
  46. 46.
    A. Niceforo, Anthropologie der nichtbesitzenden Klassen. Studien und Untersuchungen, Leipzig und Amsterdam 1910 (übers. v. R. Michels und A. Köster; orig.: Les classes pauvres. Recherches anthropologiques et sociales, Paris 1905 ); ders.: Forza e richezza. Studi sulla vita fisica ed economica delle classi sociali, Torino 1906.Google Scholar
  47. 47.
    Das Proletariat erzeugt nicht einmal die genügende An-zahl bedeutender Leute für den eigenen Bedarf“. A. Nice-foro, Anthropologie, op. cit., S. 331.Google Scholar
  48. 48.
    Ähnlich auch Cesare Lombroso, Cuomo delinquente, Torino 1884, S. 297 ff.; s.a. A. Niceforo, Italiani del Nord e Italiani del Sud, Torino 1900.Google Scholar
  49. 49.
    Niceforo, Anthropologie, op. cit. S. 108 ff.Google Scholar
  50. 50.
    Der Blick und das, was er ausblendet, ist das strukturie- rend-vereinheitlichende Moment der eugenischen und rassistischen akademischen Diskurse. Die Beobachtungen M. Foucaults gelten sinngemäß auch hier. Vgl. M. Foucault, Die Geburt der Klinik, eine Archäologie des ärztlichen Blicks, München 1973, s.v.a. 121 ff.Google Scholar
  51. 51.
    F. Galton, op. cit. passim.Google Scholar
  52. 52.
    Lapouge etwa hatte Haeckel ins Französische übersetzt. Die Nähe zum Monismus ist in der Tat für die ganze französische Anthropologie gültig. Vgl. die vielen Artikel französischer Autoren in “The Monist”.Google Scholar
  53. 53.
    G.V. de Lapouge, L’Aryen, Paris 1899. Lapouge hatte den ersten Lehrstuhl für Anthropologie, der 1886 in Montpellier eingerichtet worden war. Hier zitiert nach Lapouge: Der Arier, Frankfurt a.M. 1939.Google Scholar
  54. 54.
    Liest man Mortillet, Topinard oder Drumond, dann hat man sich den Arier mit den Zügen des Kastanienhändlers von der nächsten Ecke vorzustellen. Er ist erwiesenermaßen ein Kurzschädel aus Piemont, der Auvergne oder Savoyen. Ist der Verfasser Ammon oder Penka, dann ist der reinste Arier John Bull, wie er mit dem Koffer in der Hand von Schiff geht. Für Virchow und mich sind sowohl der Globetrotter wie der Kastanienhändler Arier, aber der arische-re von beiden ist doch der Globetrotter, der andere Typ gehört so zum Arier wie ein Dienstbote zum Hause des Herrn gehört.“ Ebd. S. 14. Für Drumond, einen der Hauptorganisatoren des französischen Antisemitismus, wiederum waren Deutsche und Juden das gleiche. Vgl. zu diesem Komplex Colette Guillemin, L’idéologie raciste. Génése et langage actuel, Paris u. La Haye 1972, S. 27 ff.Google Scholar
  55. 55.
    G.V. de Lapouge, Les sélections sociales, Paris 1896; ders.: Le Darwinisme dans la science sociale, in: Rev. Internat. de Sociologie 1, 1893, 414 ff.; ders., Funda-mental Laws of Anthroposociology, in: J. Pol. Econ. 6, 1897, 54 ff.; ders., Grundfragen der historischen Anthropologie, in: PAR 3, 1904/05, 22 f.Google Scholar
  56. 56.
    Th. Bieder, Nachruf auf Karl Penka 1847–1912, in: PAR 11, 1912/13, S. 1 ff.Google Scholar
  57. 57.
    K. Penka Origines Ariacae. Linguistisch-ethnologische Untersuchungen, Wien u. Teschen 1883. Ähnlich schon vorher Th. ösche, Die Arier. Ein Beitrag zur historischen Anthropologie, Jena 1873. S.a. K. Penka, Die Herkunft der Arier. Neue Beiträge zur historischen Anthropologie der europäischen Völker, Wien u. Teschen 1886.Google Scholar
  58. 58.
    K. Penka, Origines, op. cit., S. 114 ff.Google Scholar
  59. 59.
    Zu den blonden blauäugigen Griechen s. G.V. de Lapouge, Questions Aryennes, Rev. d’anthrop., sér. 3,4, 1889, 181 ff.; G. Sergi, Origine e diffusione della stirpe mediterranea, Roma 1895. Den Mut, den “arischen” Ursprung der Kultur als eine erwiesene Tatsache auch bei Chinesen und Japanern zu postulieren, hatte allerdings dann Ludwig Schemann, s. sein “Die Rasse in den Geisteswissenschaften”, op. cit. S. 30 ff. Bei ihrer asiatischen Plattheit und ihrem Materialismus hätten sie allerdings genau wie die asiatischen Brachycephalen in Europa nichts weiter entwickeln können. Das steht wiederum schon bei Gobineau.Google Scholar
  60. 60.
    s.Lapouge, Les sélections sociales, op. cit. S. 57 ff.Penka,Origines, op. cit. S.43?S.631 ff.Google Scholar
  61. 61.
    Penka, Origines, op. cit. S. I ff.Google Scholar
  62. 62.
    L. Wilser, Otto Ammon, in: PAM 14, 1915/16, S. 631 ff.Google Scholar
  63. 63.
    O.Ammon, Der Darwinismus gegen die Sozialdemokratie. An- thropologische Plaudereien, Hamburg 1891. Schon hier zitiert er Lapouge, S. 32, 50, ausführlich. Ursprünglich eine Artikelserie in Ammons eigener Konstanzer Zeitung. Vgl. B. Kidd, Social Evolution, London 21865, S. 205 ff.Google Scholar
  64. 64.
    O. Ammon, Die natürliche Auslese beim Menschen. Aufgrund der Ergebnisse der anthropologischen Untersuchungen von Wehrpflichtigen in Baden und anderen Materialien, Jena 1893.Google Scholar
  65. 65.
    R. Livi, Sulla statura degli Italiani, Firenze 1883; ders.: Antropometria militare, Roma 1896. Die umfang- reichste Darstellung der damaligen Forschungen findet ders.: Antropometria militare, Roma 1896. Die umfang-sich bei W.Z. Ripley, The Races of Europe, A Sociological Study, London 1900 passim.Google Scholar
  66. 66.
    Ursprünglich formuliert durch G. Hansen, Die drei Bevöl- kerungsstufen, München 1889.Google Scholar
  67. 67.
    O. Ammon, Die natürliche Auslese, op. cit., passim.Google Scholar
  68. 68.
    O. Ammon, Die Bedeutung des Bauernstandes für den Staat und die Gesellschaft. Sozialanthropologische Studie, Berlin 21906. Eine Preisschrift der Zeitschrift “Das Land” Organ des deutschen Vereins für ländliche Wohlfahrts- und Heimatpflege. Herausgeber war Heinrich Sohnrey, Hauspoet Peter Rosegger.Google Scholar
  69. 69.
    O. Ammon, Die natürliche Auslese, op. cit. S. 229 ff.Google Scholar
  70. 70.
    O. Ammon, Die Gesellschaftsordnung in ihren natürlichen Grundlagen. Entwurf einer Sozial-Anthropologie zum Gebrauch für alle Gebildeten, die sich mit sozialen Dingen beschäftigen, Jena 1895. Das Werk wurde in der englischen Übersetzung von C.C. Closson im J. Pol. Econ. veröffentlicht, in der Übersetzung von H. Muffang ( L’ordre social et ses bases naturelles, St. Brieuc 1900 ) in Frankreich.Google Scholar
  71. 71.
    ebd. S. 32.Google Scholar
  72. 72.
    Ammon bezog sich hier positiv auf G. Schmoller, Das We- sen der Arbeitsteilung, Berlin 1890.Google Scholar
  73. 73.
    Diese sehr moderne Haltung bezieht sich auch auf das Bil- dungswesen: “Es bringt schon erheblichen Nachteil, wenn die Behörden mit Schulgeldbefreiungen und Stipendienerteilungen zum Besuch höherer Schulen a l l z u f r e i-g e b i g sind, weil dies die Durchschnittsbegabung der Schüler verringert.” 0. Ammon, Die Gesellschaftsordnung, S. 82.Google Scholar
  74. 74.
    Weismann erläutert dies Problem am Beispiel der Kurz- sichtigkeit. A. Weismann, Amphimixis oder die Vererbung der Individuen, Jena 1871.Google Scholar
  75. 75.
    J. Ranke, Beiträge zur physischen Anthropologie der Bay- ern, München 1883–92.Google Scholar
  76. 76.
    Selbst der Papst der späteren NS-Rassenlehre konnte das Problem nicht vollständig lösen. Er unterschied bei den Brachycephalen zwar Dinarische und Alpine. Die binarischen sollten dabei rauhe Kraft, Gradheit und vaterländische Gesinnung besitzen - entsprachen also der Art, wie sonst immer die Bayern gekennzeichnet wurden. Auf der anderen Seite sollten ihre nächsten Rasseverwandten Vorderasiaten sein. Die Alpinen waren für ihn friedlich und materialistisch, trugen also die Züge, die die Anthroposo- ziologen im allgemeinen den Chinesen zusprachen. Vgl.Hans F.K. Günther, Rassenkunde des deutschen Volkes, München 1922.Google Scholar
  77. 77.
    H.W. Behm, Ludwig Wilser und sein Werk, in:PAM19, 1920/21, S. 360 ff.Google Scholar
  78. 78.
    L. Wilser, Die Germanen. Beiträge zur Völkerkunde, Leip- zig 1903; ders., Rassen und Völker, Leipzig o.J. (1913).Google Scholar
  79. 79.
    L. Wilser, Menschwerdung, ein Blatt aus der Schöpfungs- geschichte, Stuttgart 1907.Google Scholar
  80. 80.
    ebd. S. 117.Google Scholar
  81. 81.
    L. Wilser, Gustav Kosinna und die vorgeschichtliche Völkerkunde, in: PAM21, 1922, S. 211 ff. Die Zeitschrift “Mannus” erschien seit 1909.Google Scholar
  82. 82.
    G. Kosinna, Die deutsche Vorgeschichte, eine hervorragend nationale Wissenschaft, Würzburg 21914.Google Scholar
  83. 83.
    Damit war Wilser sehr einverstanden, hatte er doch das Runenalphabet als Ausgangspunkt der Schriftentwicklung ausgemacht, s.L. Wilser, Herkunft und Volkstum der Deutschen, Zeitz 1916.Google Scholar
  84. 84.
    s. H. Conrad Martius, Utopien der Menschenzüchtung. Der Sozialdarwinismus und seine Folgen, Berlin 1965.Google Scholar
  85. 85.
    J.L. Reimers,Ein pangermanisches Deutschland. Versuch über die Konsequenzen der gegenwärtigen Rassenbetrach- tung für unsere politischen und religiösen Probleme, Leipzig (Thür. VA) 1905. Reimers forderte die Hegemonie Deutschlands in Mittel-und Westeuropa, die Einverleibung der deutschsprachigen Provinzen Österreichs, die Eindeutschung Skandinaviens, der Niederlande und Flanderns. Aus den übrigen Staaten sollte das germanische Rassenelement abgezogen werden. Danach sollte durch Zuchtwahl und Auslese Deutschland germanisiert werden und das protestantische Christentum durch Fortentwick- lung zu einer wahren germanischen Religion gewandelt werden. S. a.J.L. Reimers, Grundzüge deutscher Wiedergeburt. Ein auf wissenschaftlicher Basis ruhendes menschliches Lebensprogramm für die Gebiete der Rassenpflege, Staats-und Sozialpolitik, Religion und Kultur, Leipzig (Thür. VA) 21906. Reimeis entfaltet hier das ganze Arsenal der AnthroposoziologieGoogle Scholar
  86. 86.
    vgl. A. Vierkandt, Naturvölker und Kulturvölker, Leip- zig 1896, S. 10 ff.; S.R. Steinmetz, Der erbliche Rassen-und Volkscharakter, in: VjS f. wissenschaftl. Phil. und Soziologie1902, S. 77 ff.Google Scholar
  87. 87.
    Auch Autoren aus dem Kreis der PAR schrieben in dieser Zeitschrift - regelmäßig vor allem Ammon. Von den späteren Soziologen lieferten regelmäßig Beiträge va. Vierkandt, Thurnwald, Oppenheimer. Vgl. a. J. Winkler, Das Rassenproblem in der Weltwirtschaft, ebd. 6, 1903, S. 30 ff. Vgl. auch S.R. Steinmetz, Die Bedeutung und Tragweite der Selektionstheorie in den Sozialwissenschaften ebd. 9, 1906, S. 419 ff., 547 ff., 627 ff. Michels war ähnlicher Auffassung, blieb aber treuer Mitarbeiter der PAR, wenn auch ohne rassenbiologische Auslassungen. Aber Michels schrieb überall.Google Scholar
  88. 88.
    s. H. Conrad Martius, op. cit., Chr. v. Ehrenfels, Zucht- wahl und Monogamie, in:PAR2, 1902/03, S. 689 ff., ders., Entwicklungsmoral, ebd. 3, 1903/04, S. 214 ff.; Monogamische Entwicklungsaussichten, ebd. S. 970 ff. usw. Hentschel wird Autor der PAR erst ab Jg. 7, 1908/09, also nach Woltmanns Tod. Er wurde sogar von Schemann als “desperater Arier” bezeichnet.W. Hentschel, Varuna, Leipzig 1901; ders., Mittgart. Ein Weg zur Erneuerung der germanischen Rasse, Leipzig (Hammer Vg.) 1914. A. Ploetz: Willibald Hentschels Vorschlag zur Hebung unserer Rasse, in:ARGB 1, 1904, S. 885 ff. Für Ploetz ist Hentschel wie Th. Fritsch ein “Feuerkopf”. Zu Hentschels bizarrer Theorie über die Entstehung der Rassen s.W. Hentschel, Vom Vormenschen zum Indogermanen. Gedanken über Menschwerdung und Rassenbildung, Leipzig (Hammer Vg.) 1927.Google Scholar
  89. 89.
    L.R., Ludwig Woltmann und die Frauen, in: PAR 6, 1907/08, S. 64 ff.Google Scholar
  90. 90.
    W. Schrickert, Zur Anthropologie der gleichgeschlechtlichen Liebe, in: PAR 1, 1902/03, S. 379 ff.; P. Näcke, Das dritte Geschlecht, in: PAR 2, 1904/04, S. 310 ff., 581ff., W. Schrickert, Homosexualität und Strafrecht, in: PAR 3, 1904/05, S. 580 ff. usw.Google Scholar
  91. 91.
    Die Vorstellung, daß die Juden eine Rasse seien, fand teilweise auch unter jüdischen Wissenschaftlern Zustimmung. Am Rassenantisemitismus war dann zu bemängeln, daß er die jüdische Rasse schlecht mache. Vgl. A. Sandler, Anthropologie und Zionismus, Brünn 1904. S. a. Max Marcuse, Die Ehe, Berlin 1927: Protestanten sind nordisch, Katholiken mediterran-dinarisch, Juden vorderasiatisch. Konfessionswechsel hat vor allem rassische Ursachen. Zum Einfluß des völkischen Gedankengutes insgesamt unter jüdischen Autoren s. G.L. Mosse, Germans and Jews, London 1971, S. 77 ff.Google Scholar
  92. 92.
    Vg. hierzu W. Schuler, Der Bayreuther Kreis von seiner Entstehung bis an den Ausgang der wilhelminischen Ära, Münster 1971, S. 34 ff.Google Scholar
  93. 93.
    Ignaz Zollschanhatte in seinem Buch “Das Rassenproblem”(Berlin 1909) behauptet, Paul Ehrlich und der Physiker Rudolf Heinrich Hertz seien Juden. In seiner Besprechung dieses Buches kam Otto Hauser zu dem Schluß, daß der Vater von Hertz zwar jüdisch sei, die Mutter aber rein christlich. Also sei seine Genialität doch eine germanische. Ehrlich dagegen habe blaugraue Augen, einen hellen Teint und früher blondes Haar besessen, sei mithin ebenfalls kein reinrassiger Jude, s. PAR9, 1910/11, S. 549.Google Scholar
  94. 94.
    Eine redaktionelle Bemerkung schon in der 2. Nummer dieses Jahrgangs bekundet die Absicht, daß die Zeitschrift nunmehr alle Bestrebungen zur Stärkung der Wehrkraft fö rdern wolle. Der Krieg sei schließlich auch eine biologische Kraftprobe.Google Scholar
  95. 95.
    Auch der Zionismus wurde nicht mehr positiv bewertet. Die Juden waren nun das schlechthin Negative und auch gar nicht imstande, einen Staat aufzubauen, da sie nur als Schmarotzer leben könnten, vgl. zusammenfassend: K. Fläming, Palästina und die Juden, in: PAM 21, 1922, S. 34 ff; F. Kaiser, Geist und Judentum, ebd. S. 30 ff,: Nur Keimmutanten könnten das Judentum verlassen, wie z.B. Jesus Christus. PAR 11, 1912/13, S. 57 ff.Google Scholar
  96. 96.
    Zur Gestalt Schemanns s. W. Schüler, op. cit. S. 102 ff. Siehe auch das Geflecht der völkischen und rassistischen Kreise, in denen Schemann wirkte, in:L. Schemann, Gobineaus Rassenwerk, Stuttgart 1910, S. 236 ff.Google Scholar
  97. 97.
    L. Schemann, Gobineau. Eine Biographie, 2 Bde., Straß- burg 1913, 1916. Schemann begründete in Straßburg auch das Gobineau-Archiv und die Gobineau-Vereinigung.Google Scholar
  98. 98.
    Schon Penka hatte die historische Anthropologie mit der Chemie verglichen. Das Herausfinden der Urrassen entspreche dem Herausdestillieren der reinen Elemente in der Chemie, s. K. Penka, Origines, op. cit. S. III.Google Scholar
  99. 99.
    Leipzig 1911.Google Scholar
  100. 100.
    L. Müller v. Hausen, Der Einfluß der jüdischen Rasse auf die wirtschaftliche Entwicklung der Kulturvölker, in: PAR 10, 1911/12, S. 469.Google Scholar
  101. 101.
    Auch weiterhin blieb die PAM Sombart sehr verbunden. Mit dem Erscheinen von Sombarts Kriegsbuch “Händler und Helden” (München, Leipzig 1915) hatte auch die PAM ihr neues Schlagwort, s. PAM 14, 1915/16, S. 225 ff.Google Scholar
  102. 102.
    O. Schmidt-Gibichenfels, An die Leser im Inland und Ausland, in: PAM18, 1919/20, S. 1 ff.Google Scholar
  103. 103.
    PAM21, 1922, S. 193 ffGoogle Scholar
  104. 104.
    Archiv für Rassen-und Gesellschaftsbiologie einschließlich der Rassen-und Gesellschaftshygiene. Zeitschrift für die Erforschung des Wesens von Rasse und Gesellschaft und ihres gegenseitigen Verhältnisses für die biologischen Bedingungen ihrer Erhaltung und Entwicklung, sowie für die grundlegenden Probleme der Entwicklungslehre, Hg. Alfred Ploetz, gegr. 1904.Google Scholar
  105. 105.
    A. Ploetz, Die Begriffe Rasse und Gesellschaft und die daraus abgeleiteten Disziplinen. Einige Worte zur Einführung, in: ARGB 1, 1904, S. 1 ff.Google Scholar
  106. 106.
    Entscheidender Vermittler wurde hier das große Lehrbuch von E. Baur, E. Fischer, F. Lenz, Menschliche Erblichkeitslehre, 2 Bde., Jena 21924.Google Scholar
  107. 107.
    W.E. Mühlmann und K.V. Müller gehören zu den ständigen Autoren des ARGB, ebenso Eickstedt und Schwidetzky.Google Scholar
  108. 108.
    Thurnwald erscheint seit dem zweiten Jahrgang als Mitherausgeber.Google Scholar
  109. 109.
    Corrado Gini, Race and Sociology, in: R.E. Kuttner (ed.), Race and Modern Science, New York 1967, S. 261 ff.; vgl. I. Schwidetzky, Race and the Biological History of Peoples, ebd., S. 95 ff.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1987

Authors and Affiliations

  • Erhard Stölting

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